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04.01.2010

13:00 Uhr

Skispringen Vier-Schanzen-Tournee

Olympiamedaille rückt für Schmitt in weite Ferne

Nach dem verpassten Finale beim Skispringen in Innsbruck schliddert Martin Schmitt immer weiter in die Krise. Dennoch soll der Traum von der Olympiamedaille nicht begraben werden.

Martin Schmitt sucht seine Form. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Martin Schmitt sucht seine Form. Foto: Bongarts/Getty Images

Krisenflieger Martin Schmitt sammelte nach dem Absturz von Innsbruck beim Bowling neues Selbstvertrauen. Die neue deutsche Nummer eins, Schmitts Zimmerkollege Pascal Bodmer, feierte am Sonntagabend mit dem gesamten Team seinen 19. Geburtstag am montäglichen Tournee-Ruhetag vor. So richtig zum Lachen war dem 13 Jahre älteren Schmitt bei der Fete aber nicht, schließlich bringt die Pleite bei der Vierschanzentournee auch das Projekt Olympiamedaille in Gefahr.

"Ein starker Martin Schmitt wie im letzten Winter geht uns ab. Er tritt momentan auf der Stelle und kommt einfach nicht ins Gleiten", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Nach zwei schwachen Vorstellungen in Oberstdorf (23.) und Garmisch-Partenkirchen (25.) hatte Schmitt am Bergisel als 34. sogar das Finale verpasst. Ein Debakel für den 31-Jährigen, der ein Jahr zuvor als Dritter an gleicher Stelle noch den Grundstein für WM-Silber gelegt hatte.

Noch nicht zu alt für Topleistungen

"Ich bin momentan nicht in der Form für Weltklasseleistungen, das Gefühl ist einfach anders als im letzten Jahr. Ich spüre, dass ich zwar das Niveau für Topleistungen habe, aber alles ist eine Gratwanderung", sagte Schmitt und fügte mit einem müden Lächeln hinzu: "Und das liegt nicht am Alter."

Vielmehr fehlt immer ein kleines Detail, um wieder in die Spitze zu fliegen. Zum Beispiel beim Material, wo Schmitt auf den drei Tourneeschanzen drei verschiedene Ski testete. Oder auch beim Absprung, wo sich immer wieder ein technischer Fehler einschleicht und deshalb für den tollen Flieger einfach Sprunghöhe fehlt.

Schmitt springt "praktisch ohne Ski"

"Ich springe die ersten 30, 40 Meter praktisch ohne Ski", sagt Schmitt: "Man muss sich das halt jeden Winter neu erarbeiten. Im letzten Jahr hatte ich dann wie in Innsbruck auch mal Erfolgserlebnisse. Diesmal fehlt das, damit fehlen auch die Lockerheit und das Selbstvertrauen."

Chefcoach Schuster empfiehlt seinem schwächelnden Leitwolf deshalb, weniger zu grübeln und sich etwas von der Leichtigkeit der "neuen Nummer eins" Bodmer abzuschauen. Mit Platz acht in Innsbruck gelang dem Youngster das erste deutsche Top-Ten-Resultat bei einer Tournee, die wohl als die aus deutscher Sicht schwächste in die Geschichte eingehen wird.

Trotzdem fordert Schuster von Schmitt auch beim Finalspringen am Mittwoch in Bischofshofen (16.30 Uhr/live in der ARD) kompromisslose Einsatzbereitschaft: "Nach Bischofshofen muss der Pfeil auch bei Martin nach oben zeigen. Das ist die Schanze, die ihm am meisten liegt."

Sondertraining in Sapporo wartet auf Schmitt

Deshalb verzichtete der Bundestrainer auch darauf, Schmitt vorzeitig aus der Tournee zu nehmen und zum Üben zu schicken. Das Sondertraining soll jetzt in der kommenden Woche stattfinden, wenn der Olympiakader auf den Weltcup im japanischen Sapporo verzichten wird.

Schuster glaubt immer noch, dass er seinen Krisenflieger in den gut fünf Wochen bis zu den Winterspielen in Podestform bringen kann. "Martin muss einen weiten Weg gehen, aber wir haben ja noch Zeit. Sein technisches Problem ist lösbar", sagt der Österreicher und will bis zur letzten Minute kämpfen: "Wir werden jetzt nicht sechs Monate Vorbereitung wegschmeißen."

Zumal Schmitt beim Bowling nach Meinung seiner Teamkollegen schon einen leichten Aufwärtstrend andeutete. Bodmer: "Leider hilft ihm das nicht beim Skispringen."

© SID

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