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02.01.2006

11:43 Uhr

Skispringen Vier-Schanzen-Tournee

Zuschauerschwund bei der Vierschanzentournee

Die Euphorie rund um die Vierschanzentournee hat im Gegensatz zu den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Fehlende Stars in Reihen des DSV und mangelnde Nähe der Athleten zum Publikum scheinen Gründe zu sein.

Vorbei sind die Zeiten, als sich die Athleten des DSV bei der Vierschanzentournee wie Popstars feiern ließen und den Zuspruch der Fans mit beeindruckenden Leistungen honorierten. Gründe für das abnehmende Interesse der Zuschauer scheint es einige zu geben: "Es fehlen halt die Stars und die Siege im deutschen Skispringen. Außerdem laufen der Schmitt und früher der Hannawald doch fast immer durch, wenn die Leuten nach ihnen rufen. Da sind die Springer aus anderen Nationen viel sympathischer", kritisiert Mara.

Die 15-Jährige ist trotzdem mit ihren Eltern aus dem Emsland angereist, aber immer weniger Skisprung-Verrückte nehme so teure Reisen noch auf sich. In Oberstdorf war das sonst für die Tournee binnen Stunden ausverkaufte Stadion mit 23 000 Fans nicht voll gefüllt, und in Garmisch-Partenkirchen kamen gar nur 16 000 statt der 25 000 Zuschauer noch im Vorjahr. In den Glanzzeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt waren es noch mehr, aber die Plakate mit krassen Aufschriften wie "Martin, ich will ein Kind von Dir" oder "Du bist mein Adler, ich bin Dein Horst" sind heute verschwunden.

"Der Uhrmann muss endlich mal gewinnen"

Georg Späth finden viele wie Mareike (18) "sehr süß", aber er ist auch sehr zurückhaltend. Den sympathischen Michael Uhrmann mögen viele Fans am meisten, aber der geduldige Autogrammschreiber ist auch nicht der optimale Teenieschwarm. "Uhri ist lieb, aber er ist nicht so der Typ für den Starrummel. Seine Frau ist schwanger, er hat ein Haus, das passt irgendwie nicht so", stellt Mara fest.

Anne (15) und Ariane (17) gehören in Garmisch-Partenkirchen zu den wenigen, die ein Uhrmann-Fanplakat gebastelt haben, aber auf der Rückseite wird ausgerechnet ein Austria-Flieger mit der Aufschrift "Deutschland liebt Kofler" gefeiert. "Der Uhrmann muss endlich mal gewinnen", fordert Anne. Immer mehr finnische oder norwegische Fahnen mischen sich unter die deutschen, und das haben sich die Flieger von Peter Rohwein selbst zuzuschreiben.

"Die Deutschen sind zu arrogant"

"Die Deutschen sind zu arrogant, sie gehen zum Fernsehen, dann sind sie sofort weg. Und bei der Aufstellung geht es oft nur um die Popularität und nicht nach Leistung", schimpft Katrin (18), die Martin Schmitt aus dem Team werfen würde. Katharina (14) mit der lila Milka-Mütze hält den Deutschen uneingeschränkt die Stange und reckt ein Plakat mit den Worten "Martin, flieg so weit, dass Du bei mir landest" hoch: "Martin ist doch ein cooler Typ, egal, wie er springt."

Noch cooler ist für die meisten allerdings Günther Jauch. Der Mann im gesetzten Alter kniet in Garmisch-Partenkirchen auf der Sendeplattform und schreibt geduldig Autogramme. Es sind Momente, die an die Heldenverehrung für Sven Hannawald erinnern. Aber sie sind selten, und so schafft es selbst die 45-jährige Carmen mit dem Plakat "Hanni, danke für alles" in die erste Reihe. Zumindest sie ist nicht unglücklich über die neue Situation: "Es sind allgemein weniger Fans, aber da kann man sich wenigstens frei bewegen."

© SID

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