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06.07.2013

11:43 Uhr

Tennis-Vermarktung

Sabine Lisickis Weckruf aus Wimbledon

VonSteffen Ermisch

Sky bleibt stur: Das Wimbledon-Finale gibt es nur im Pay-TV. Das ist keine Schikane, sondern ein Versäumnis der großen Fernsehsender – denen Tennis lange nicht attraktiv genug war. Nun zeichnet sich ein Return ab.

Im Finale: Tennis-Spielerin Sabine Lisicki. Als letzte Deutsche gewann Steffi Graf ein Grand Slam – vor 14 Jahren. Reuters

Im Finale: Tennis-Spielerin Sabine Lisicki. Als letzte Deutsche gewann Steffi Graf ein Grand Slam – vor 14 Jahren.

Endlich großes Tennis: 14 Jahre nach Steffi Graf steht wieder eine Deutsche im Wimbledon-Finale. In einem packenden Halbfinale siegte Sabine Lisicki am Donnerstag gegen die Polin Agnieszka Radwanska. Im Endspiel trifft Lisicki, von der Boulevardpresse schon zur „Bum Bum Bine“ geadelt, nun auf Marion Bartoli aus Frankreich. Live mitfiebern kann in Deutschland nach derzeitigem Stand indes nur ein exklusiver Kreis – die Übertragungsrechte am prestigeträchtigen Turnier auf englischem Rasen hält der Pay-TV-Sender Sky.

Je weiter Lisicki kam, desto mehr bemerkten die öffentlich-rechtlichen Sender, dass sie mit dem Verzicht auf Wimbledon-Livebilder in diesem Jahr einen Fehler gemacht haben. Noch am Donnerstag und sogar noch einmal Freitag bettelte die ARD förmlich bei Sky darum, das Finale am Samstag auch übertragen zu dürfen. Mit einem Last-Minute-Angebot an den Pay-TV-Sender sollte doch noch eine kostenlose Ausstrahlung möglich gemacht werden. Vergeblich. Am Abend erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausk , dass man sich bis zum Nachmittag intensiv bemüht, die Free-TV-Rechte am Damen-Endspiel in Wimbledon bemüht habe. „Leider sind die Verhandlungen an den überzogenen Preisvorstellungen von Sky gescheitert“, so Balkausk.

Auch der Deutsche Tennis Bund (DTB) bekniete den Pay-TV-Sender: „Wir stehen fast täglich mit Sky in Kontakt, es ist uns aber nicht gelungen, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, die Top-Spiele auch für Free-TV-Sender zu öffnen“, sagte Stefan Felsing, im Präsidium des DTB zuständig für Vermarktungsfragen, gegenüber Handelsblatt Online. Felsing, hauptberuflich Geschäftsführer der Hamburger Agentur Ufa Sports, will das dem Sender nicht verübeln: „Das Geschäftsmodell eines Pay-TV-Senders ist eben die Exklusivität, das muss man akzeptieren.“

Und so kam es auch: Man habe das ARD-Angebot „eingehend geprüft und für nicht ausreichend erachtet“, sagte Sky-Sprecher Ralph Fürther bereits am Donnerstagabend dem Medienmagazin DWDL.de. Lisickis möglicher Wimbledon-Sieg bleibt also eine medial exklusive Angelegenheit. An der breiten Masse geht so eines der größten Sportereignisse der fußballfreien Zeit weitgehend vorbei. Sky kostet die angesprochene Exklusivität in vollen Zügen aus. Das Turnierticket, das neben dem Endspiel von Sabine Lisicki nun nur das Herren-Finale beinhaltet, wird für 15 Euro angeboten. Für Kunden, die das Sportpaket gebucht haben, ist das Vergnügen inklusive. Nicht von ungefähr schaltete Sky noch am Freitag prominente Anzeigen auf großen Sportportalen wie Sport1.de und Kicker.de, die gezielt das Finale bewarben. Aus Sicht des Senders eine fast schon als perfekt zu bezeichnende Marketingstrategie – bis offenbar auch aufgeht.

Aus Sicht vieler Fans ist das schade bis skandalös. Schon die spektakulären Achtel,- Viertel- und Halbfinals hätten ein weit größeres Publikum interessiert als die 80.000 Zuschauer, die Sky beispielsweise beim Achtelfinale erreicht hat. Das Halbfinale sahen dann sogar 230.000 Menschen beim Bezahlsender.

Die Situation ist symptomatisch: Sportlich überzeugen deutsche Tennisprofis wie Sabine Lisicki, Andrea Petkovic, Angelique Kerber oder Tommy Haas längst. Nur bekommt es kaum jemand mit – Wimbledon läuft seit Jahren im Pay-TV, andere Grand-Slam-Turniere wie die US Open sind im Spartensender Eurosport versteckt. Manche Wettbewerbe drohten zuletzt, schlicht gar nicht mehr übertragen zu werden. „Schade“ findet das auch Sabine Lisicki selbst.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

06.07.2013, 11:58 Uhr

Ich seh es schon vor mir: Für nächstes Jahr werden die Fernsehrechte für viel Geld eingekauft, damit man nicht nochmal so ein Debakel erlebt. Doch dann setzt wieder der Alltag ein, sprich die letzten deutschen SpielerInnen fliegen spätestens im Achtelfinale raus.^^

Account gelöscht!

06.07.2013, 12:05 Uhr

@Johannes
Richtig. Aber die Gebührenschraube dreht sich trotzdem erneut!

LeistenSchuster

06.07.2013, 12:58 Uhr

Mal ganz platt gefagt: Hier in dem Bericht werden Spartensender als Nieschen und Verstecker dargestellt. Erstmal bekommt jeder Bundesbürger Eurosport frei Haus geliefert. Also wo ist das Problem? Mir ist es egal wo was gezeigt wird, Hauptsache frei empfangbar. Und das mit Sky: Tja, wer lieber 15 oder 20 Mio oder wie auch immer wie viel in Boxen steckt und dafür ein paar Samstagabende füllt, der kann auch nicht 14 Tage von 10 - 22 Uhr Tennis zeigen. Mal abgesehn davon: Wie will ARD oder ZDF das machen? Das kann man doch den anderen NORMALEN Zuschauern doch oicht anbieten. Also läuft das wie in Halle: Eine Rosine zeigt das ZDF und den Rwst Eurosport. Und der direkte VVergleich was die Infos und dem Kommentar als auch das Fachwissen angeht ist eindeutig zu Gunsten von dem Spartenssender ausgegenagen.Das Gleiche Spiile kann man doch bei der Championsleague ansellen. Sat 1 war eindeutig besser. Slebst Kabel 1 kann das besser. ARD und ZDF erklären doch bei jeden Spiel alles für Erstklässler nochmal neu. _Und dann noch dieses ganze Besserwissergehabe. Zum Glück kann man ja bei der WM und wichtigen Spielen den fernsehe anmachen und den Radio-Live-Kommentar einschalten. Da sin die öffentlich rechtlichen unschlagbar. Leider klappt das nur beim Fussball^^

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