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18.01.2010

10:32 Uhr

Tennis-Zirkus

Erfolgreiche Vermarkter bremsen den Reformeifer

VonIngmar Höhmann

Nicht zuletzt die heute gestarteten Australian Open zeigen: Während andere Sportarten zunehmend Probleme bei der Vermarktung haben, schlägt sich das Profitennis insgesamt gut. Vor allem in Russland und asiatischen Ländern steigt das Interesse. Schon werden Forderungen laut, ein fünftes Grand-Slam-Turnier in Asien einzurichten, um die neuen Märkte auch im Terminkalender angemessen zu berücksichtigen. Doch es gibt starke Gegenkräfte - aus gutem Grund.

Justin Henin schlägt bei den Australian Open auf: Das Grand-Slam-Turnier in Melbourne erweist sich als Geldmaschine. Reuters

Justin Henin schlägt bei den Australian Open auf: Das Grand-Slam-Turnier in Melbourne erweist sich als Geldmaschine.

KÖLN. Dem australischen Tennisverband geht es richtig gut: Heute haben die Australian Open begonnen, das erste von vier Grand- Slam-Turnieren des Jahres, und sie erweisen sich als Geldmaschine. Die Einnahmen steigen 2010 voraussichtlich auf 140 Mio. US-Dollar. 2005 waren es nicht einmal 78 Mio. Dollar. Von der Wirtschaftskrise zeigt sich das Turnier unbeeindruckt: Für abgesprungene Werbepartner wie GE Money, Quantas oder Garnier haben die Veranstalter schnell Ersatz gefunden. Die Einnahmen durch Sponsoren, die fast ein Drittel des Umsatzes ausmachen, sind im Vorjahresvergleich sogar um zehn Prozent gestiegen. "Es gab Herausforderungen, aber wir navigieren durch sie durch", sagt der Verbandschef Steve Wood.

In diesem Jahr schütten die Australian Open fast 21 Mio. Dollar Preisgeld aus - das ist Rekord. Die Sieger der Einzelwettbewerbe streichen rund 1,93 Mio. Dollar ein. Die Großzügigkeit hat Gründe: 2009 erzielte das Sportereignis bei TV-Quoten und Zuschauerzahlen ebenfalls neue Höchstmarken.

Kein Wunder, dass der Ruf nach einer Expansion gen Asien angesichts des Marktpotenzials lauter wird. Mit einem zusätzliche Grand-Slam-Turnier könne man das Interesse in Russland und Fernost auch im Terminkalender angemessen berücksichtigen, argumentieren Befürworter.

Den Top-Spielern wird es zuviel

Die Profis aber fühlen sich von den vielen Turnieren überfordert. In die Kritik geraten ist vor allem der Davis Cup, das renommierteste Mannschaftsturnier der Welt. Mehrere Fünf-Satz-Matches an einem Wochenende, und das mehrmals im Jahr - den Top-Spielern wird das zuviel. Der Wettbewerb müsse gestrafft werden, argumentieren sie.

Ihnen zu Hilfe eilt die australische Marketingagentur Gemba. Sie hat ein neues Konzept vorgestellt: Statt über das Jahr verteilt solle der Länderwettkampf an einem Stück stattfinden - mit 32 Teams an einem Ort. Sogar Spielerwechsel während einer Partie sind vorgesehen. Reformen aber sind im Tennis schwer durchzusetzen. Der Veranstalter des Davis Cup, der Welttennisverband ITF, ist skeptisch. Er verweist auf bestehende Verträge und den überfüllten Turnierkalender. "Nur die Zeit wird zeigen, ob sich ein neuer Wettbewerb einen festen Platz sichern kann."

Experten räumen dem Vorhaben nur geringe Chancen ein. Der Davis Cup ist in seiner jetzigen Form für die ITF eine sichere Geldquelle. In diesem Jahr erwartet der Verband Einnahmen in Höhe von 57 Mio. Dollar. Die eine Hälfte erhalten die Teilnehmerländer, die andere die ITF. Zudem steigen die Umsätze kontinuierlich: Sie lagen 2007 noch bei 46 Mio. Dollar. Solange die traditionellen Wettbewerbe weiter gutes Geld bringen, stehen die Chancen auf eine Erneuerung schlecht. Das gilt für ein fünftes Grand-Slam-Turnier ebenso wie für den Davis Cup.

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