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01.01.2007

15:03 Uhr

Skispringen Vier-Schanzen-Tournee

Küttel gewinnt Abbruchspringen von Garmisch

Der Schweizer Andreas Küttel hat das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch gewonnen. Der Wettbewerb musste allerdings nach dem ersten Durchgang abgebrochen werden, Gesamterster bleibt Georg Schlierenzauer.

Der Schweizer Andreas Küttel ist Gewinner des turbulenten Neujahrsspringens 2007 in Garmisch-Partenkirchen. Die deutschen Skispringer standen derweil trotz eines der schwächsten Tournee-Halbzeitergebnisse aller Zeiten gar nicht unglücklich im strömenden Regen.

Martin Schmitt als Achter und der direkt hinter ihm platzierte Michael Uhrmann zeigten einen Aufwärtstrend bei der 55. Vierschanzentournee, die in Oberstdorf mit dem schlechtesten deutschen Start seit 21 Jahren und dem Triumph des Gesamtbesten Gregor Schlierenzauer (Österreich) begonnen hatte.

Rohwein: "Es tut mir Leid für Martin"

"Es tut mir Leid für Martin, er hätte noch weiter nach vorn kommen können. Aber er ist auf dem richtigen Weg nach oben, und wir haben in Garmisch einen klaren Aufwärtstrend gezeigt", erklärte Bundestrainer Peter Rohwein.

Den Abbruch des Springens und damit die Wertung nach dem ersten Durchgang wegen Problemen mit der Anlaufspur und eines aufziehenden Sturmes bezeichnete der Chefcoach als korrekt. Letztmals hat es das bei der Tournee vor fast 20 Jahren am 6. Januar 1987 in Bischofshofen gegeben. "Das hätte nicht mehr lange gedauert, und einer wäre aus der Spur gefahren", meinte Rohwein.

So reichte es für Schmitt mit 127,6 Punkten für einen Sprung auf 122 Meter "nur" zu Platz acht, dem besten Saisonresultat. Im Training und dem Probedurchgang war der viermalige Weltmeister noch zur Bestweite geflogen, doch im entscheidenden Moment fehlte die Nervenstärke genau wie das nötige Windglück.

Schmitt trauert verpasster Chance hinterher

"Da war mehr drin, ich hätte mich im zweiten Durchgang gern noch weiter nach vorn gearbeitet. Aber trotzdem ist mir hier der Knopf aufgegangen - jetzt kann ich angreifen", erklärte Schmitt. Auch Uhrmann feierte als Neunter "meinen besten Sprung bei dieser Tournee".

Küttel reichten 135,9 Punkte für einen Flug auf 125,5 Meter zum zweiten Schweizer Sieg beim letzten Springen auf der alten Olympiaschanze - der Bakken wird in Kürze abgerissen. Platz zwei belegte vor 15 000 pitschnassen Zuschauern und ständigen Windpausen der Finne Matti Hautamäki vor Noriaki Kasai aus Japan.

"Du musst halt gut sein, wenn es drauf ankommt. Jetzt greife ich in der Gesamtwertung an", meinte Küttel. Dort hat er bei Halbzeit des Skisprung-Grand-Slams mit 422,4 Punkte nur noch 3,0 Zähler Rückstand auf den diesmal viertplatzierten Wunderknaben Schlierenzauer (425,4). Uhrmann als 12. (374,2) und Schmitt als 14. (369,0) liegen bereits aussichtslos zurück.

"Ich bin heilfroh, dass ich diese schwierigen Bedingungen überstanden habe und immer noch in der Gesamtwertung vorn bin. Jetzt kommt mein Heimspringen", erklärte der 16-jährige Schlierenzauer mit Blick auf das dritte Tourneespringen am 4. Januar in Innsbruck. In Oberstdorf war das Ausnahmetalent mit der Bestweite von 142 Metern in einer anderen Dimension als der Rest der Skisprung-Welt geflogen und hatte vor Küttel und Adam Malysz aus Polen gesiegt.

Hörmann: "Die Ergebnisse sind unbefriedigend"

Der beim Neujahrsspringen auf Platz 23 notierte Jörg Ritzerfeld war am "deutschen Berg" als Bester nur auf Platz zwölf gelandet , Michael Uhrmann wurde 15., Martin Schmitt 18. - Welten von Schlierenzauer entfernt. "Die Ergebnisse sind unbefriedigend, keine Frage", erklärte Skiverbands-Präsident Alfons Hörmann: "Aber es gibt zum heutigen Tag keinen Grund, über eine Alternative zu Trainer Rohwein nachzudenken."

In Garmisch-Partnekirchen hatten sich nur drei Springer und damit das kleinste deutsche Aufgebot aller Zeiten für das Neujahrsspringen qualifiziert. Peinlich, dass das 16 Jahre junge Nachwuchstalent Felix Schoft wegen eines zu großen Anzugs disqualifiziert wurde. Schoft ersetzt bei den restlichen beiden Tourneespringen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (7. Januar) trotzdem den nach seiner Qualifikations-Pleite in Oberstdorf aus dem Team geworfenen Georg Späth.

Das deutsche Team hatte übrigens vergessen, Späth bei der Qualifikation für das Neujahrsspringen aus der Startliste zu streichen - der somit verlorene Startplatz war nur eine der vielen deutschen Pannen. Bleibt als Ansporn für den Rest der Tournee nur ein Fan-Plakat beim Neujahrsspringen: "Fliegt wie Adler. Nicht flattern wie Hühner."

© SID

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