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01.02.2015

15:55 Uhr

Super Bowl

Katy Perry, wilde Tiere – und das Ei

VonMarcel Reich

Millionen für einen Werbespot und Stars bei der Halbzeitshow: Der Super Bowl in der Nacht in den USA ist ein Riesengeschäft, von dem viele profitieren. Und bei all der Unterhaltung wird der Football fast zur Nebensache.

Die Sängerin Katy Perry mit einem Football: Schon vor dem Finale zog sie eine Riesenshow ab. ap

Katy Perry

Die Sängerin Katy Perry mit einem Football: Schon vor dem Finale zog sie eine Riesenshow ab.

DüsseldorfWährend Football in Deutschland weiterhin ein trauriges Nischendasein fristet, wird die Sportart rund ums „Ei“ in den USA in der Nacht von Sonntag auf Montag das allbestimmende Thema sein. Denn dann steigt der Super Bowl, das Finale der Profiliga NFL, in Glendale/Arizona.

Im letzten Jahr sahen laut Statistik im Schnitt 111 Millionen Amerikaner zu – in Wirklichkeit dürften es noch weitaus mehr gewesen sein. Doch selbst dort schalten laut einer neuen Studie nur fast 50 Prozent der Leute für das sportliche Event ein – der Rest will einfach nur die Werbung sehen.

Und die wird immer teurer. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Preis pro Werbeminute um satte 75 Prozent an, in diesem Jahr müssen Firmen für dreißig Sekunden Werbung 4,5 Millionen Dollar auf den Tisch legen. Das sind noch einmal 500.000 Dollar mehr als noch im Vorjahr.

Auf den ersten Blick sind das unglaubliche Summen, wie gesagt, für nur 30 Sekunden Werbung. Doch es lohnt sich. Ein Beispiel dafür ist der Autobauer Chrysler. Ab 2007 brachte die Finanzkrise das Unternehmen nicht nur ein mal ganz nah an den Bankrott. Doch seit 2011 beim Super Bowl auch Chrysler-Werbung läuft, verkauft die Firma doppelt so viele Autos wie zuvor.

Fakten zum Super Bowl

Zuschauer

Allein in den USA saßen im vergangenen Jahr im Schnitt 111 Millionen Menschen vor dem Fernseher. Den Spitzenwert erzielte dabei die Halbzeitshow mit Bruno Mars – mit 115 Millionen Zuschauern. In Deutschland sahen 980.000 Leute bei Sat.1 zu.

Werbespots

Für 30 Sekunden Werbung zahlen die Unternehmen 2015 satte 4,5 Millionen Dollar. Das sind nochmal 500.000 Dollar mehr als noch im Vorjahr.

Deutschland

In Deutschland wird auch in diesem Jahr Sat.1 den Super Bowl übertragen. Kick-off ist um 00:30 Uhr deutscher Zeit.

Der Spielerort

Gespielt wird in Glendale im Bundesstaat Arizona – im University of Phoenix Stadium. Das fasst aktuell 63.400 Zuschauer und wurde ab dem Jahr 2003 für knapp 455 Millionen Dollar gebaut. Die Arena verfügt, wie die Arena in Gelsenkirchen, über ein schließbares Dach und ein fahrbares Spielfeld mit Naturrasen.

Die Vorjahreschampions

Die Seattle Seahawks gehen als Titelverteidiger in den Super Bowl. Star des Teams ist Quarterback Russell Wilson.

Der Star

Russell Wilson hat in seiner NFL-Karriere schon 1877 Yards selbst erlaufen und elf Touchdowns erzielt. Damit gilt er als Musterbeispiel der neuen Generation der Quarterbacks, die ein eigenes Laufspiel entwickelt haben und sich nicht auf das Werfen der entscheidenden Bälle beschränken.

Die Herausforderer

Im vergangenen Jahrzehnt waren die New England Patriots so etwas wie der FC Bayern des American Footballs. In 2001, 2003 und 2004 gewann das Team um Quarterback Tom Brady den Super Bowl.

Der Star

Tom Brady könnte sich mit einem Sieg in diesem Jahr bereits seinen vierten Super-Bowl-Ring sichern. Das haben vor ihm nur die Legenden Joe Montana und Terry Bradshaw geschafft.

Wie viele Autohersteller setzt Chrysler dabei auf Stars, um maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen. So werden die kurzen Spots immer aufwendiger und teurer. Längst sind oft Regisseure am Werk, die sonst in Hollywood ihr Geld verdienen.

Je mehr Stars und je skurriler die Spots, desto besser. Oft liegt das Budget bereits bei weit über einer Million Dollar. Die echten Spots werden dabei mittlerweile schon oft mit kurzen Schnipseln angeteasert. Werbung für Werbung also.

Aus deutscher Sicht interessant ist das Super-Bowl Comeback von BMW. Der bayrische Autobauer kehrt nach vier Jahren Pause zurück auf die wohl größtmögliche Werbebühne. Im Spot zu sehen sind die beiden NBC-Moderatoren Katie Couric und Bryant Gumbel.

Die beiden schrieben Fernsehgeschichte, als sie 1994 ihren Zuschauern zur Kontaktaufnahme als Alternative zum geschriebenen Brief erstmals auch eine Email-Adresse anboten. Dafür erklärten sie erstmal, was „dieses Internet“ eigentlich ist.

Für BMW sitzen die beiden nun hinterm Steuer des Elektroautos i3 – und wundern sich über das futuristische Gefährt. Die Botschaft am Ende: „Große Ideen brauchen ein bisschen länger, bis man sich an sie gewöhnt.“

Der Clip ist eine Minute lang, macht also alleine für die Ausstrahlung Kosten in höhe von neun Millionen Dollar. Ob BMW mit dem Spot tatsächlich SUV-süchtige Amerikaner zum Kauf eines Elektroautos im Golf-Format überzeugen können, bleibt fraglich. Doch wenn, dann mit Werbung beim Super Bowl.

Und wenn es keine Stars sind, dann sind es oft putzige Tiere. Doch die große Aufmerksamkeit rund um den Super Bowl ruft auch schnell Protest gegen die ein oder andere Idee hervor. So wollte der Domainregistrar „Go Daddy“ in diesem Jahr mit kleinen Golden-Retriever-Welpen werben, von denen einer im Spot von einem Truck fällt und sich danach tapfer wieder nach Hause kämpft – nur um dann festzustellen, dass seine Besitzerin ihn bereits über's Internet verkauft hat.

Das Ganze ist eine satirische Anspielung auf die sehr erfolgreiche Budweiser-Werbung „Puppy Love“ aus dem vergangenen Jahr. Tierschützer fanden das Werk „Journey Home“ jedoch gar nicht lustig. Unter dem Hashtag #GoDaddyPuppy entbrannte eine Diskussion, auf der Plattform Change.org unterzeichneten über 40.000 Leute eine Petition gegen die Ausstrahlung des Clips.

Mit Erfolg, „Go Daddy“ zog den Spot zurück. Auf dem Unternehmensblog hieß es dazu: „Wir haben die emotionale Wirkung des Spots unterschätzt.“ Ob das nun wirklich ein PR-Desaster für das Unternehmen ist, kann man nicht mal sagen. Schließlich brachte auch der Konflikt kurz vor dem Super Bowl ordentlich Aufmerksamkeit ein.

Peinliche Pannen beim Super Bowl (Stand 2015)

2004 - Nipplegate

In der Halbzeitpause liefern die Popstars Justin Timberlake und Janet Jackson, Schwester des verstorbenen King of Pop, eine atemberaubende Show ab. Bei der Tanzeinlage reißt Timberlake seiner Partnerin ein Stück vom Oberteil ab und legt die Brust von Jackson frei. Der Vorfall geht als Nipplegate in die TV-Geschichte ein und bleibt nicht ohne Folgen. Die Halbzeit-Shows werden fortan mit einigen Sekunden Zeitverzögerung ausgestrahlt.

2009 - Porno-Clip

In Tucson im Bundesstaat Arizona sehen die TV-Zuschauer eine ganz heiße Schlussphase. Kurz vor Ende des Spiels wird für gut 30 Sekunden eine Pornosequenz eingespielt. Eine Verwechslung der Kabelsignale soll der Grund für den Fauxpas sein. Rund 80 000 lokale TV-Zuschauer sind betroffen.

2011 - Aguilera-Aussetzer

Christina Aguilera kommt die große Ehre zuteil, die Nationalhymne vor dem Spiel zu singen. Die Töne trifft die Pop-Queen perfekt, nur mit dem Text hapert es ein wenig. Einen Vers lässt sie aus, dafür wiederholt sie einen anderen.

2012 - Internetpanne der New York Giants

Bereits einen Tag vor dem Spiel lassen sich die New York Giants auf ihrer Internetseite als Champion feiern. „Die Giants sind Super-Bowl-Champion“ ist in riesigen Lettern auf der Homepage zu lesen, auch passende Fanartikel werden abgelichtet. Immerhin: Die Giants gewinnen tatsächlich das Finale, wenn auch knapp mit 21:17 gegen die New England Patriots. Doch auch das große Spektakel geht nicht reibungslos über die Bühne. Die Rapperin M.I.A. zeigt dem Publikum den ausgestreckten Mittelfinger.

2013 - Blackout im Stadion

Nach einigen Minuten in der zweiten Halbzeit gehen im Superdome von New Orleans die Lichter aus. Die Stromversorgung ist zusammengebrochen und der Spielbetrieb für 36 Minuten lahmgelegt. Die Spieler halten sich mit Dehnübungen warm, die Cheerleader schieben Extraschichten und die Zuschauer lassen die La Ola kreisen.

(alle Texte: dpa)

2015 - Werbung zurückgezogen

„Go Daddy“ wollte mit kleinen Golden-Retriever-Welpen werben, von denen einer im Spot von einem Truck fällt. Tierschützer fanden das gar nicht lustig. Das Unternehmen zog den Spot zurück.

Dabei bietet der Football die perfekte Bühne für Werbung. Die Sportart ist so kommerzialisiert, dass die Spiele von den Schiedsrichtern so lange pausiert werden, bis die Werbung im Fernsehen zu Ende ist. Nach jedem Spielzug (meist dauern die nicht mehr als ein paar Sekunden) gibt es eine Unterbrechung, in die dann oft ein Spot passt.

Während die Amerikaner die Pausen bei normalen Ligaspielen oft für den Gang zum Kühlschrank und/oder Klo nutzen, bleiben sie beim Super Bowl gespannt sitzen. Am Tag danach wird in so manchem Büro mehr über die Werbespots als das Spiel an sich gesprochen.

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