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04.07.2015

08:45 Uhr

Tennisprofi Dustin Brown

Ein deutscher Held

Dustin wer? Tennisspieler Dustin Brown hat mit seinem Sieg über Rafael Nadal die Tenniswelt überrascht – und ist Gesprächsthema Nummer eins in Wimbledon. Auch, weil er der Typ Sportler ist, aus dem Helden gemacht werden.

Mit seinem Erfolg in Wimbledon überraschte er die Tennis-Welt. Reuters

Dustin Brown

Mit seinem Erfolg in Wimbledon überraschte er die Tennis-Welt.

Düsseldorf, LondonUnd dann ausgerechnet wieder dieser Dustin Brown. „Ich wusste, dass ich ihn auf Rasen schlagen kann“, sagte der Deutsche. Vor einem Jahr in Halle hatte er Nadal schon einmal bezwungen. Der Spanier war damals als French-Open-Champion angereist und schimpfte über die unorthodoxe Spielweise Browns. Dies sei „kein Tennis“, wütete der Mallorquiner. Am Donnerstag warf die Nummer 102 der Weltrangliste Nadal mit 7:5, 3:6, 6:4, 6:4 aus dem bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt. Ausgerechnet in Wimbledon, wo eins Boris Becker zum Sporthelden wurde, am mythischsten Tennisort der Welt, gelang dem 30-Jährigen mit dem markanten Äußeren der bisher größte Wurf seiner Karriere.

Als „Paradiesvogel“ wird Brown bezeichnet. Seine Vita ist dabei mindestens ebenso außergewöhnlich wie sein Aussehen. Der Dreadlocks tragende Spieler, Sohn einer Deutschen und eines Jamaikaners, fällt in der durch und durch elitären und als „weißer Sport“ bekannten Disziplin in jeder Hinsicht auf. Bis heute hat Brown keinen festen Trainer, er kann sich schlichtweg keinen leisten. Er ist Autodidakt, tingelte mit einem Kleinbus von Turnier zu Turnier. Der ultimative Underdog. Wieder die Parallele zu Boris Becker, dem vor genau 30 Jahren bei seinem ersten Triumph auf dem heiligen Rasen alle Herzen zuflogen, weil er der Außenseiter war und mit Leidenschaft kämpfte.

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Die „All England Championships“ in Wimbledon sind das bedeutendste Tennisturnier der Welt. Auf dem heiligen Rasen geht es für die Spieler um das Prestige – und für die Organisatoren um das große Geld.

Natürlich ist es für Brown bis dahin noch ein weiter Weg. In der dritten Runde der All England Championships trifft er auf den Serben Viktor Troicki. Als letzter von anfangs acht deutschen Herren geht es für ihn ums Achtelfinale. Vor zwei Jahren bekam Brown schon einmal die Chance in Wimbledon. Damals schlug er spektakulär den ehemaligen Turniersieger Hewitt – und schied in der dritten Runde nach einer kläglichen Vorstellung gegen einen Franzosen namens Adrian Mannarino aus.

„All diese Erfahrungen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin“, sagt Brown heute. Was das Tennis betrifft und auch als Person und Charakter. Das habe zu diesem großartigen Tag geführt, „wahrscheinlich der beste Tag in meinem Leben“. Und über sich als Menschen sagt er: „Ich bin, wie ich bin. So war ich mein ganzes Leben lang. Natürlich ist es schön, wenn die Leute das mögen. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich mich zu sehr darum kümmern würde, was die Leute über all das denken, was ich tue, hätte ich wahrscheinlich nicht diese Frisur und würde nicht so aussehen, wie ich aussehe.“

Wimbledon-Sieger seit 1991

1991

Michael Stich (Deutschland)

6:4, 7:6, 6:4 gegen Boris Becker (Deutschland)

1992

Andre Agassi (USA)

6:7, 6:4, 6:4, 1:6, 6:4 gegen Goran Ivanisevic (Kroatien)

1993

Pete Sampras (USA)

7:6, 7:6, 3:6, 6:3 gegen Jim Courier (USA)

1994

Pete Sampras (USA)

7:6, 7:6, 6:0 gegen Goran Ivanisevic (Kroatien)

1995

Pete Sampras (USA)

6:7, 6:2, 6:4, 6:2 gegen Boris Becker (Deutschland)

1996

Richard Krajicek (Niederlande)

6:3, 6:4, 6:3 gegen MaliVai Washington (USA)

1997

Pete Sampras (USA)

6:4, 6:2, 6:4 gegen Cédric Pioline (Frankreich)

1998

Pete Sampras (USA)

6:7, 7:6, 6:4, 3:6, 6:2 gegen Goran Ivanisevic (Kroatien)

1999

Pete Sampras (USA)

6:3, 6:4, 7:5 gegen Andre Agassi (USA)

2000

Pete Sampras (USA)

6:7, 7:6, 6:4, 6:2 gegen Patrick Rafter (Australien)

2001

Goran Ivanisevic (Kroatien)

6:3, 3:6, 6:3, 2:6, 9:7 gegen Patrick Rafter (Australien)

2002

Lleyton Hewitt (Australien)

6:1, 6:3, 6:2 gegen David Nalbandian (Argentinien)

2003

Roger Federer (Schweiz)

7:6, 6:2, 7:6 gegen Mark Philippoussis (Australien)

2004

Roger Federer (Schweiz)

4:6, 7:5, 7:6, 6:4 gegen Andy Roddick (USA)

2005

Roger Federer (Schweiz)

6:2, 7:6, 6:4 gegen Andy Roddick (USA)

2006

Roger Federer (Schweiz)

6:0, 7:6, 6:7, 6:3 gegen Rafael Nadal (Spanien)

2007

Roger Federer (Schweiz)

7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2 gegen Rafael Nadal (Spanien)

2008

Rafael Nadal (Spanien)

6:4, 6:4, 6:7, 6:7, 9:7 gegen Roger Federer (Schweiz)

2009

Roger Federer (Schweiz)

5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14 gegen Andy Roddick (USA)

2010

Rafael Nadal (Spanien)

6:3, 7:5, 6:4 gegen Tomas Berdych (Tschechien)

2011

Novak Djokovic (Serbien)

6:4, 6:1, 1:6, 6:3 gegen Rafael Nadal (Spanien)

2012

Roger Federer (Schweiz)

4:6, 7:5, 6:3, 6:4 gegen Andy Murray (Großbritannien)

2013

Andy Murray (Großbritannien)

6:4, 7:5, 6:4 gegen Novak Djokovic (Serbien)

Browns Traum vom Centre Court lebt. „So viel Schwung aus dem Unterarm haben nicht viele“, sagt etwa Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann. Und Ex-Profi Nicolas Kiefer schwärmt: „Dustin hat Talent und die richtige Ausstrahlung.“ Mit Brown träumt auch eine Sportnation, die seit Steffi Graf und Boris Becker nach Helden giert. Tennis war einmal die zweitbeliebteste Sportart in Deutschland, heute ist es die Nummer zwölf, noch hinter Eiskunstlauf.

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