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07.01.2007

18:17 Uhr

Skispringer Anders Jacobsen bei der Landung in Bischofshofen. Foto: ap ap

Skispringer Anders Jacobsen bei der Landung in Bischofshofen. Foto: ap

Anders Jacobsen jubelte auf den Schultern seiner Kollegen als Gesamtsieger und Wunderknabe Gregor Schlierenzauer feierte seinen 17. Geburtstag mit dem Tagessieg. Beim großen Finale der 55. Vierschanzentournee in Bischofshofen verschwanden nur die deutschen Skispringer mit einem der schwächsten Ergebnisse aller Zeiten und hängenden Köpfen aus dem brodelnden Stadion. Michael Uhrmann war noch einmal auf dem zehnten Platz gelandet. In der Gesamtwertung sprang er als bester deutscher auf Rang neun - 109,9 Punkte oder 61 Meter hinter dem mit Platz zwei beim Finale zum Triumph geflogenen Jacobsen.

"Wenn zwei Deutsche und 13 Österreicher im Finale sind, dann brauche ich nicht mehr viel zu sagen. Ich bin noch nicht in Topform, so gesehen ist ein Top-Ten-Platz nicht schlecht", meinte Uhrmann: "Aber die Weltspitze war bei dieser Tournee im Wettkampf halt klar besser als wir. Jacobsen ist ein verdienter Sieger."

Hörmann hält Thoma und Kojonkosi nicht für Heilsbringer

Verbandspräsident Alfons Hörmann bezeichnete das Ergebnis als "enttäuschend", schloss personelle Konsequenzen für Bundestrainer Peter Rohwein aber vorerst aus. In den als Nachfolger ins Gespräch gebrachten Namen wie Dieter Thoma, der schon vor der Tournee Rohweins Ablösung zum Saisonende gefordert hatte, oder Norwegens Erfolgstrainer Mika Kojonkoski sieht Hörmann "nicht die Heilsbringer des deutschen Skispringens".

Kojonkoski konnte aber wie so oft in den letzten Jahren wieder jubeln, als sein Schützling Jacobsen als Gesamtsieger feststand und den Schlüssel für einen 30 000 Euro teuren Geländewagen erhielt. In der Endabrechnung hatte er mit 961,9 Punkten 17,3 Zähler Vorsprung vor Schlierenzauer. Platz drei in der Gesamtwertung belegte der auch in der Tageswertung drittplatzierte Schweizer Simon Ammann.

"Das ist ein absoluter Traumtag, erklärte Fledermaus-Flieger Jacobsen überglücklich, der bis vergangenen Sommer als Hobbyspringer noch hauptberuflich als Klempner an Toiletten gearbeitet hatte. Jacobsen war nach den beiden Finnen Riisto Laakonen (1989) und Toni Nieminen (1992) erst der dritte Springer in den letzten 50 Jahren, der bei seinem Tournee-Debüt gleich den Gesamtsieg holte.

Schlierenzauer nach Aufholjagd zum Tagessieg

Bejubelt wurde von den 25 000 Fans unter Flutlicht aber vor allem der einheimische Gregor Schlierenzauer, der von Platz sieben in der Gesamtwertung noch einmal den Angriff nach ganz vorn startete und für seine phantastische Aufholjagd mit dem Tagessieg belohnt wurde. Mit 291,9 Punkten holte er sich nach Oberstdorf den mit 30 000 Schweizer Franken prämierten zweiten Tagessieg bei dieser Tournee. Gesamtweltcup-Spitzenreiter Jacobsen wurde mit der Tagesbestweite von 142 Metern im letzten Sprung Zweiter mit 289,1 Punkten. Danach fielen sich die beiden überragenden Springer der Tournee in die Arme.

Trainings-Weltmeister Michael Uhrmann landete einen Tag nach seiner Bestweite in der Qualifikation mit 248,1 Punkten erneut wie schon in Innsbruck auf Platz zehn. Der Gesamt-14. Martin Schmitt enttäuschte mit 235,8 Zählern als 18.: "Ich habe in Österreich keinen einzigen guten Sprung gemacht." Jörg Ritzerfeld verpasste als 31. gar den Sprung in den zweiten Durchgang, damit war beim großen Finale nur noch ein kümmerliches Duo der einstigen Skisprung-Großmacht Deutschland vertreten. Rohwein war trotzdem mit der Tournee nicht unzufrieden: "Wir sind unter Wert geschlagen worden. Wir haben in den letzten Springen einen Aufwärtstrend gezeigt und sind auf dem richtigen Weg."

Rohwein will Team für WM-Medaille fit machen

Ähnlich schlecht war der deutsche Tournee-Gesamtauftritt zuletzt im Vorjahr und 1991 gewesen, als keiner aus dem von Jens Weißflog angeführten Team den Sprung unter die Top Ten in der Gesamtwertung geschafft hatte. Diesmal war die beste von insgesamt nur vier deutschen Platzierungen unter den besten Zehn ein achter Rang von Schmitt in Garmisch-Partenkirchen - ein blamables Resultat. Bis zur WM in sechs Wochen in Sapporo will Rohwein seine Rumpfmannschaft in die Form für eine Team-Medaille bringen.

© SID

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