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27.01.2010

12:44 Uhr

Tennis Australian Open

Chinesinnen erobern die Tenniswelt

Der Vormarsch der chinesischen Tennisdamen geht auch in Melbourne weiter. Erstmals überhaupt stehen zwei Chinesinnen in einem Grand-Slam-Halbfinale - und wollen trotzdem noch mehr.

Sinnbild für chinesischen Tennis-Aufschwung: Jubelfaust von Zheng Jie . Foto: AFP SID

Sinnbild für chinesischen Tennis-Aufschwung: Jubelfaust von Zheng Jie . Foto: AFP

Man hat das ja schon lange kommen sehen. Chinas Vormarsch in der Welt des Profitennis scheint seit etwa fünf Jahren unaufhaltsam. Vergleichbar mit dem Vordringen der Russinnen einige Jahre zuvor. Bei den Australian Open in Melbourne haben die Asiatinnen auf ihrem langen Marsch ein neues Etappenziel erreicht. Erstmals stehen zwei Chinesinnen im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, und erstmals gehört eine Chinesin zu den Top Ten der Weltrangliste.

Am Mittwoch warf Na Li die siebenmalige Grand-Slam-Siegerin Venus Williams mit 2:6, 7:6 (7:4), 7:5 aus dem Wettbewerb. Bereits am Dienstag hatte sich Zheng Jie für die Vorschlussrunde am Donnerstag qualifiziert, in der sie gegen Justine Henin angesetzt ist. Gegnerin von Li ist Serena Williams. "Ob der Sieg der größte meiner Karriere war, kann ich noch nicht sagen", meinte Li verschmitzt, "es kommen bei dem Turnier ja noch ein paar Spiele." Nichts scheint unmöglich, und ein Ziel hat die 27-Jährige ja schon erreicht. "Ich wollte in diesem Jahr unter die besten Zehn vorstoßen", sagte sie, "und jetzt ist erst Januar."

Systematische Ausbildung in Stützpunkten

2 004 machten die Spielerinnen aus dem Reich der Mitte erstmals nachdrücklich auf sich aufmerksam, als Li Ting und Sun Tiantian bei Olympia in Athen Gold im Doppel gewannen. Zwei Jahre später holte Zheng mit ihrer Partnerin Yan Zi in Melbourne im Doppel erstmals einen Grand-Slam-Titel. Siege auf "normalen" WTA-Turnieren auch im Einzel haben die Chinesinnen natürlich inzwischen längst verbucht. Im Zuge der Olympiabewerbung für 2008 hatte der Verband dann auch systematisch mit der Ausbildung von Tennisspielern begonnen. Landesweit wurden Stützpunkte angelegt und Kinder ausgebildet. Der Weltverband ITF startete zudem diverse Projekte und Aktionen in China, um Tennis populärer zu machen.

Thomas Hogstedt, der Trainer von Tommy Haas, trainierte mit Li bereits 2005 und half vor Olympia 2008 dem chinesischen Verband als Fachberater. Seitdem arbeitet er wieder mit Li. Zheng wird von ihrem Ehemann trainiert. Seit 2002 wurden 400 Trainer der höchsten Ebene in China ausgebildet. Mittlerweile gibt es weit über eine Million Tennisspieler in China, Anfang der 90er Jahre waren es gerade mal 10 000. Begünstigt wird dieser Trend durch den Wunsch der neuen Oberschicht, "westliche" Sportarten wie Golf und eben auch Tennis zu spielen.

"Tennis wird bei uns größer und größer", sagt Na Li, deren Erfolge auch im chinesischen Fernsehen übertragen werden, "es kommen auch immer mehr Journalisten mit und berichten über uns." Einen persönlichen Erfolg hat Li in Verhandlungen mit ihrem Verband auch schon zu verzeichnen. Statt wie bisher 60 Prozent muss sie mittlerweile nur noch zwölf Prozent ihres Preisgelds abgeben.

© SID

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