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31.05.2013

01:40 Uhr

Sotschi 2014

Putin, seine Freunde und gestohlene Olympia-Milliarden

Die Olympischen Winterspiele nächstes Jahr dürften die teuersten der Geschichte werden. Nun behauptet ein Oppositioneller zu wissen, wo die Milliarden hingeflossen sind: In die Taschen von Putin und seinen Kontakten.

IOC-Präsident Jacques Rogge, Russlands Präsident Vladimir Putin und der OK-Präsident von Sotschi 2014, Dmitry Chernyshenko organisieren derzeit die wohl teuersten Winterspiele der Geschichte. dpa

IOC-Präsident Jacques Rogge, Russlands Präsident Vladimir Putin und der OK-Präsident von Sotschi 2014, Dmitry Chernyshenko organisieren derzeit die wohl teuersten Winterspiele der Geschichte.

MoskauBei dem Bau der Sportanlagen für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi sind laut einem russischen Oppositionellen Milliarden Dollar gestohlen worden.
Der Oppositionsführer Boris Nemtsow und der Regierungskritiker Leonid Martynjuk schrieben in einem am Freitag veröffentlichten Bericht, umgerechnet 19 bis 23 Milliarden Euro der für die Baumaßnahmen veranschlagten rund 39 Milliarden Euro seien von Präsident Wladimir Putin und ihm nahestehenden Geschäftsleuten veruntreut worden.

„Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind zu einem monströsen Betrug geworden“, schrieben Nemtsow und Martynjuk. Eigenen Angaben nach basieren ihre Ergebnisse auf einer sechsmonatigen Studie der verfügbaren Daten zu den erwarteten Kosten.

Korruption hat die Kosten demnach vervierfacht. Die Kosten seien auf 50 Milliarden Dollar getrieben worden. Putin hatte sich selbst bereits verärgert über die steigenden Kosten der Sportveranstaltung gezeigt, die die teuerste Veranstaltung in der Geschichte der Olympischen Spiele werden dürfte.

2007 hatte Russland erklärt, zwölf Milliarden Dollar für die Winterolympiade aufbringen zu müssen. In den letzten 16 Jahren beliefen sich die endgültigen Kosten von olympischen Spielen im Durchschnitt auf das doppelte der ursprünglich angesetzten Summe.

„Nur Oligarchen und Unternehmen mit Verbindungen zu Putin wurden reich“, schrieb Nemtsow in seinem Blog. Der Mangel an fairem Wettbewerb und Vetternwirtschaft hätten zu dem starken Anstieg der Kosten und minderer Qualität geführt.

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Laut einem Bericht soll Putin Millionen oder gar Milliarden besitzen.

Die Aufträge für die teuersten Sportstätten seien ohne öffentliche Ausschreibung vergeben worden, schrieb Nemtsow zusammen mit einem anderen Kritiker von Präsident Wladimir Putin, Leonid Martinjuk, in einem Bericht.

13 Sportstätten - darunter ein Stadium für 40.000 Zuschauer - wurden eigens für die Veranstaltung aus dem Boden gestampft. Die Region um die Stadt an der Schwarzmeerküste ist schwach entwickelt. „Fast alles im Zusammenhang mit den höheren Kosten und dem Missbrauch bei den Vorbereitungen der olympischen Spiele wurde sorgfältig verschleiert und wird von den Behörden gedeckt“, hieß es.

Ein Sprecher von Putin wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Der für die Spiele verantwortliche Vize-Ministerpräsident Dmitri Kosak wies die Vorwürfe zurück. „Trotz aller Neider finden die russischen olympischen Winterspiele in der Hauptstadt des Südens statt - dem subtropischen Sotschi.“

Für die Spiele sollen in Sotschi und dem Hinterland der Küstenstadt am Schwarzen Meer nicht nur neue Sportstätten gebaut und bestehende Anlagen repariert werden, sondern auch Straßen und Hotels erneuert und neue Eisenbahnstrecken geschaffen werden.

Die Autoren kündigten an, Ermittler und Staatsanwälte zur Untersuchung der Vorwürfe zu drängen. Weder die Präsidentschaft noch die Regierung äußerten sich zunächst zu dem Bericht.

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