Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.07.2011

14:17 Uhr

Spannung pur in Durban

„München 2018“ Punktsieger beim Olympia-Schlussakt

Deutliche Worte, große Gefühle, eindrucksvolle Bilder: München hat im Kampf um die Olympischen Winterspiele 2018 eine sehr bemerkenswerte Schlusspräsentation abgegeben - und damit die Konkurrenz aus Pyeongchang und Annecy klar abgehängt. Die entscheidende Frage aber bleibt: Hat das für den Zuschlag gereicht?

IOC entscheidet über Winterspiele 2018

Video: IOC entscheidet über Winterspiele 2018

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DurbanSpannung vor der Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018: Die drei Bewerber München, Annecy (Frankreich) und Pyeongchang (Südkorea) zeigten am Mittwochvormittag im südafrikanischen Durban ihre Abschlusspräsentationen. Anschließend zogen sich die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Abstimmung zurück. Die Entscheidung soll am Nachmittag gegen 17 Uhr verkündet werden.

Wenige Stunden vor der Wahl des Gastgebers durch das IOC sprach vor allem Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident im IOC, vor den Damen und Herren der Ringe Klartext. Dabei waren im Kongresszentrum im südafrikanischen Durban die Spitzen gegen den großen Favoriten Pyeongchang aus Südkorea nicht zu überhören.

"Es geht nicht darum, wie oft sich jemand beworben hat", betonte Bach vor den Mitgliedern des IOC, "alte Bewerbungen geben nur Antworten auf die Fragen von gestern." Es gehe um das Hier und Jetzt, "es geht um den Sport von morgen in einer Gesellschaft von morgen". Pyeongchang hatte sich für 2010 und 2014 vergeblich beworben und in den vergangene Tagen immer wieder darauf verwiesen, dass es seine Lektionen gelernt und alle Vorgaben des IOC erfüllt habe. Zudem versprachen die Südkoreaner, mit Spielen in Pyeongchang werde der Wintersport Zugang zum asiatischen Markt erhalten.

München

Motto

Unter dem Motto "Fest der Freundschaft" möchte München die Olympischen Winterspiele 2018 austragen.

Einwohnerzahl

82 Millionen Menschen leben in Deutschland, davon 12,6 Millionen im Freistaat Bayern. Allein in München wohnen 1,4 Millionen.

Etats

München hat mti 1,52 Milliarden Dollar für die Organisation den geringsten Etat. 541 Millionen Dollar sind davon IOC-Garantie. Hinzu kommen 1,86 Milliarden Dollar für Investitionen.

Konzept

Sämtliche Eiswettbewerbe sollen in München ausgetragen werden, die Schneewettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen und die Kufenwettbewerbe am Königssee.

Wettkampfstätten

Sieben Wettkampfstätten bestehen bereits. Im Falle eines Wahlsiegs würden sechs neue errichtet werden - vier davon nur temporär.

Olympische Dörfer

Insgesamt soll es drei Olympische Dörfer geben - in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee. 80 Prozent der Sportler erreichen ihre Wettkampfstätten in weniger als zehn Minuten. Der Rest braucht keine halbe Stunde.

Transport

Weitestgehend besteht bereits ein gutes System aus Bahnen und Straßen. Gleichzeitig verfügt die Stadt über Flughafennähe. An Verkehrsinvestitionen würden 741 Millionen Dollar anfallen.

Eintrittskarten

Insgesamt wird mit 1,7 Millionen verkauften Tickets kalkuliert (89 Prozent). Die Preise bei der Eröffnung schwanken zwischen 146 bis 925 Dollar. Bei den Normalwettbewerben kann man Tickets für 21 bis 160 Dollar bekommen und für die Prime-Wettbewerbe sollen 46 bis 593 Dollar bezahlt werden.

Zustimmung

60 Prozent der Münchner stehen den Winterspielen in der eigenen Stadt positiv gegenüber. In Bayern sind es 53 und deutschlandweit 56 Prozent.

Bewertung

Insgesamt ist das Konzept mit München, Garmisch-Partenkirchen und Königssee kompakt. Dabei können viele bestehende Wettkampfstätten genutzt werden.

Besondere Stärken

Für München spricht die Erfahrung im Veranstalten von Großereignissen. Auch kann die olympische Infrastruktur von 1972 genutzt werden. Positiv ist auch die ökologische Nachhaltigkeit sowie der große Sponsorenmarkt.

Schwäche

Münchens Manko ist die geringe Zustimmungsrate in der Bevölkerung. Allerdings ist diese im vergangenen halben Jahr gewachsen. Vor wenigen Tagen vermeldete das Meinungsforschungsinstitut Info aus Berlin sogar eine deutschlandweite Zustimmung von 78 Prozent für die Spiele.

"Es war eine wundervolle Präsentation, sehr emotional und enthusiastisch. Besser kann man es nicht machen. Wir wissen, dass wir hier das Blatt wenden müssen, und ich bin sehr optimistisch, dass wir alles getan haben, damit das am Ende auch gelingt", sagte Bundespräsident Christian Wulff nach der 45-minütigen Aufführung. Er selbst hatte den IOC-Mitgliedern mitgeteilt, dass "jedes Kind in Deutschland mit einem Schlitten aufwächst", dass Wintersport Volkssport sei in Deutschland, dass Deutschland ein weltoffenes, freundliches Land sei. Dafür, das sagte er auf Nachfrage der Eissport-Weltverbandspräsidenten Ottavio Cinquanta (Italien), stehe er persönliche gerade.

In weiteren Bemerkungen konterte der gut aufgelegte Bach die Visionen von Pyeongchangs "Neuen Horizonten" geschickt aus. So verwies der IOC-Vize darauf, dass München mit seiner "magischen Atmosphäre" auch den Sponsoren und Fernsehanstalten eine Plattform biete, die der olympischen Bewegung weltweit und "nicht nur in einer Region" weiterhelfen würden. "München 2018" werde die "olympische Marke vergolden", versicherte Bach, und immer wieder flocht er ein, dass die deutsche Bewerbung weltweit ausstrahlen werde, dass sie gut sei für die gesamte olympische Bewegung, nicht nur für die Winter-, sondern auch für die Sommersportarten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×