Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2011

13:29 Uhr

Skispringen Vier-Schanzen-Tournee

Weißflog: "Sehe keinen Richtung Weltspitze gehen"

Jens Weißflog stellt das Abschneiden der DSV-Adler bei der Vierschanzentournee nicht zufrieden. Es gäbe niemanden, der in die Weltspitze vordringen kann, so der ZDF-Experte.

Für Jens Weißflog kann derzeit kein DSV-Adler in die Weltspitze vordringen. Foto: SID Images/pixathlon SID

Für Jens Weißflog kann derzeit kein DSV-Adler in die Weltspitze vordringen. Foto: SID Images/pixathlon

Jens Weißflog ist einer der erfolgreichsten Skispringer der Geschichte, die Vierschanzentournee gewann er viermal. Das aktuelle Geschehen verfolgt er als Experte des ZDF. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) versucht der 46-Jährige, die Ursachen für das schwache deutsche Abschneiden bei der Tournee zu ergründen.

SID: "Jens Weißflog, mit dem elften Platz in der Gesamtwertung von Michael Uhrmann hat die deutsche Mannschaft bei der Vierschanzentournee erstmals seit 1995 die Top Ten verpasst. Sie waren damals selbst dabei. Sehen Sie Parallelen?"

Jens Weißflog: "Man muss sehen, dass wir damals noch einige Leute unter den besten 20 hatten, die Gesamtsituation ist deshalb schwer vergleichbar. Aber es ist schon richtig, dass es nicht zufriedenstellen kann, wenn der Beste auf Rang elf ist. Das ist nicht unser Anspruch - und sollte es auch nicht sein."

SID: "Sehen Sie dennoch Licht am Ende des Tunnels?"

Weißflog: "Wir haben uns auf alle Fälle verbessert im Vergleich zum Stand vor der Tournee. Einzelne wie ein Richard Freitag oder Severin Freund haben sehr gute Ergebnisse gebracht und zeigen eine gute Entwicklung. Das ist eine gute Grundlage - mehr aber auch nicht."

SID: "Was unterscheidet denn die deutschen Springer von Überflieger Thomas Morgenstern oder anderen Weltklasse-Leuten?"

Weißflog: "Ihre Grundtechnik, die die Top-Leute unabhängig von den äußeren Bedingungen immer anwenden können. Bei unseren Springern kommen unter dem Druck des Wettkampfes schnell die immer gleichen individuellen Fehler durch. Außerdem ist das Absprungverhalten der Besten viel besser, da läuft das Sprungsystem - Körpervorlage und Ski-Anstellwinkel - viel schneller zusammen."

SID: "Halten Sie das von Bundestrainer Werner Schuster formulierte Ziel, bei der WM in Oslo eine Medaille zu holen, trotzdem für realistisch?"

Weißflog: "Mannschaftlich sind wir locker auf Platz drei hinter Österreich und Norwegen, da scheint uns keiner gefährden zu können. Aber zu mehr sind wir nicht in der Lage. Im Einzel bleibt es schwer, da muss es jetzt einen weiteren Schritt geben."

SID: "Ist dieser Schritt in den verbliebenen knapp sieben Wochen möglich?"

Weißflog: "Es scheint fast so, dass wir uns daran gewöhnen wollten, das Ergebnisse wie Platz fünf von Stephan Hocke in Engelberg oder Platz sieben von Martin Schmitt in Partenkirchen positive Ausnahmen sind. Das sollte aber nicht das Ende unserer Wünsche und Träume sein."

SID: "Wer kann denn die Fans wieder träumen lassen?"

Weißflog: "Wenn, dann müssen es die Jungen sein. Ein Freund, ein Freitag, vielleicht ein Hocke. Aber ich sehe keinen, der eine so stabile Grundtechnik hat, dass er in Richtung Weltspitze geht. Am ehesten noch Freitag, alle anderen haben begrenzte Möglichkeiten, wenn sie sich technisch nicht weiterentwickeln."

SID: "Mit Uhrmann war ein arrivierter Springer bester Deutscher bei der Tournee. Wie lange geben Sie ihm, Schmitt oder Michael Neumayer noch?"

Weißflog: "Noch ein Jahr. Der ein oder andere wird nach der WM, spätestens nach der nächsten Saison gehen. Am Ende müssen es ohnehin die Jungen bringen."

SID: "Wie beurteilen Sie die Arbeit von Werner Schuster?"

Weißflog: "Der Bundestrainer ist auf verlorenem Posten, wenn die Arbeit dahinter nicht funktioniert. Er kann nicht überall sein und die Dinge, die in der Vergangenheit liegen, aufholen. Wir haben an der Basis immer noch Probleme. Und: Skispringen findet oft in strukturell schwachen Regionen statt, da fehlt Geld für die Ausrüstung, Talente gehen verloren. Verbände und Vereine sind da noch stärker gefordert."

© SID

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×