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15.01.2006

16:24 Uhr

Skispringen Skifliegen

DSV-Quartett bei Skiflug-WM auf dem Treppchen

Im Teamwettbewerb der Skiflug-WM am Kulm konnten die deutschen Springer mit der Bronzemedaille endlich das ersehnte Erfolgserlebnis feiern. Norwegen holte sich mit Einzelweltmeister Ljökelsoy den Titel vor Finnland.

Glückliches Ende für die deutschen Springer bei der Skiflug-WM in Bad Mitterndorf. In der Besetzung Michael Neumayer (Berchtesgaden), Georg Späth (Oberstdorf), Alexander Herr (Schonach) und Michael Uhrmann (Rastbüchl) gewannen die Schützlinge von Bundestrainer Peter Rohwein mit 1 374,0 Punkten die Bronzemedaille. Einzelweltmeister Roar Ljokelsoy, der sich selbst zum König vom Kulm krönte, führte Norwegen (1 497,9 Punkte) vor Finnland (1 477,2 Punkte) zum Sieg im Teamwettbewerb.

Bundestrainer Peter Rohwein hofft jetzt, dass bei seinem Team endlich der Knoten geplatz ist: "Die Medaille ist verdient und gibt die nötige Ruhe, um mit Blick auf Olympia konsequent weiterzuarbeiten. Meine Leute haben sich zusammengerauft, gekämpft und gewonnen." Gut eine Woche nach dem Tournee-Absturz war Alexander Herr der "Matchwinner", der im Finaldurchgang mit 203,5 Metern seinen ersten Flug über die magische 200-m-Marke schaffte. Als sich Uhrmann anschließend "mit ganz viel Magenkribbeln" auf 160 Meter zitterte, war die erste Flug-Medaille seit Sven Hannawalds Weltmeister-Titel vor vier Jahren perfekt.

Neumayer: "Ein perfektes Geburtstagsgeschenk"

Das deutsche Team, das vom Windpech des haushohen Favoriten Österreich beim Absturz von Andreas Kofler profitierte, wurde nur von den überragenden Norwegern und Finnland geschlagen. "Ein perfektes Geburtstagsgeschenk. So eine Flug-Medaille sieht daheim sehr gut im Schrank aus", meinte Neumayer und umarmte Georg Späth. Herr bezeichnete das Edelmetall bei schwierigen Bedingungen auf der größten Naturschanze der Welt auch in puncto Arbeitsplatzsicherung als "ungeheuer wichtig für das deutsche Skispringen": "Aber gefeiert wird jetzt nicht, schließlich wollen wir bei Olympia was reißen."

Tags zuvor hatten die deutschen Flieger mit dem schlechtesten Einzel-Resultat seit 14 Jahren bei einer Flug-WM noch mit leeren Händen dagestanden. Uhrmann flog als Fünfter um stolze 30,9 Punkte an Bronze vorbei, zeigte sich aber trotzdem zufrieden: "Ich bin sowieso nicht mit dem Anspruch hierher gefahren, im Einzel-Wettbewerb aufs Podest zu springen. Was ich wollte, ist die Team-Medaille, und die haben wir". Neumayer (Berchtesgaden/13.), Herr (Schonach/21.) und Späth (Oberstdorf/22.) landeten im Mittelmaß.

Ljökelsoy erfolgreichster Skiflieger aller Zeiten

Eine Klasse für sich war der Norweger Ljökelsoy, der mit 788,0 Punkten souverän seinen Titel von 2004 verteidigte. Dieses Kunststück war zuvor nur Hannawald (2000 und 2002) gelungen. "Ich bin sehr stolz, fühle mich aber jetzt nicht als bester Skiflieger aller Zeiten", meinte der 29 Jahre alte Champion. Eiskalt verwies der Vater eines Sohnes mit einem Finalsprung auf 207,5 Meter drei fanatisch angefeuerte Österreicher auf die nächsten Plätze. Andreas Widhölzl gewann mit 762,4 Punkten Silber vor Thomas Morgenstern (752,2).

Am Tag darauf sicherte Ljökelsoy als letzter Flieger seiner Mannschaft mit einem Sprung auf 200m den Titel und fiel anschließend überglücklich in den Schnee. Mit nunmehr vier WM-Goldmedaillen ist er der erfolgreichste Skiflieger aller Zeiten.

Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes, lobte die mit einem Etat von 1,9 Mill. Euro organisierte WM als "glanzvolle Veranstaltung": "Hier sind alle Weltmeister." Zu den Ehrengästen zählten neben Box-Ikone Muhammad Ali auch die Idole Niki Lauda, Bob Beamon, Mark Spitz und Lothar Matthäus.

© SID

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