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24.02.2006

19:39 Uhr

Sportliche Kinder im Rampenlicht

Der Druck der berühmten Vorfahren

Die Erwartungshaltung an die Athleten in Turin ist groß, ganz besonders dann, wenn ihre Vorfahren schon erfolgreiche Olympioniken waren. Bevor es auf die Piste oder Eisbahn geht, werden die Schützlinge ehemaliger Stars ganz besonders beobachtet.

Felix Neureuther spürt den Druck seines berühmten Vaters. Foto: dpa

Felix Neureuther spürt den Druck seines berühmten Vaters. Foto: dpa

HB TURIN. Den berühmten Namen kann er nicht am Starthäuschen abgeben. Wenn Felix Neureuther beim olympischen Slalom ins Rampenlicht fährt, ist er trotz seiner prominenten Eltern auf sich allein gestellt. "Gut Skifahren ist für ihn wahnsinnig schwierig mit diesem Namen. Jeder erwartet sehr viel", sagt Mutter Rosi Mittermaier. Die zweimalige Goldmedaillengewinnerin von 1976 und Christian Neureuther, damals Olympia-Fünfter im Slalom und heute TV- Experte bei der ARD, sind nicht die einzigen Eltern, die in Turin dem Nachwuchs die Daumen drücken. Durch so manchen Stammbuch zieht sich eine Skispur - Geneffekt.

"Der Name Neureuther allein macht es eben nicht einfacher, wie die meisten Leute denken - auch wenn mein Vater natürlich einer meiner besten Ratgeber ist", sagt der 21 Jahre alte Felix Neureuther. "Am Anfang bin ich unbeschwert da herangegangen. Dann aber habe ich gemerkt, welcher Erwartungsdruck damit verbunden ist."

Die Amerikanerin Resi Stiegler lernte das Skifahren von ihrer Mutter, obwohl ihr Vater ein hoch qualifizierterer Lehrmeister gewesen wäre: Josef "Pepi" Stiegler gewann für Österreich 1964 Gold und vier Jahre später Silber im Slalom. "Es war nie ein großer Ding in meiner Familie, Gold zu gewinnen", sagt Resi Stiegler, die bei ihrem Olympia-Debüt Kombinations-Elfte wurde.

Die Schweizerin Martina Schild hat ihr Gespür für Schnee von der Großmutter: Hedy Schlunegger gewann das erste olympische Abfahrtsrennen 1948. Als Eisschnellläuferin Annie Friesinger aus Inzell im Oval Lingotto am ersehnten Einzel-Gold vorbeischlitterte, litt ihre Mutter Janina (46) auf der Tribüne im Oval Lingotto mit. Unter ihrem polnischen Mädchennamen Korowicka war sie bei den Winterspielen 1976 in Innsbruck über 3000 Meter 16. geworden.

Eberhard Rösch war zu Tränen gerührt, als sein Sohn Michael mit der deutschen Biathlon-Staffel Gold erkämpfte. Der 51-Jährige rang zu Hause vor dem Fernseher in Altenberg um Fassung. "Ich habe vor lauter Glück geheult wie ein Schlosshund", bekennt Rösch senior, 1978 Biathlon-Weltmeister und 1980 Olympia-Zweiter mit der DDR-Staffel.

Mit einem ganzen Clan reiste die Familie Ligocki bei den Winterspielen an: Wladislaw ist der Trainer, Tochter Paulina (21) und sein Neffe Michal (20) stürzten sich in die Halfpipe, Michals Bruder Mateusz (23) startete auch noch im Snowboardcross.

Die Familienbanden sind bei Olympia ohnehin oft eng: Margarita Marbler, Österreichs Freestyle-Spezialistin, hat ihren Gatten Harald an der Buckelpiste immer dabei: Der ist Nationaltrainer der Männer. "Wir sind seit einem Jahr zusammen und es läuft sehr gut", sagte die 30-Jährige. "Wir lieben uns immer noch." Das lässt auf talentierten Nachwuchs in der Snowboard-Szene hoffen.

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