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24.01.2006

12:12 Uhr

Sportartikelhersteller gibt Produktionsfehler Rennanzügen zu

Nike bremst Eisschnellläufer aus

Der weltgrößte Sportartikelhersteller hatte seinen neu entwickelten hypermodernen Rennanzug Swift Skin II als aerodynamisches Wunder gepriesen. Doch die Sportler, die ihn trugen, wurden langsamer statt schneller. Jetzt hat Nike kleinlaut den Grund eingestanden: Es gab einen Produktionsfehler.

HB AMSTERDAM. Den Schaden haben die Teams aus den Niederlanden, den USA, Norwegen, Südkorea, China, der Ukraine und Belgien. Ihre athleten müssen bei den olympischen Eisschnelllauf-Rennen in Turin nun ihre alten Rennanzüge von Salt Lake City 2002 tragen.

"In drei Wochen beginnen die Winterspiele. Die Zeit ist zu kurz, um neue Anzüge herzustellen. Sie müssen auch noch getestet und von den nationalen Sportverbänden genehmigt werden. Wir fabrizieren für alle betroffenen Athleten ein Exemplar des ersten Swift Skin-Modells von 2002 mit dem alle sehr zufrieden waren", sagte Janneke Versteeg, Sprecherin von Nike Europa, der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad.

Als aerodynamisches Wunder hatte Nike zuvor den für Turin entwickelten Anzug gepriesen. Ein Zeitgewinn von 0,1 bis 0,3 Sekunden sollten pro 400-m-Runde möglich sein. 900 Stunden wurde das Hightec- Produkt im Windkanal getestet. "Der neue Anzug war eine wirkliche Verbesserung. Der große Unterschied zum ersten Modell war ein so genannter "Mesh'-Belag, eine Art Netzgewebe, auf den Unterschenkeln. Das Material hatte zwei Funktionen: Es ist luftdurchlässig und kann dem Athleten Kühlung bieten. Gleichzeitig leitet es die Luft vom Körper ab. Das war unsere Hauptabsicht", erläuterte Versteeg. Da das Netzgewebe jedoch falsch eingenäht wurde, blieb der Effekt aus. "Dadurch geschah genau das Gegenteil. Der Anzug nahm die Luft auf und hatte einen Bremseffekt", so die

Den Fehler hatten die niederländischen Eisschnellläufer bei der Mehrkampf-Europameisterschaft vor zehn Tagen in Hamar (Norwegen) entdeckt. Nach ihrem schlechtesten 500-m-Ergebnis seit 1957 weigerten sie sich, den Wettkampf im neuen Swift Skin II fortzusetzen. Sie zogen für die übrigen Strecken wieder den alten Anzug von Salt Lake City an. Die Norweger hatten den hypermodernen Anzug bei ihren Sprintmeisterschaften getestet und anschließend aussortiert. Das Ergebnis: Über 1000 Meter waren sie im Durchschnitt drei Sekunden langsamer gelaufen.

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