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18.10.2016

16:18 Uhr

Sport-Sponsoring

Wie Unternehmen das Rad neu erfinden

VonAndreas Neuhaus

Sponsoring im Radsport stand bei deutschen Unternehmen jahrelang im Giftschrank der Marketing-Abteilungen. Gerade Mittelständler entdecken den Sport wieder für sich: Nirgendwo sonst ist Werbung so effizient und günstig.

Eduard Dörrenberg (l.), Geschäftsführender Gesellschafter beim Shampoo-Hersteller Alpecin, wagt mit seinem Unternehmen den Einstieg beim Radsport-Team Katusha. obs

Alpecin steigt bei Katusha ein

Eduard Dörrenberg (l.), Geschäftsführender Gesellschafter beim Shampoo-Hersteller Alpecin, wagt mit seinem Unternehmen den Einstieg beim Radsport-Team Katusha.

DüsseldorfDer große Tusch zum Abschluss blieb aus. Bei der Weltmeisterschaft in Katar verpassten die deutschen Radprofis deutlich den erhofften Weltmeistertitel im Straßenrennen der Profis. John Degenkolb hockte ausgepowert und mit hochrotem Kopf vor dem Teamfahrzeug. Ihm fehlte sogar die Kraft, sich seiner Handschuhe zu entledigen. Er hatte im Glutofen von Doha alle Kräfte in eine vergebliche Aufholjagd investiert. Am Ende rollte der deutsche Kapitän Andre Greipel erst als 42. über die Linie, über drei Minuten hinter dem alten und neuen Weltmeister Peter Sagan.

Die WM in Doha stand für Brian Cooksen, Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, unter keinem guten Stern. Kaum Zuschauer, Temperaturen von rund 40 Grad, da war es eine angenehme Abwechslung, mal über positive Themen zu reden – beispielsweise den Radsport in Deutschland. Cooksen sprach sogar lobend von einer Renaissance. Wie zum Beweis steht Deutschland am Ende der WM an der Spitze des Medaillenspiegels. Tony Martin hatte im Einzelzeitfahren der Profis Gold geholt, Marco Mathis tat es ihm im Zeitfahren der U23-Fahrer gleich. Hinzu kamen drei Silbermedaillen.

Doping-Skandale im Radsport

1998

Während der Tour de France werden bei Festina-Team-Betreuer Willy Voet massenhaft unerlaubte Substanzen zum Dopen gefunden. Es folgen Razzien der Polizei, ein flächendeckendes Doping-System im Radsport wird enttarnt.

1999

Marco Pantani, Toursieger von 1998, wird als Führender aus dem Giro d'Italia genommen, nachdem bei ihm ein erhöhter Hämatokritwert nachgewiesen worden war. 2001 erhielt er eine sechsmonatige Sperre, nachdem eine Insulin-Spritze bei einer Razzia gefunden wurde. In Nachuntersuchungen wies eine Dopingprobe bei der Tour 1998 Spuren von EPO auf. 2004 stirbt der „Pirat“ an einer Überdosis Kokain.

2006

Zwei Tage vor dem Start der Tour de France werden neun Fahrer, unter ihnen Jan Ullrich und der Italiener Ivan Basso, von der Rundfahrt ausgeschlossen. Sie sollen mit dem mutmaßlichen spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet haben. US-Profi Floyd Landis wird positiv auf Testosteron getestet. 14 Monate später wird er für zwei Jahre gesperrt. Der Tour-de-France-Sieg wird ihm aberkannt. Im Mai 2010 gibt er Doping zu.

2007

Die Radprofis Jörg Jaksche, Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts, Brian Holm, Rolf Aldag, Erik Zabel und Bjarne Riis, der Tour- Sieger von 1996, gestehen Doping. Die Sportärzte Lothar Heinrich, Andreas Schmid und Georg Huber werden von der Universitätsklinik Freiburg suspendiert.

2010

Tour-de-France-Sieger Alberto Contador wird positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet. Im Februar 2012 wird der spanische Radprofi vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu einer Zweijahressperre bis August 2012 verurteilt, zudem werden ihm seine Ergebnisse seit Juli 2010 aberkannt.

2012

Der deutsche Ex-Radprofi Jan Ullrich wird vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wegen Dopings schuldig gesprochen und bis August 2013 gesperrt. Zudem werden ihm alle Ergebnisse seit Mai 2005 aberkannt.

2013

Nach jahrelangem Leugnen gibt der frühere US-Radprofi Lance Armstrong in einem Fernsehinterview Dopingmissbrauch zu. Er habe von Mitte der 90er Jahre bis 2005 mit EPO, Testosteron, Kortison und Wachstumshormonen manipuliert und Blutdoping betrieben, sagt der Amerikaner, dem bereits 2012 alle sieben Tour-de-France-Siege aberkannt worden waren. Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte ihn mittels Zeugenaussagen überführt und lebenslang gesperrt.

2015

Nach weiteren fünf Dopingfällen bei Astana, dem Team des amtierenden Tour-Siegers Vincenzo Nibali, fordert der Weltverband UCI den Lizenzentzug. Grundlage sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Padua, denen zufolge Teamleiter Alexander Winokurow und weitere Teammitglieder Kontakt zum lebenslang gesperrten Dopingarzt Michele Ferrari gehabt haben. Dazu beruft sich die UCI auch auf eine Untersuchung des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Lausanne und erklärt, es habe „große Unterschiede“ zwischen der vom Team proklamierten Anti-Doping-Politik und der Realität gegeben.

Mit den Erfolgen werden auch deutsche Unternehmen wieder neugierig. Vor allem mittelständische Unternehmen haben den Sport für sich entdeckt, um ihre Marke weltweit bekannt zu machen. Das geht fast nirgendwo so einfach wie im Radsport. Gerade in Frankreich, Italien, Spanien und den Benelux-Ländern konnten Doping-Skandale wie die Operación Puerto dem Interesse der Fans nur wenig anhaben.

Shampoohersteller sponsert Radteam: Alpecin geht volles Risiko

Shampoohersteller sponsert Radteam

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Der Shampoohersteller Alpecin wird Titelsponsor des umstrittenen russischen Radsportteams Katuscha. Eine Partnerschaft, die sich erst noch beweisen muss. Chef Eduard Dörrenberg verfolgt damit eine klare Strategie.

Eduard Dörrenberg ist Chef des Bielefelder Kosmetik- und Pharmaunternehmens Dr. Wolff. Bekanntestes Produkt: das Shampoo Alpecin. Sein Unternehmen sponsert in der aktuellen Saison das deutsch-niederländische Team Giant-Alpecin. Dabei erreichte seine Marke in den vergangenen acht Monaten einen Bekanntheitsgrad von 14 Prozent. „Mit Fußball wäre eine zweistellige Zahl in dieser kurzer Zeit nicht möglich gewesen“, erklärte Dörrenberg Anfang des Monats. Da hatte er gerade verkündet, dass Alpecin sich auch 2017 im Radsport engagiert. Dann allerdings zusammen mit einem russischen Wirtschaftskonglomerat im Team Katusha-Alpecin.

Ohne Risiko ist das nicht. Das Team Katusha galt lange als Dopinghort und hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Dopingvorwürfen zu kämpfen. Doch Dörrenberg ist von dem Engagement überzeugt: „Das Team hat mehr aus seiner Vergangenheit gelernt als vielleicht alle anderen.“

Alpecin: Fahrradfahren für die Globalisierung

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Fahrradfahren für die Globalisierung

Die Wolff-Gruppe will mit einem Radsportteam die Männershampoo-Marke Alpecin weltweit bekannt manchen – vor allem in China. Warum ein Gesellschafter des Bielefelder Unternehmens dafür nach Singapur gezogen ist.

Der Radsport bietet für Sponsoren einige Besonderheiten. Hier sind die Teams alleine nach Sponsoren benannt. Selbst für Laien wird so der Unternehmensname geläufig. Im Fußball ist das nicht ohne weiteres möglich: In Leipzig heißt der Klub deswegen etwas sperrig Rasen Ball statt Red Bull Leipzig. Wobei es auch hier Ausnahmen wie Bayer Leverkusen gibt, das ursprünglich als Betriebsport-Verein gegründet worden war.

Zudem dauert die Radsport-Saison von Januar bis Oktober. Für ständige Medienpräsenz ist also gesorgt. Die Kosten halten sich dabei im Vergleich zu anderen Sportarten in Grenzen. Der ehemalige Radprofi Jens Voigt sagte dazu einmal etwas flapsig: „Für fünf Millionen Euro bekomme ich in der Formel 1 irgendwo an der Seite eines Autos einen kleinen Aufkleber. Beim FC Bayern darf ich für dieses Geld mit zwei Leuten zur Weihnachtsfeier. Im Radsport bin ich Namensgeber eines Teams und ständig präsent. Das ist eine Riesenwerbung.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

18.10.2016, 16:31 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

18.10.2016, 16:48 Uhr

 Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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