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02.02.2007

09:24 Uhr

MIAMI. Das Bild ist vorhersehbar und doch immer wieder unfassbar: leere Straßen – zumindest für die Verhältnisse einer amerikanischen Metropole. Kaum Autos unterwegs in New York oder Los Angeles.

Dafür Bars, die bis zum Anschlag gefüllt sind mit Menschen in bunten Sport-Trikots. Und irgendwann, spät Abends, werden in einer der großen Städte diese Menschen alkohol- und siegestrunken die Plätze füllen, den Namen eines Teams herausbrüllen und eine kleine Minderheit wird, doch, das gibt es in den USA, randalieren, Scheiben einwerfen, vielleicht sogar das eine oder andere Auto umwerfen.

Vier Feiertage, listete die seriöse „Washington Post“ einmal auf, bewegen Amerika. Thanksgiving, Weihnachten, Neujahr – und der Super Bowl, das Endspiel der American-Football-Liga NFL. Ein weltlicher Heilignachmittag, an dem die Vereinigten Staaten wenigstens für vier Stunden das sind, was sie im Namen schon immer vorgeben zu sein: vereint.

„Super Sunday“, das ist eine Erfindung, wie es sie wohl nur in den USA geben kann und so wird der ritualisierte Mythos um das eine Football-Spiel, das die Meisterschaft entscheidet, immer neu aufpoliert und der Wirklichkeit enthoben. Super Bowl, das ist die Essenz der amerikanischen Seele.

Zuschauen ist keine Frage des Willens, sondern der sozialen Verpflichtung. So wird es auch an diesem Sonntag sein, wenn in Miami die Indianapolis Colts auf die Chicago Bears treffen.

Schon Tage vor dem Anstoß ist alles an diesem Spiel groß. Vor allem die Hysterie der Medien. Längst ist schon alles geschrieben über die große Rivalität der Gegner aus dem Mittleren Westen. Vor allem aber, dass sich mit Tony Dungy (Colts) und Lovie Smith (Bears) zum ersten Mal zwei farbige Cheftrainer gegenüberstehen. Und somit erstmals ein farbiger Coach den Titel holen wird – Grund genug für Mediendebatte über versteckten Rassismus im US-Sport.

Das alles ist schon geschrieben, nun ist es Zeit für die kuriosen Geschichten. Zum Beispiel die alljährliche Warnung von Bürgermeistern im ganzen Land, die Toilettengänge nicht auf die Spielpausen zu legen – die Wasserversorgung könnte zusammenbrechen. Oder die verzweifelte Suche von Pizzalieferdiensten nach zusätzlicher Belegschaft um für die Bestellwelle nahe der Halbzeit gerüstet zu sein.

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