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25.01.2016

07:43 Uhr

Tennis in Australien

Mixed-Spiel unter Manipulationsverdacht

Quelle:SID

Der Manipulations-Skandal im Profitennis könnte immer größere Kreise ziehen: Nach einem Bericht der New York Times steht eine Mixed-Partie bei den Australian Open in Melbourne unter Verdacht, verschoben worden zu sein.

SID

Auffällige Einsätze vor Mixed in Melbourne

MelbourneDer Manipulations-Skandal im Profitennis könnte immer größere Kreise ziehen: Nach einem Bericht der New York Times steht eine Mixed-Partie bei den derzeit stattfindenden Australian Open in Melbourne unter Verdacht, verschoben worden zu sein. 

Nach Informationen der seriösen US-Zeitung waren auf einen Sieg der Paarung Andrea Hlavackova/Lukasz Kubot (Tschechien/Polen) im Erstrundenmatch am Sonntag gegen das spanische Duo Lara Arruabarrena/David Marrero auffällig hohe Geldbeträge eingesetzt worden. Der Online-Wettanbieter Pinnacle Sports hatte daraufhin die Partie von seiner Liste genommen. Hlavackova und Kubot gewannen mit 6:0, 6:3.

Die von der Spielervereinigung ATP eingesetzte Task Force Tennis Integrity Unit (TIU) wollte am Montag keinen konkreten Kommentar zu dem jüngsten Fall abgeben. In einer Pressemitteilung wurde darauf verwiesen, dass die TIU nach wie vor allen Verdächtigungen nachgehe.

Manipulation im Tennis: Fakten und Gerüchte

Bericht

16 Top-Spieler seien in den vergangenen zehn Jahren angeblich in Spielabsprachen verwickelt gewesen, unter ihnen sei ein Einzelsieger eines der vier Grand-Slam-Turniere. Die britische BBC und das US-Medium BuzzFeed nennen aber keine Namen von noch aktiven, verdächtigten Spielern.

Geheim

In einem geheimen Bericht seien den Tennis-Verbänden 2008 28 Spieler genannt worden, gegen die aufgrund von möglichen Verwicklungen in Manipulationen Untersuchungen eingeleitet werden sollten. Auf juristischen Rat hin sei aber nichts gegen die Akteure unternommen worden.

Verdächtig

Wettsyndikate aus Russland und Italien hätten unter anderem auch auf drei verdächtigte Matches in Wimbledon gesetzt.

Problem

Weil es keinen Zugang zu Telefonen, Bank- und Computerdaten gebe, könne den Verdächtigen die Teilnahme an Wettmanipulationen nicht nachgewiesen werden.

Gerüchte

Gerüchte über verschobene Spiele, absichtliche Niederlagen und Wettbetrug gibt es seit Jahren immer wieder, verurteilt wurden aber bislang nur unterklassige Profis, die bei kleineren Turnieren wenig Preisgeld verdienen.

Ein Fall

Erwähnt wird die Partie zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und dem Argentinier Martin Vassallo Arguello 2007 in Sopot, in der Dawidenko aufgab. Er beteuerte, verletzt gewesen zu sein, die Ermittlungen wurden eingestellt.

Manipulation im Tennis

Es gab schon vor mehr als einem Jahrzehnt Gerüchte, wonach prominente Profis das Antrittsgeld kassiert und in der ersten Runde absichtlich verloren haben sollen.

Verurteilte Spieler

Seitdem 2008 die sogenannte Tennis Integrity Unit (TIU) - mit Hilfe ehemaliger Kriminalbeamter - ihre Arbeit aufnahm, wurden nur Spieler aus den unteren Regionen der Weltrangliste gesperrt. Der Österreicher Daniel Köllerer war noch ein vergleichsweise prominenter Fall. 18 Verfahren sind laut TIU erfolgreich abgeschlossen, fünf Spieler und ein Offizieller seien lebenslang gesperrt worden.

Anreize für Betrug

Weil die Preisgelder auf den kleinen Turnieren nicht üppig sind. Die Grand-Slam-Turniere haben die Prämien für die Verlierer der ersten Runden spürbar erhöht. „Da verdient man ja eigentlich genug Geld“, sagte die Darmstädterin Andrea Petkovic am Montag in Melbourne.
Von Manipulationsversuchen auf kleineren Turnieren habe sie dagegen bereits gehört, erklärte die Darmstädterin. „Weil da verdienst du echt nichts, und da ist der Anreiz größer, das zu machen.“

Preisgelder

Bei den Grand-Slam-Turnieren wurden in den vergangenen Jahren nicht zuletzt die Preisgelder für die ersten Runden erhöht.

Marrero und Arruabarrena wiesen die Anschuldigungen in der „New York Times“ zurück. Vor allem Marrero unterliefen in der Begegnung aber auffällig viele einfache Fehler, darunter zahlreiche Doppelfehler. Der Spanier begründete seine schwache Leistung jedoch mit Knieproblemen.

Mixed-Partien spielen auf dem Wettmarkt normalerweise keine große Rolle. Dieses Mal seien die gesetzten Beträge aber sehr auffällig gewesen, sagte Marco Blume, Chef von Pinnacle Sports. Auch beim Wettanbieter Betfair wurden nach Angaben der „New York Times“ rund 25 000 US-Dollar auf die Erstrundenpartie gesetzt. Zum Vergleich: auf drei andere Mixed-Partien seien am Sonntag zusammen nur 2000 US-Dollar gesetzt worden.

Schon zu Beginn der Australian Open vor einer Woche war die Tennis-Szene durch Berichte über mögliche Wettmanipulationen aufgeschreckt worden. Die BBC und das Online-Portal BuzzFeed hatten gemeldet, dass 16 Spieler aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein sollen. Darunter auch ein Grand-Slam-Turnier-Sieger. Keiner von ihnen soll jedoch verwarnt oder bestraft worden sein.

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Selbst Branchenführer Novak Djokovic (Serbien) sah sich mit Vorwürfen konfrontiert. Die italienische Zeitung Tuttosport hatte den fünfmaligen Melbourne-Sieger verdächtigt, 2007 bei seiner Niederlage gegen den Franzosen Fabrice Santoro beim Paris Masters manipuliert zu haben. "Es ist nicht wahr", hatte Djokovic daraufhin in Melbourne mehrfach versichert.

Wettbetrug im Tennis: Reaktionen auf die Vorwürfe

Alfons Hörmann (DOSB-Präsident)

„Das wäre ein weiterer Tiefschlag. Ich empfinde solche Nachrichten als Schlag in die Magengrube für alle die, die sich für den Sport engagieren. Ich bin aber noch vorsichtig, es lohnt sich, ein paar Stunden abzuwarten, bis die Nachrichten klarer sind. Die Frage eines fairen und den Prinzipien des Sports entsprechenden Wettkampfes steht für mich an aller erster Stelle. Wenn das Spiel oder der sportliche Wettbewerb manipuliert wird, dann ist das die Bankrotterklärung für den Sport.“

Roger Federer (Tennisprofi)

„Ich würde gerne die Namen wissen. War es ein Spieler oder seine Entourage? Wann? Ein Einzel- oder Doppelspieler? In welchem Grand Slam? Es gibt keinen Platz für dieses Verhalten in unserem Sport, ich habe kein Verständnis dafür.“

Novak Djokovic (Tennisprofi)

„Ich glaube nicht, dass das einen Schatten auf unseren Sport wirft. Es gibt bislang keine klaren Beweise, dass aktive Spieler betroffen sind. Solange ist es reine Spekulation.“

Serena Williams (Tennisprofi)

„Ich kann nur für mich antworten: Wenn ich spiele, gebe ich mein Bestes. Und jede Spielerin, gegen die ich spiele, scheint ebenfalls ihr Bestes zu geben.“

Andrea Petkovic (Tennisprofi)

„Die ATP muss entweder die Wetten auf den kleinen Turnieren unterbinden oder das Preisgeld so erhöhen, dass die Jungs davon leben können.“

Philipp Kohlschreiber (Tennisprofi)

„Wettbetrug gibt es leider Gottes in jeder Sportart. Man darf aber jetzt nicht alle Spieler und die Tour schlecht machen. Man arbeitet positiv dagegen, es gibt für uns Spieler viele neue Regeln.“

Chris Kermode (ATP-Präsident)

„Ich weise die Beschuldigungen zurück, dass wir irgendwelche Dinge zurückhalten oder nicht gründlich untersuchen. Wir sind wachsam. Wir brauchen Beweise. Wir sind uns bewusst, dass es wie in anderen Sportarten auch im Tennis diesbezügliche Risiken gibt. Aber die Verschiebungen bewegen sich auf einem unglaublich niedrigen Niveau.“

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