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04.07.2013

18:05 Uhr

Tennis-Sensation

Sabine Lisicki kämpft sich ins Wimbledon-Finale

Deutschland hat die „Bumm Bumm“ Bine: Als erste deutsche Tennisspielerin seit 14 Jahren ist Sabine Lisicki ins Finale von Wimbledon eingezogen. Nach einem packenden Dreisatz-Erfolg trifft sie nun auf Marion Bartoli.

Sabine Lisicki: Die 23-Jährige steht vor dem bisher größten Triumph ihrer Karriere. Reuters

Sabine Lisicki: Die 23-Jährige steht vor dem bisher größten Triumph ihrer Karriere.

LondonSabine Lisicki hat auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon Tennis-Geschichte geschrieben. Als erste Deutsche seit Steffi Graf vor 14 Jahren zog die 23 Jahre alte Berlinerin nach einem denkwürdigen Krimi ins Endspiel des berühmtesten Tennisturniers der Welt ein. Mit einer erneuten Wahnsinns-Leistung auf dem voll besetzten Centre Court bezwang Lisicki am Donnerstag die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska aus Polen in drei Sätzen mit 6:4, 2:6, 9:7. „Es ist unglaublich. Es war eine Schlacht und ich bin so froh, dass ich gewonnen habe. Ich habe mit meinem ganzen Herzen gekämpft“, sagte sie nach dem nervenaufreibenden Match und stellte wieder einmal fest: „Ich liebe Wimbledon.“

Deutsche Wimbledon-Finalistinnen

Ein exklusiver Zirkel

Sabine Lisicki ist erst die vierte deutsche Tennisspielerin im Endspiel von Wimbledon. Den Anfang machte 1931 Cilly Aussem, die in einem deutschen Tennis-Finale Hilde Krahwinkel 6:2, 7:5 bezwang. Ende der 80er Jahre startete Steffi Graf ihre Siegesserie an der Church Road.

Cilly Aussem

Sie war die erste deutsche Wimbledon-Siegerin: Cilly Aussem, jungen Tennisspielerinnen bekannt, weil die Mannschaftsspiele der Juniorinnen nach ihr benannt sind. Im Finale besiegte sie eine andere Deutsche...

Hilde Krahwinkel

Hilde Krahwinkel unterlag zwei Mal im Wimbledon-Finale: 1931 gegen Landsfrau Cilly Aussem, 1936 gegen die Amerikanerin Helen Hull Jacobs.

Steffi Graf

Steffi Graf, eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten, erreichte neun Mal das Wimbledon-Finale. Nur 1987 und 1999 verlor sie, dazwischen siegte sie fast in Serie: 1988 und 1989 gegen Martina Navratilova, 1991 gegen Gabriela Sabatini, 1992 gegen Monica Seles, 1993 gegen Jana Novotna, 1995 und 1996 gegen Arantxa Sánchez-Vicario.

Sabine Lisicki

Für Sabine Lisicki war der Finalauftritt 2013 gegen Marion Bartoli eine Premiere. Lisicki unterlag allerdings deutlich.

Im Kampf um die erste deutsche Wimbledon-Krone im Vereinigten Königreich seit Steffi Grafs Finalsieg gegen die Spanierin Arantxa Sánchez-Vicario im Jahr 1996 trifft die Nummer 24 der Welt am Samstag auf die Französin Marion Bartoli. Die Finalistin von 2007 hatte bei ihrem 6:1, 6:2-Erfolg keine Probleme mit Kirsten Flipkens aus Belgien.

„Ich traue ihr alles zu. Radwanska ist aber eine enorme Hürde, die nur mit einer ganz großen Leistung zu überspringen ist“, hatte Bundestrainerin Barbara Rittner vor dem Match gesagt. Am frühen Morgen verbreitete die Fed-Cup-Chefin noch via Twitter ein Foto mit dem Schriftzug „Let's go Sabine“. Unmittelbar nach dem Coup stellte sie fest: „Du bist unglaublich, unfassbares Match, einfach nur stolz dabei zu sein yesssssss-One more to go.“

Ihr Team, ihre Erfolge

Ihre Daten

Geboren am 22. September 1989 in Troisdorf. Wohnt in Bradenton/Florida und Berlin

Größe: 1,78 Meter, Rechtshänderin

Ihre Profi-Karriere

Profi seit: 2006 aktuelle Position Weltrangliste: 24 höchste Platzierung Weltrangliste: 12 (21. Mai 2012) Titel: 3 (2011 Birmingham/Rasen, Dallas/Hartplatz; 2009 Charleston/Sand) Finale: 4 (2013 Pattaya City/Hartplatz, Memphis/Hartplatz, 2009 Luxemburg/Hartplatz; 2008 Taschkent/Hartplatz)

Spiele in Wimbledon

Wimbledon-Teilnahmen: 2008 erste Runde, 2009 Viertelfinale, 2010 nicht dabei (verletzt), 2011 Halbfinale, 2012 Viertelfinale, 2013 Endspiel

Ihre Preisgelder

Preisgeld Karriere (vor Wimbledon): rund 2,2 Mio. Euro

Ihr Trainer

Wim Fissette, 33 Jahre alter Belgier, ist seit den French Open Coach von Sabine Lisicki. Er hat schon einmal eine Spielerin zum Grand-Slam-Titel geführt. 2009 trainierte der Belgier seine Jugendfreundin Kim Clijsters, die bei den US Open völlig überraschend den Titel gewann. Der Kontakt entstand über die Agentur IMG, bei der Lisicki unter Vertrag steht. Nach einem Treffen in Berlin haben beide erstmals in diesem Jahr bei den French Open zusammengearbeitet. Fissette teilt sich den Job mit Lisickis Vater. Dem Vernehmen nach klappt die Zusammenarbeit sehr gut. „Wir ergänzen uns völlig unkompliziert“, sagt Fissette, bekannt als scharfer Analytiker.


Ihr Vater

Richard Lisicki, Vater und Trainer: Der Sportwissenschaftler schrieb seine Doktorarbeit zum Thema „Trainingsmethoden für die Entwicklung der Schlaggeschwindigkeit unter Beibehaltung der Schlagpräzision.“ Nach dem Finaleinzug sagte Sabine Lisicki: „Mein Vater hat alles dafür gegeben, dass ich Tennis spielen kann.“

Ihre Mutter

Elisabeth Lisicki, Mutter: Hat in der Loge den Stammplatz direkt neben Bundestrainerin Barbara Rittner. Fallen sich nach Siegen (fast) immer um den Hals. In dem angemieteten Haus in Wimbledon hat Mutter Lisicki eine Schlüsselrolle inne. „Mutti kocht einfach am besten“, sagte Lisicki im Gespräch mit der „Berliner Morgenpost“.

Ihr Manager

Oliver van Lindonk, Manager: Angestellt beim Vermarktungs-Giganten IMG. Betreut auch den japanischen Shootingstar Kei Nishikori. Wacht in Pressekonferenzen und TV-Interviews immer sehr genau darüber, was Sabine Lisicki sagt. Internationaler Ansprechpartner für alle Medienanfragen.

Als Agnieszka Radwanska am Donnerstag um 15.40 Uhr ihren ersten Aufschlag auf den grünen Rasen tropfen ließ, war Schluss mit lustig. Obwohl an beiden Oberschenkeln dick bandagiert, präsentierte sich die Weltranglisten-Vierte genauso, wie es alle erwartet und aus deutscher Sicht befürchtet hatten: zäh, nervenstark und aggressiv.

Doch Sabine Lisicki war den Tick besser. „Die letzten Spiele waren unglaublich aufregend. Ich habe gekämpft. Agnieszka hat super gespielt. Aber ich habe immer daran geglaubt, egal wie es stand“, sagte die stolze Siegerin.

Noch gut drei Stunden vor dem Match hatten die beiden nebeneinander im angrenzenden Aorangi Park trainiert. Während Radwanska nach 30 Minuten lockerem Einspielen schon wieder verschwand, powerte Lisicki schon beim Einschlagen, als würde sie bereits um die Grand-Slam-Krone kämpfen.

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