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08.02.2016

15:34 Uhr

Sommerspiele in Rio de Janeiro

Olympia-Absage wegen Zika-Virus?

Das Olympische Komitee der USA mahnt vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Athleten zur Vorsicht. Sportler, die um ihre Gesundheit besorgt sind, sollten bei den Sommerspielen im August nicht antreten.

Das Zika-Virus grassiert in großen Teilen des amerikanischen Kontinents. Das durch Mücken übertragene Virus gilt vor allem für Schwangere als gefährlich. Reuters

Zika-Virus

Das Zika-Virus grassiert in großen Teilen des amerikanischen Kontinents. Das durch Mücken übertragene Virus gilt vor allem für Schwangere als gefährlich.

New York/WashingtonWegen der rasanten Ausbreitung des Zika-Virus' in Brasilien rät das Olympische Komitee der USA (USOC) vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro den Athleten zur Vorsicht. Um ihre Gesundheit besorgte Sportler sollten in Erwägung ziehen, dort im August nicht anzutreten, empfahl das USOC.

Die US-Regierung beantragte am Montag beim Kongress 1,8 Milliarden Dollar an Sofortmitteln für den Kampf gegen Zika. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) setzte ein Expertengremium ein.

Den Sportteams sei geraten worden, nicht nach Rio de Janeiro zu fahren, wenn sie Bedenken hätten, sagte der Vorsitzende der US-Fechtervereinigung, Donald Anthony. Dem Sportdirektor des US-Reitverbandes, Will Connell, zufolge stellte das USOC den Athleten und Team-Mitgliedern die Entscheidung über eine Teilnahme frei. Niemand solle sich dazu verpflichtet fühlen, wenn er Bedenken habe.

Das USOC gab den beiden Sportfunktionären zufolge die Empfehlung Ende Januar ab. Ein USOC-Sprecher bestätigte, die Verbände über amtliche Empfehlungen informiert zu haben. Die US-Behörde für Gesundheitsschutz rät Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch, Zika-Regionen zu meiden.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Das durch Mücken übertragene Virus gilt vor allem für Schwangere als gefährlich. In Brasilien wird es mit Fehlbildungen bei vielen Babys in Verbindung gebracht. Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London holten US-Athleten die meisten Medaillen. Ihre Teilnahme hat große Bedeutung für die Veranstaltung in Rio.

Die von der US-Regierung beantragte Nothilfe solle für den Kampf gegen Zika sowohl in den USA als auch in anderen Ländern eingesetzt werden, erklärte das Präsidialamt. Dabei gehe es darum, die Ausbreitung der Zika-Mücken einzudämmen, die Übertragung des Virus' zu verhindern sowie um die Entwicklung von Impfstoffen.

Die Beratung der Pharmabranche bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten soll auch die Aufgabe des von der EMA eingesetzten europäischen Expertengremiums werden. Sie wende sich aktiv an Firmen, die an solchen Mitteln arbeiteten, erklärte die Behörde. Zugleich fordere sie Forscher auf, sich bei vielversprechenden Projekten auf diesem Gebiet zu melden.

Ziel sei es, so schnell wie möglich die notwendigen Mittel zu entwickeln. Bislang gibt es weder einen Impfstoff zum Schutz vor der Infektion noch Medikamente für ihre Behandlung. Derzeit laufen noch nicht einmal klinische Studien.

Von

rtr

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