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05.08.2015

14:06 Uhr

Sommerspiele in Rio de Janeiro

Olympia trotzt Krise und Kloakengestank

VonAlexander Busch

In genau einem Jahr beginnen die olympischen Sommerspiele 2016. Doch Rio de Janeiro und Brasilien nehmen kaum Notiz davon. Die Wirtschaft steckt in tiefer Depression, die Regierung wackelt – und Rios Küste stinkt.

Thomas Bach inspiziert die Küste – und ist sich sicher, dass alles gut wird. AFP

IOC-Präsident vor Ort

Thomas Bach inspiziert die Küste – und ist sich sicher, dass alles gut wird.

SalvadorVermutlich wird auch Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ihn wahrgenommen haben, als er am Montag in Rio de Janeiro landete: Den Gestank von Kloake, den jeder Besucher von Rio schlagartig wahrnimmt, sobald er den internationalen Flughafen Tom Jobim Richtung Stadtzentrum verlässt. Da nützen auch Klimaanlagen und geschlossene Fenster der Autos wenig. Die Taxifahrer zeigen entschuldigend nach draußen.

Die Guanabara-Bucht, groß wie der Gardasee, ist eine Kloake. Dort fließen die Abwässer von Rios Nordzone hinein. Seit Jahrzehnten versuchen Rios Stadtverwaltungen immer wieder mal halbherzig die Kloake zu klären. Aber wie soll das gehen, wenn es keine Kanalisation gibt? Zehn Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet der Bucht. Bisher litten nur die Ärmsten unter den Armen in Rios Favelas an der zum Himmel stinkenden Meeresbucht.

Doch in einem Jahr wird die Weltöffentlichkeit auf die Bucht starren: In den Gewässern sollen sich dann olympische Segler und Surfer in Wettkämpfen messen. Als Rio de Janeiro vor sechs Jahren den Zuschlag erhielt, die olympischen Spiele 2016 auszutragen, versprach das Olympische Komitee die Bucht zu 80 Prozent zu säubern – obwohl eigentlich allen Cariocas, also den Einwohnern Rios, klar war, dass das unmöglich ist. Inzwischen haben die Organisatoren zugegeben, dass sie maximal 20 Prozent werden säubern können.

Sie wollen jetzt Netze an den größten der 35 Flüsse spannen, so dass die Jollen, Katamarane und Surfboards wenigstens nicht über tote Hunde, treibende Bettgestelle oder Autoreifen brettern müssen. „Eigentlich haben die Verantwortlichen schon längst das Handtuch geschmissen“, sagt David Zee, Ozeanologe von der staatlichen Universität Rio de Janeiros, „sie machen nichts mehr.“

Als kürzlich die Nachrichtenagentur AP Wasserproben entnahm, stellten sie Coli-Bakterien fest. Die Sportler gehen in der Bucht ein gesundheitliches Risiko ein. Doch nicht nur dort. Auch in der Lagoa de Freitas, direkt hinter dem mondänen Ipanema-Viertel gelegen, und an der Copacabana ist die Wasserqualität ungenügend. In der Lagune soll gerudert und gepaddelt werden. Vor der Copacabana werden Triathleten schwimmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Organisatoren die Wasserqualität offiziell zu checken. Der Weltsegelverband (ISAF) will ebenfalls Proben nehmen.

„Was wichtig ist, ist, dass dort, wo die Wettbewerbe stattfinden, gute Bedingungen für die Athleten herrschen“, sagte Bach in Rio. Der Triathlon am Wochenende vor der Copacabana habe jedoch gezeigt, „dass alles in die richtige Richtung geht“. Mit dem Vermerk, dass er sicher, dass das Problem in den Griff bekommen werde, handelte Bach auch einen eigenen Tagesordnungspunkt ab: „Die Wasserqualität wird ein Thema sein in Rio“, sagte er noch in Malaysia, kurz bevor er sich nach Brasilien aufmachte zu den Testveranstaltungen genau ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele. Vom 5. bis 21. Juli 2016 werden dort die „Spiele der XXXI. Olympiade“ stattfinden. Das erste Mal in Südamerika.

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