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22.01.2016

11:49 Uhr

Tennis

Die Schrecksekunde der Anna-Lena Friedsam

Quelle:dpa

Wow! Anna-Lena Friedsam steht in Melbourne als erste Deutsche im Achtelfinale. Sie setzt ihre positive Entwicklung bei den Australian Open erstaunlich souverän fort. Gegen Roberta Vinci muss sie am Ende aber zittern.

Anna-Lena Friedsam feiert ihren Einzug ins Achtelfinale des Tennisturniers in Melbourne. Reuters

Unbändige Freude

Anna-Lena Friedsam feiert ihren Einzug ins Achtelfinale des Tennisturniers in Melbourne.

MelbourneBis ihr Überraschungscoup gegen die Italienerin Roberta Vinci perfekt war, musste Anna-Lena Friedsam noch eine kleine Schrecksekunde überstehen. Weil die US-Open-Finalistin von 2015 bei Friedsams Matchball das Hawk-Eye bemühte, dauerte es etwas länger, ehe Friedsams Einzug ins Achtelfinale der Australian Open perfekt war.

„Als ich den Ball auf der Videoleinwand habe fliegen sehen, habe ich gedacht, Mist, der ist drin”, berichtete die deutsche Meisterin von den bangen Sekunden. Doch dann bestätigte die Technik das 0:6, 6:4, 6:4 und damit Friedsams bislang größten Erfolg der Karriere.

„Das ist einfach unglaublich”, sagte Friedsam. Entgegen ihres sonst eher zurückhaltenden Naturells hüpfte sie nach dem Triumph über den hellblauen Platz in der Hisense Arena und stieß einen spitzen Jubelschrei aus. „Das hat sie klasse gemacht.

Manipulation im Tennis: Fakten und Gerüchte

Bericht

16 Top-Spieler seien in den vergangenen zehn Jahren angeblich in Spielabsprachen verwickelt gewesen, unter ihnen sei ein Einzelsieger eines der vier Grand-Slam-Turniere. Die britische BBC und das US-Medium BuzzFeed nennen aber keine Namen von noch aktiven, verdächtigten Spielern.

Geheim

In einem geheimen Bericht seien den Tennis-Verbänden 2008 28 Spieler genannt worden, gegen die aufgrund von möglichen Verwicklungen in Manipulationen Untersuchungen eingeleitet werden sollten. Auf juristischen Rat hin sei aber nichts gegen die Akteure unternommen worden.

Verdächtig

Wettsyndikate aus Russland und Italien hätten unter anderem auch auf drei verdächtigte Matches in Wimbledon gesetzt.

Problem

Weil es keinen Zugang zu Telefonen, Bank- und Computerdaten gebe, könne den Verdächtigen die Teilnahme an Wettmanipulationen nicht nachgewiesen werden.

Gerüchte

Gerüchte über verschobene Spiele, absichtliche Niederlagen und Wettbetrug gibt es seit Jahren immer wieder, verurteilt wurden aber bislang nur unterklassige Profis, die bei kleineren Turnieren wenig Preisgeld verdienen.

Ein Fall

Erwähnt wird die Partie zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und dem Argentinier Martin Vassallo Arguello 2007 in Sopot, in der Dawidenko aufgab. Er beteuerte, verletzt gewesen zu sein, die Ermittlungen wurden eingestellt.

Manipulation im Tennis

Es gab schon vor mehr als einem Jahrzehnt Gerüchte, wonach prominente Profis das Antrittsgeld kassiert und in der ersten Runde absichtlich verloren haben sollen.

Verurteilte Spieler

Seitdem 2008 die sogenannte Tennis Integrity Unit (TIU) - mit Hilfe ehemaliger Kriminalbeamter - ihre Arbeit aufnahm, wurden nur Spieler aus den unteren Regionen der Weltrangliste gesperrt. Der Österreicher Daniel Köllerer war noch ein vergleichsweise prominenter Fall. 18 Verfahren sind laut TIU erfolgreich abgeschlossen, fünf Spieler und ein Offizieller seien lebenslang gesperrt worden.

Anreize für Betrug

Weil die Preisgelder auf den kleinen Turnieren nicht üppig sind. Die Grand-Slam-Turniere haben die Prämien für die Verlierer der ersten Runden spürbar erhöht. „Da verdient man ja eigentlich genug Geld“, sagte die Darmstädterin Andrea Petkovic am Montag in Melbourne.
Von Manipulationsversuchen auf kleineren Turnieren habe sie dagegen bereits gehört, erklärte die Darmstädterin. „Weil da verdienst du echt nichts, und da ist der Anreiz größer, das zu machen.“

Preisgelder

Bei den Grand-Slam-Turnieren wurden in den vergangenen Jahren nicht zuletzt die Preisgelder für die ersten Runden erhöht.

Sehr beeindruckend, wie souverän sie das Match zu Ende gespielt hat”, lobte Bundestrainerin Barbara Rittner, die die Partie auf der Tribüne der zweitgrößten Arena der Anlage im Melbourne & Olympic Parks verfolgte.

Rittner kann also mit einem guten Gefühl in den Flieger zurück in die Heimat steigen, denn mit Laura Siegemund oder Annika Beck steht auf jeden Fall eine weitere ihrer Spielerinnen nach einem deutschen Duell im Achtelfinale.

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Hinter der ebenfalls noch im Turnier vertretenen deutschen Nummer eins Angelique Kerber (trifft auf die Amerikanerin Madison Brengle) macht das Trio aus der zweiten Reihe in Melbourne gerade jede Menge Spaß. „Das haben sie sich verdient. Das sind alles gute Mädels, die einfach auch ihre Zeit brauchen”, sagte Rittner.

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