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15.01.2007

11:39 Uhr

Tennis ATP

ATP-Chef will ein Masters-Turnier streichen

ATP-Boss Etienne de Villiers will ab 2009 die Anzahl der Masters-Turniere um eins auf acht reduzieren und das ATP-Finale von Schanghai nach Europa zurückholen. Dies erklärte der Südafrikaner am Rande der Australian Open.

Am Rande der Australian Open in Melbourne hat ATP-Chef Etienne de Villiers seine konkreten Reformpläne für das Profitennis offenbart. Ab 2009 möchte der Südafrikaner die Anzahl der Masters-Turniere um eins auf acht reduzieren und das ATP-Finale von Schanghai nach Europa zurückholen. Außerdem möchte er am liebsten den Termin der Australian Open in den März verschieben. Damit droht dem Tennissport eine ernsthafte Zerreißprobe zwischen der ATP und dem Weltverband ITF sowie großen europäischen Verbänden wie dem Deutschen Tennis Bund (DTB).

"Vier der acht Masters-Turniere sollen als kombinierte Events mit Frauen und Männern ausgetragen werden, die anderen vier bleiben reine Männerturniere", sagte de Villiers: "Wir müssen unsere Topveranstaltungen stärken und unsere Turnierserie für die Fans einfacher verständlich machen."

Der ATP-Boss möchte neben den Terminverschiebungen deshalb auch die sportliche Wertigkeit der Turniere anhand der vergebenen Weltranglistenpunkte kennzeichnen. Ein Masters-Turnier wäre ein "Tausender", es folgen die 500-er und die 250-er. "Die Fans würden dann bei einem 500-er nicht mehr fünf Top-Ten-Spieler erwarten sondern wüssten, dass deren Teilnahme ein Bonus ist", behauptet de Viliers.

Status des Hamburger Rothenbaums gefährdet

Der Südafrikaner, der vor seiner Berufung zum ATP-Boss für den Disney-Konzern tätig war, kündigte an, das zwei traditionelle Masters-Turniere der Reform zum Opfer fallen werden. Ein Standort kommt neu hinzu. Damit ist der Status des Hamburger Rothenbaums höchst gefährdet. Zwei Masters-Turniere auf Sandplatz innerhalb einer Woche und kurz vor den French Open in Paris sind auch bei den Spielern nicht mehr durchsetzbar. Direkt vor Hamburg findet das Turnier in Rom statt. Der zweite Streichkandidat ist eines der beiden Turniere Mitte August in Nordamerika, entweder Cincinnati oder Kanada, die kurz vor den US Open liegen.

DTB-Präsident Georg von Waldenfels hat deshalb bereits Kontakt zu ITF-Präsident Francesco Ricci-Bitti sowie den Turnierdirektoren von Rom und Monte Carlo aufgenommen: "Unsere Forderung ist, dass das Turnier in Hamburg seine Zukunft im Mai behält. Wir liegen da auf einer Linie mit dem Weltverband ITF. Eine Terminverlegung würde von uns nicht akzeptiert. Wenn es zu Beschlüssen kommt, die wir nicht hinnehmen können, werden wir dagegen auch rechtliche Schritte einleiten."

Turnier in Asien soll hinzukommen

Nach de Villiers´ Vorstellungen käme ein Turnier in Asien hinzu, dabei hätte wohl Schanghai die größten Chancen. Die chinesische Boomtown ist noch bis 2008 Ausrichter des ATP-Finales um den Masterscup, die ATP ist allerdings mit der Resonanz auf ihr sportlich wertvollstes Turnier in den alten Märkten Europa und Nordamerika unzufrieden. De Villiers strebt deshalb nach Auslaufen des Vertrages mit den Chinesen eine Rückkehr des Turniers nach Europa an.

Gleichzeitig versucht er weiterhin, die Organisatoren der Australian Open von einer Verschiebung ihres Termins in den März zu überzeugen. Die Spieler hätten dann die von ihnen gewünschte längere Pause, und als Vorbereitung auf das erste Grand-Slam-Turnier wäre ein Masters in Schanghai denkbar.

Der Plan, die Australian Open nicht mehr im Januar auszutragen, hat allerdings nur geringe Aussichten auf Erfolg. Melbourne hat mitten in den australischen Sommerferien einen idealen Termin und feiert Jahr für Jahr Besucherrekorde. Außerdem hat die Saison im populärsten Sport, Aussie-Rules-Football, noch nicht begonnen, was für die TV- und Medienpräsenz des Tennisturniers wichtig ist.

© SID

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