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31.01.2007

17:08 Uhr

Sportpolitik Sportpolitik

Nada gibt verpasste Dopingkontrollen zu

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat am Mittwoch vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages eingeräumt, dass bei Trainingskontrollen im Jahre 2006 insgesamt 201mal die Athleten nicht anzutreffen waren.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat am Mittwoch vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages Lücken im Kontrollnetz einräumen müssen. So gab es im Jahr 2006 bei 4 418 Trainings-Dopingkontrollen 201 "Missed Tests". "Diese hätten wir den Spitzensportverbänden melden müssen", sagte Nada-Geschäftsführer Roland Augustin vor den Abgeordneten. Dies war in den meisten Fällen jedoch nicht geschehen.

In einem Fernsehbericht war vor kurzem von 400 fehlgeschlagenen Dopingkontrollen im Jahr 2006 die Rede. Ein Kontrolleur berichtete vor dem Sportausschuss, dass in Deutschland die zu testenden Athleten in 8,7 Prozent (weltweit 36 Prozent) der Fälle nicht angetroffen werden, was rechnerisch für das zurückliegende Jahr 384 sogenannte "No Shows" ergäbe. Die Gründe für die Nichtereichbarkeit der Sportler wurden von der Nada überprüft, daraus habe sich laut Augustin die Zahl von 201 "Missed Tests" ergeben.

Augustin: "Diese Fälle darf es 2007 nicht mehr geben"

Bei den fehlgeschlagenen Versuchen habe man die überwiegende Zahl jedoch im Laufe der folgenen Tage noch erreicht und getestet. Nur bei 40 sei dies nicht möglich gewesen, so Augustin, der ergänzte: "Diese Fälle darf es 2007 nicht wieder geben." Zugleich erklärte er: "Vom von uns gemeldeten Missed Test zum sanktionierten Missed Test ist es noch ein weiter Weg. Wenn es Gründe für die Abwesenheit gibt, wird es keine Sanktion geben." Die Entscheidung darüber obliegt der Sportgerichtsbarkeit der Verbände, die die Betroffenen anhören.

Dosb-Generalsekretär Michael Vesper forderte, die 40 unerledigten Fälle sollten noch aufgearbeitet und gegebenenfalls sanktioniert werden. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, plädierte für einen Systemwandel von ausgelosten Trainingskontrollen hin zu Zielkontrollen auf Grund von Verdachtsmomenten, wie sie schon der Nada-Vorsitzende Armin Baumert angeregt hat: "Mit dem derzeitigen System den dopenden Athleten zu Überführen, ist wie Lottospielen", sagte Prokop.

Doping-Jäger untereinander uneinig

Deutlich wurden erneut auch die Differenzen in den Regeln von Nada, Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und den einzelnen Sportverbänden. "Hier haben wir eine sehr unsichere Rechtslage. Die Regeln müssen an bestimmten Stellen geschärft werden", erklärte Augustin. Michael Hölz, Vorsitzender des Nada-Kuratoriums, kündigte an: "Wir werden die Ergebnisse zum Anlass nehmen, um unsere Arbeit zu optimieren." So wird der ehrenamtlich Vorsitzende projektbezogen ins operative Geschäft eingreifen.

Am Freitag will die Nada in Franfurt/Main auch die Spitzensportverbände und den Aktivenbeirat über ihre Untersuchungen im eigenen Haus informieren.

© SID

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