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30.01.2016

13:29 Uhr

Tenniskönigin von Australien

Erst gewinnt Kerber, dann die Sponsoren

VonThomas Schmitt

Geld regiert den Tennis-Zirkus. Wie sehr, zeigte sich nicht nur an der Kopfbedeckung und am Trikot von Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber. Auch ihre ersten Worte nach dem Sieg galten ihren Geldgebern.

Vor allem die Kappe von Kerber könnte Kult werden – bisher kostet das Modell rund zehn Euro. dpa

Kult-Kappe

Vor allem die Kappe von Kerber könnte Kult werden – bisher kostet das Modell rund zehn Euro.

DüsseldorfGegen die beste Tennisspielerin der Welt gewinnt man nicht alle Tage. Angelique Kerber ist das gegen Serena Williams erst zum zweiten Mal gelungen. Damit war im Finale der Australian Open eigentlich nicht rechnen. Doch Williams machte viel mehr Fehler als erwartet. Und Kerber spielte durchgängig auf sehr hohem Niveau.

Die Deutsche gewann den ersten Satz, spielte mehrmals nicht mehr zu holende Stoppbälle und nutzte gleich den ersten Matchball im dritten Satz. Wie es sich gehört, dankte sie bei der Siegerehrung brav der Unterlegenen. Die beiden Frauen mögen sich, wie schon bei der langen Umarmung nach dem Spiel zu erkennen war. Der zweite Dank überraschte dann jedoch.

Tennis: Reaktionen auf Kerbers Sieg in Australien

Rummel

Die Siegerin ließ den Rummel um ihre Person einfach über sich ergehen - und strahlte ununterbrochen. „Ich denke, ich brauche noch ein paar Stunden, ehe ich das realisiere”, sagte Deutschlands erste Grand-Slam-Siegerin seit Steffi Graf 1999 bei den French Open.

Preisgeld

Dass sie in die Fußstapfen ihres großen Idols getreten war, machte Kerber besonders stolz. „Das ist der Wahnsinn”, sagt sie immer wieder. Der Sieg bescherte der deutschen Nummer eins ein Preisgeld in Höhe von umgerechnet 2,2 Millionen Euro.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

„Mit diesem Sieg haben Sie nicht nur Ihren großen Traum erfüllt, sondern 17 Jahre nach Steffi Graf auch wieder einmal die Hoffnungen von Millionen von Tennisfans auf den Sieg einer Deutschen bei einem Grand Slam-Turnier”, schrieb Merkel an Kerber.

Bastian Schweinsteiger

„Yeeeeeees! Gratulation zu diesem historischen Sieg”, schrieb Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger stellvertretend für viele andere bei Twitter.

Kerbers Trainer

„Das war fast unmenschlich”, sagte Torben Beltz. „Sie hat gegen die beste Spielerin der Welt gespielt, aber keine Angst gezeigt. Von so einem Moment träumt man”, sagte Beltz, „auch als Trainer.”

Martina Navratilova

„Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass Kerber das Spiel ihres Lebens spielen muss, um zu gewinnen - und sie hat es gemacht”, sagte Tennis-Legende Martina Navratilova.

Jede Menge Wettschulden

Angelique Kerber ist am Sonntagmorgen Ortszeit in den Yarra River gesprungen. Trainer Beltz muss zudem mit seinem Schützling einen Fallschirmsprung aus einem Flugzeug wagen. Physio Iden bekommt ein weiteres Tattoo verpasst. Das gesamte "Team Angie" wird außerdem einen Tanzkurs absolvieren.

New York Times (USA)

"Kerber bleibt cool in Australien und vollendet ihre Meisterprüfung. Sie hat ihr Spiel auf ein neues Level gehoben."

Herald Sun Sunday (Australien)

"KER-BOOM. Ein neuer Star ist geboren, als Kerbers Traum wahr wird. Es war ein atemberaubender Sieg gegen Williams. ANGEL'S IN HEAVEN - Kerber schaffte in drei unvergesslichen Sätzen einen der größten Siege in einem Grand Slam."

Sunday Age (Australien)

"Grand Upset. Das war ein  geschichtsträchtiger Klassiker. Der neue Champion, den niemand kommen sah."

Heimflug

Am Sonntagnachmittag Ortszeit - nach dem offiziellen Fototermin mit dem Siegerpokal im Botanischen Garten von Melbourne - flog Kerber via Bangkok und Frankfurt nach Posen. Von dort geht es mit dem Auto ins polnische Puszczykowo, wo Kerber in der Nähe ihrer Großeltern wohnt. Kerber: "Wir werden mit Sekt anstoßen. Ich freue mich schon sehr auf Zuhause."

Kerber erwähnte nicht zuerst ihre Familie oder ihre Betreuer, sondern ihre Sponsoren. An vorderster Front stehen da Adidas und Porsche. Beide Namenszüge waren bei jeder Großaufnahme im Fernsehen gut zu erkennen. Das Logo des Sportartikelherstellers ist auf ihren roten Tenniskappe zu sehen – und auf ihrem Schweißband am linken Handgelenk, ihrer Schlaghand.

Kerbers Weg zum ersten Grand-Slam-Titel

Auf ihrem Weg zum Triumph...

... bei den Australian Open hatte Angelique Kerber gleich zum Auftakt eine Schrecksekunde zu überstehen. Danach marschierte die deutsche Nummer eins souverän durch das Turnier und gab nur noch im Endspiel einen Satz ab. Die Partien von Kerber in Melbourne im Überblick:

1.Runde: „Schon mit einem Bein im Flugzeug“

Misaki Doi (Japan) 6:7 (4:7), 7:6 (8:6), 6:3

Kerber startet wie so oft schlecht ins Turnier. Im zweiten Satz hat sie gegen die Japanerin sogar einen Matchball gegen sich. Doch Kerber beweist Nervenstärke und dreht die Partie noch. Hinterher kann sie lachen. „Ich war schon mit einem Bein im Flugzeug.“

2. Runde: Unterschied wie Tag und Nacht

Alexandra Dulgheru (Rumänien) 6:2, 6:4

Der Druck ist weg. Kerber spielt befreit auf, hat gegen die Rumänin überhaupt keine Schwierigkeiten. Nur 73 Minuten steht sie auf dem Platz. „Es war ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht“, sagt sie danach mit Blick auf ihren Zittersieg in der Runde zuvor.

3. Runde: Pflicht erfüllt

Madison Brengle (USA) 6:1, 6:3

Wieder eine klare Sache für Kerber. Die Amerikanerin hat gegen das druckvolle und variable Spiel der deutschen Nummer eins keine Chance. Mit dem Sieg hat Kerber die Pflicht in Melbourne eigentlich schon erfüllt. Sie will aber mehr. „Die Reise ist noch nicht zu Ende.“

Achtelfinale: Der Druck ist wieder da

Annika Beck (Bonn) 6:4, 6:0

Im deutschen Duell wirkt Kerber anfangs wieder verkrampft. Beck bringt ihre Fed-Cup-Kollegin ernsthaft in Gefahr. Doch nach dem ersten Satz fällt eine Last von Kerber ab. „Ich habe mir vorher zu viele Gedanken gemacht“, gibt sie später zu.

Viertelfinale: Nervenduell gegen Geheimfavoritin

Victoria Asarenka (Weißrussland/14) 6:3, 7:5

Gegen ihre Angstgegnerin Victoria Asarenka gelingt Kerber der erste große Sieg in Melbourne. Druckvoll, variabel und nervenstark zwingt sie die Geheimfavoritin in die Knie. Groß feiern will sie den Erfolg aber nicht. „Ich bin noch im Turniermodus“, sagt sie.

Halbfinale: Lockerer Durchmarsch

Johanna Konta (Großbritannien) 7:5, 6:2

Kerber agiert in der Rod Laver Arena sehr nervös, dennoch gerät sie nie in Gefahr. Nachdem sie den ersten Satz gewonnen hat, marschiert sie locker ins Endspiel. „Das ist wirklich ein ganz spezieller Moment für mich“, sagt Kerber. Jetzt wartet Serena Williams.

Finale: Hochkarätiger Nervenkrimi

Serena Williams (USA) 6:4, 3:6, 6:4

Was für ein Finale! Kerber zeigt gegen die beste Spielerin der Welt von Anfang an keine Angst. Im Laufe der Partie steigert sie sich immer weiter, spielt am Ende absolutes Weltklasse-Tennis. Nach 2:08 Stunden ist die Sensation perfekt.

Nach ihrem Sieg könnten gerade die Kappen Kult werden. Bisher kosten sie rund zehn Euro. Da dürften nun die Preise steigen – und eine eigene Kerber-Kollektion ist sicher drin. „Yeeeessssssssss!!!!!!!!! Und jetzt alle so: ich will den roten @adidas Visor !!! #Kerber“, war bereits kurz nach dem Sieg auf Twitter zu lesen. Ein Schelm, wer an Schleichwerbung denkt.

Der Sportwagenhersteller Porsche war zudem vorne gut auf dem bunten Trikot von Kerber sichtbar. Das Unternehmen reagierte auf den Sieg entsprechend euphorisch. “Dreamed it. Earned it. Deserved it. Congrats to @Porsche ambassador @AngeliqueKerber for an incredible #AusOpen2016”, verbreitete @PorscheTennis auf Twitter.

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