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28.01.2017

14:36 Uhr

Tennis-Weltrangliste

Kerber nicht mehr Nummer eins

Angelique Kerber ist nicht mehr die Nummer eins der Tennis-Welt. Durch ihren Finalsieg in Melbourne gegen Schwester Venus übernahm Serena Williams wieder die Spitze des Klassements.

Williams stößt Kerber vom Tennis-Thron. Reuters, Sascha Rheker

Tennis

Williams stößt Kerber vom Tennis-Thron.

Melbourne Der ausgestreckte Zeigefinger für die Eins der Tennis-Welt, die Schuhe im Michael-Jordan-Design mit der Nummer 23: Serena Williams zeigte klar und deutlich, wie wichtig ihr der siebte Australian-Open-Triumph ein Jahr nach dem Final-Schock gegen Angelique Kerber wohl im tiefsten Herzen war.

Durch das 6:4, 6:4 im wenig erinnerungswürdigen Schwestern-Finale gegen die 36-jährige Venus Williams holte sich die 35-jährige Serena Platz eins der Weltrangliste von Kerber zurück - und muss sich nach dem 23. Grand-Slam-Titel am Samstagabend in Melbourne den Rekord für die Profi-Ära nun nicht mehr mit Steffi Graf teilen. Die rot-schwarzen Schuhe erinnerten an Jordan und die Chicago Bulls, wo der Basketball-Superstar das Trikot mit der Nummer 23 getragen hatte.

„Es hört sich großartig an. Ehrlich gesagt, ist es verrückt“, meinte die Amerikanerin über die Bestmarke, über die sie im Turnierverlauf nicht sprechen mochte. „Das hilft mir, entspannt zu bleiben. Ich habe nichts mehr zu verlieren, aber diesmal habe ich es ehrlich gemeint. Es hat geklappt für mich“, sagte sie bestens gelaunt in einem Fernsehinterview, während ihr im Melbourne Park die Fans zujubelten.

Tennis: Das ist Angelique Kerber

Finale

Angelique Kerber ist ins Finale der US-Open in New York eingezogen. Die deutsche Tennisstar rückt durch den Erfolg und die Niederlage von Serena William im anderen Halbfinale in der Weltrangliste auf Platz ein vor – unabhängig vom Ausgang des Endspiels gegen William-Bezwingerin Karolina Pliskova.

Zur Person

Alter: 28 (18. Januar 1988)
Geburtsort: Bremen
Wohnort: Kiel

Heimatverein

Ihr erster Tennisverein war die TG Düsternbrook in Kiel. Der Klub bietet vom Finale der Australian Open ein Public Viewing an.

Wettkampfdaten

Größe: 1,73 Meter
Gewicht: 68 Kilogramm

Profi

seit: 2003
Schlagarm: links
Trainer: Torben Beltz

Familie

Familienstand: ledig,
Eltern Slawek und Beata, eine Schwester
Sprachen: Deutsch, Polnisch, Englisch
Trainingsort: Akademie ihrer Großeltern im polnischen Puszczykowo

Weltrangliste

Aktuelle Weltranglistenposition: 2 (ab Montag: 1)

Erfolge

Größte Erfolge bislang: Olympische Silbermedaille (Rio 2016), 1 Grand-Slam-Sieg (Australian Open 2016), 8 weitere Turniersiege

Einnahmen

Karrierepreisgeld: 9,3 Millionen Dollar (Stand: Januar 2016)

Venus Williams kündigte an, dass ihre Schwester nach einigen vergeblichen Anläufen in den vergangenen Jahren die Titelsammlung bei Grand Slams noch vergrößern will. Die Australierin Margaret Court ist mit 24 Triumphen übergreifend die Rekordhalterin.

Beim Siegerfoto streckte Serena Williams den rechten Zeigefinger aus - wie eine Eins, während sie im linken Arm den zurückeroberten Daphne Akhurst Memorial Cup hielt. Titelverteidigerin Kerber war schon im Achtelfinale ausgeschieden und verliert Platz eins im Ranking, den sie nach dem US-Open-Sieg am 12. September übernommen hatte.

„Ich könnte hier noch eine Weile stehen. Das habe ich im vorigen Jahr vermisst“, sagte die strahlende Siegerin, nachdem sie aus den Händen der zweimaligen Titelträgerin Hana Mandlikova die Trophäe aus ihrer Sicht wohl zurückerhalten hatte und stolz präsentierte.

Angelique Kerber von A bis Z

A wie Autofahren

„Ich fahre gerne schnell, genieße es, das liegt in der Familie. Aber ich habe keine Punkte in Flensburg.“

B wie Braten

„Ich mag die polnische Küche unglaublich gern. Ich lasse mich am liebsten von meiner Oma bekochen. Sie war jetzt schon öfter bei Turnieren dabei. Das freut mich immer sehr.“

C wie Chor

„Ich war in der Grundschule ein, zwei Jahre im Chor, aber ich kann überhaupt nicht singen. Das überlasse ich lieber meiner Schwester Jessica. Sie hat schon mal ein Casting mitgemacht.“

D wie Druck

„Manchmal setze ich mich selbst zu sehr unter Druck. Aber ich habe als Top-10-Spielerin gelernt, mit den Erwartungen von außen besser umzugehen. Nach meinem Melbourne-Sieg war das noch mal eine neue Herausforderung. Das Wimbledonfinale war ein weiterer großer Schritt.“

E wie Energiequelle

„Am besten kann ich zu Hause auftanken. Ich treffe mich mit Freunden, rede mal nicht über Tennis oder mache einfach gar nichts. In New York konnte ich herrlich mit einem Becher Kaffee im Central Park entspannen.“

F wie Flugzeug

„Fliegen muss in meinem Job ja sein. Aber Essen im Flugzeug geht gar nicht. Ich nehme mir meistens am Flughafen beim Bäcker etwas mit. Ich kann aber im Flieger direkt schlafen. Sonst wäre es eine kleine Tragödie.“

G wie Goldmedaille

„Natürlich hatte ich in Rio diesen Traum. Es hat leider nicht geklappt, aber Olympia war trotzdem ein unglaubliches Erlebnis. Ich weiß die Silbermedaille zu schätzen.“

H wie Haare

„Ich habe mir einmal beim Turnier in Miami zum Spaß eine schwarze Perücke aufgesetzt und ein Foto gemacht. Alle, denen ich es gezeigt habe, haben sich an den Kopf gefasst und gesagt: Lass es lieber. Ich bleibe bei Blond.“

I wie Igitt

„Muscheln und Austern. Das ist wabbelig, das würde ich nie runterkriegen. Ich mag auch keine Meeresfrüchte, aber inzwischen Sushi.“

J wie Ja-Sager

„Ich war immer eine, die ihre Meinung gesagt hat. Früher war ich aber zerrissen und wusste dann nie, ob es richtig war. Jetzt sage ich meine Meinung und stehe dazu. Ich weiß, was ich will.“

K wie Kiel

„Das ist mein Rückzugsgebiet. Es ist am Wasser, es ist ruhig, meine Freunde sind da. Ich kenne jede Ecke. Ob ich da später leben werde, weiß ich aber noch nicht.“

L wie Links

„Ich spiele nur mit links Tennis, mache sonst alles mit rechts. Als Kind stand der Trainer ja gegenüber von mir. Da habe ich es so gemacht wie er. Bei mir war es dann eben links, was bei ihm rechts war.“

M wie Malerei

„Das mochte ich schon immer. Egal, ob mit Wasserfarben oder Buntstiften. Vielleicht belege ich später mal einen Malkurs.“

Beide Schwestern schienen sich 14 Jahre nach ihrem ersten Final-Duell an gleicher Stelle zunächst nicht von ihrer Nervosität befreien zu können. Im 28. Duell zwischen beiden - dem neunten um einen Titel bei einem Grand-Slam-Turnier - bekamen die 15.000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena an einem herrlichen Sommerabend lange Zeit nur selten gutes Tennis von beiden zu sehen. Die Klasse und Spannung des letztjährigen Finals zwischen Serena Williams und Angelique Kerber hatte das Familienduell über weite Strecken nicht zu bieten.

Serena Williams zerlegte im Endspiel mit dem höchsten Gesamtalter beider Spielerinnen während der Profizeit nach einem Netzroller sogar kurzerhand ihren Schläger - und war ob ihrer eigenen Wucht selbst ein bisschen überrascht. Überraschungs-Finalistin Venus ging beim 3:2 erstmals in Führung. Die 17. der Weltrangliste wirkte trotz einiger guter Schläge aber oft genauso unzufrieden. Nach überstandener Krankheit mit chronischer Erschöpfung war sie nach langer Wartezeit mit der Hoffnung auf ihren achten Grand-Slam-Titel ins Endspiel gegangen. Serena konnte jedoch ihre Fehlerquote verringern und langsam ihre Favoritenrolle ausspielen.

Wirklich Stimmung kam erstmals auf, als Venus Williams im zweiten Durchgang zwei Breakbälle abwehrte, 2:1 in Führung ging und so zumindest ihre Chancen auf eine Wende wahrte. Nachdem Serena wenig später aber die dritte Möglichkeit für das Break zum 4:3 nutzte, ließ sie sich auf dem Weg zum Triumph nicht mehr aufhalten und nutzte nach 1:22 Stunden gleich ihren ersten Matchball.

Von

dpa

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