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25.01.2006

11:41 Uhr

Tennis Australian Open

Rückkehrerin Hingis scheitert und ist glücklich

Nach dem Viertelfinalaus gegen Kim Clijsters war Rückkehrerin Martina Hingis in Melbourne alles andere als enttäuscht und trat erhobenen Hauptes von der Bühne der Australian Open ab: "Ich gehe hier als eine Siegerin."

Ausgeschieden mit einem breiten und fröhlichen Lachen im Gesicht: Bei der Martina Hingis von früher wäre das völlig undenkbar gewesen. Jetzt ist die Schweizerin im Viertelfinale der Australian Open in Melbourne mit 3:6, 6:2, 4:6 an Kim Clijsters gescheitert und war nur happy. Dreieinhalb Jahre Pause vom Turniertennis haben offenbar die Person verändert und die Perspektive. "Ich kann stolz auf das sein, was ich hier geleistet habe", sagte die ehemalige Weltranglistenerste: "Ich bin erleichtert und glücklich. Ich gehe hier als eine Siegerin."

"Swiss-Miss" auf Anhieb zurück in der Spitze

Noch hat es nicht für einen Erfolg über eine absolute Topspielerin gereicht. Die US-Open-Siegerin aus Belgien wird nach ihrem Sieg über Hingis am kommenden Montag Lindsay Davenport an der Spitze der Weltrangliste ablösen, aber die "Swiss-Miss" hat sich bewiesen, dass sie auch als gereifte Persönlichkeit genug Können hat, um wieder in der Spitze mitzumischen. "Ich bin hier unter die letzten Acht gekommen, das lässt mich natürlich glauben", sagte sie.

Als Nr. 349 der Weltrangliste war sie mit einer Wildcard in die Australian Open gegangen, wenn am Montag das neue Ranking erscheint, wird sie bereits ungefähr auf 110 notiert. Hingis nähert sich schnell wieder alten Höhen. Spielerisch ist sie immer noch Spitze. Die Top Ten kann sie augenscheinlich noch nicht schlagen, aber dieses Ziel bleibt. "Ich habe jetzt definitiv etwas, auf das ich hinarbeiten kann", erklärt sie, "ich wusste vorher nicht, wo ich stehe, jetzt weiß ich es".

Wegen akuter Beschwerden an Füßen und Sprunggelenken war sie vier Monate nach ihrem letzten Auftritt in Filderstadt im Februar 2003 vom aktiven Sport zurückgetreten. Zuvor hatte die gebürtige Slowakin 40 Einzeltitel gewonnen und stand zwischen 1997 und 2001 insgesamt 209 Wochen an der Spitze der Weltrangliste.

"Ich wollte es für mich tun"

Im Herbst rang sie sich endgültig zum Neuanfang durch, nachdem sie erfolgreich Matches in einer amerikanischen Showserie bestritten hatte. "Ich wollte es für mich tun, es war ganz allein meine Entscheidung", sagte die inzwischen 25-Jährige: "Früher konnte man sagen, Deine Mama, jetzt habe ich die Verantwortung."

Mutter Melanie Molitor, die die Karriere des ehemaligen Wunderkindes aufgebaut hatte, war nicht mit in Australien. Die Abnabelung ist auch durch die lange Pause offenbar endgültig erfolgt. "Früher war es alles stressiger, ich musste mich Woche für Woche beweisen", erzählt Martina Hingis: "Das muss ich längst nicht mehr, höchstens mir selbst. Ich bin auch nicht wegen des Geldes zurück, sondern nur aus Liebe zum Spiel."

Dafür nimmt sie nun wieder die Tretmühle Profitour auf sich. Wenn es letzte Zweifel gab, sind sie verflogen. In der kommenden Woche wird sie bereits wieder in Tokio ein Turnier spielen. "Ich habe das Leben auf der Tour vermisst, also hatte ich jetzt eine wunderbare Zeit", sagt sie mit einem strahlenden Lächeln. Und kann dem Ausscheiden in Melbourne sogar etwas Positives abgewinnen: "Ich habe jetzt ein paar freie Tage für mich zum Abschalten."

© SID

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