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25.06.2016

09:02 Uhr

Timo Boll

„Trickserei passt nicht zum Tischtennis“

VonMichael Brackmann, Thomas Schmitt

Timo Boll ist das Aushängeschild im deutschen Tischtennis. Wo der Weltklassespieler auffällt, wie er seinen Sport aus der Nische führt und warum er gerade gegen die gesamte chinesische Elite antritt.

Timo Boll Reuters

Timo Boll

Timo Boll

Timo Boll ist seit Jahren einer der besten deutschen Tischtennisspieler. Der 35 Jahre alte Rekord-Europameister möchte bei Olympia in Rio eine Medaille gewinnen. Durch drei Videos mit dem Roboterhersteller Kuka erreichte er ein Millionenpublikum, das weit über seinen Sport hinausgeht. Bis 2018 präsentiert er Kuka, nun sogar direkt auf dem Trikot.

Herr Boll, wenn sie in China landen, bahnen Sicherheitskräfte Ihnen am Flughafen eine Gasse durch begeisterte Fans. Das Problem haben Sie an deutschen Flughäfen nicht?
Nein, das ist mir in Europa oder speziell in Deutschland noch nicht passiert. Die Chinesen sind eben eine Tischtennis-Nation wie die Deutschen eine Fußball-Nation sind.  

Hierzulande gibt es fast 600 000 Vereins- und Millionen von Hobbyspielern. Warum kommt Tischtennis in der öffentlichen Wahrnehmung dennoch nicht aus der Nische?
Das Fernsehen räumt uns zu wenig Übertragungszeit ein. Außerdem ist Tischtennis eine sehr komplexe Sportart.

Wenn zum Beispiel ein Aufschlag mit einem starken Unterschnitt über das Netz fliegt und der Gegner dann den Ball ins Netz schiebt.
Genau. Gerade dieser Rotationsbereich kommt im Fernsehen schlecht rüber. Die Bälle der Weltklassespieler kommen mit solch extremen Kurven auf die Gegner zu, dass selbst Profis manchmal wie Anfänger wirken.

Die Karriere des Timo Boll

Status

Schon 2003 war er Weltranglisten-Erster und belegte von da an immer einen Platz unter den Top Sieben. Seit 2002 ist er der dominierende Spieler in Europa.

Stil

Timo Boll ist Linkshänder und spielt mit der europäischen Shakehand-Schlägerhaltung. Sein aggressiv-offensives Topspin-Spiel setzt er sowohl tischnah als auch aus der Halbdistanz ein. Er gilt als der Spieler mit dem besten und variabelsten Spin.

Persönliches

Geburtsdatum: 8. März 1981, Geburtsort: Erbach, Größe: 181 cm, Gewicht: 78 kg

Familie

Boll ist seit dem 31. Dezember 2003 mit Rodelia Jacobi verheiratet. Mit ihr hat er eine gemeinsame Tochter (* Dezember 2013).

Jugend

Bereits mit vier Jahren kam Timo Boll zum Tischtennis und wurde damals von seinem Vater trainiert. Mit acht Jahren wurde er vom hessischen Landestrainer Helmut Hampl entdeckt, der ihn daraufhin förderte. 1990 begann er im Trainingszentrum Pfungstadt zu trainieren.

Schüler

Die ersten internationalen Erfolge feierte Timo Boll 1995 bei den Schüler-Europameisterschaften in Den Haag, bei denen er dreimal Gold gewann. Nach dem zweiten Platz 1996 bei seiner ersten EM in der Jugendklasse gewann er in den beiden folgenden Jahren den Titel im Einzel und weitere Medaillen im Doppel und mit der Mannschaft.

Größte Erfolge

Seine bedeutendsten Erfolge waren der dritte Platz bei der WM 2011 sowie der zweimalige Gewinn des Weltcups. Die Europameisterschaft gewann er sechs, die Europe TOP-12 fünfmal. Im Doppel wurde er Vize-Weltmeister und fünffacher Europameister. Mit dem deutschen Team gewann Boll 2008 Olympisches Silber in Peking, Bronze in London 2012, sowie fünfmal den Europäischen Titel.

Borussia Düsseldorf

Im Dezember 2006 unterschrieb Timo Boll einen Dreijahresvertrag bei Borussia Düsseldorf, dem deutschen Rekordmeister. Der Wechsel war aufgrund der finanziellen Lage Gönnerns und fehlender Spitzenspieler und Erfolge abzusehen. Inzwischen wurde der Vertrag bis 2018 verlängert.

Rekord

2015 wurde er zum zehnten mal Deutscher Meister und überholte damit Eberhard Schöler und Conny Freundorfer, die mit neun Titelgewinnen bis dahin den Rekord hielten.

Der Deutsche Tischtennis-Bund hat den Baumaschinenhersteller Liebherr und die ARAG-Versicherung als Hauptsponsoren. Warum kommen nicht weitere große Geldgeber?
Das Hauptproblem ist: Es ist unglaublich schwierig, ins Fernsehen zu kommen. Wir haben zwar Exklusivverträge mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Sie könnten unsere Matches also bei internationalen Wettkämpfen übertragen.

Theoretisch. Praktisch tun die Sender jedoch nichts?
Das beste Beispiel dafür ist das WM-Mannschaftsfinale zwischen Deutschland und China 2012 in Dortmund. Wir spielten vor 14.000 Zuschauern. Was ist noch attraktiver als ein Wettkampf gegen die beste Tischtennisnation im eigenen Land? Den Wettkampf haben die Öffentlich-Rechtlichen dennoch nicht live gezeigt. Was soll man denn noch mehr erreichen?

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China schlagen!
Leider wissen alle: China ist derzeit fast unschlagbar. Doch man sieht es ja auch in Fernost, dass sich Tischtennis gut präsentieren lässt. Die Ausrede des Fernsehens lasse ich nicht gelten.

Die Menschen erreichen Sie trotzdem. Mit dem Roboterhersteller Kuka haben Sie drei Videos produziert. Der Film „The Duell“ zwischen einem Roboter und Ihnen brachte es auf Youtube und Youko insgesamt auf mehr als 15 Millionen Ansichten, mehr als 24.000 Likes und mehr als 5000 Kommentare.
Uns hat es sehr überrascht, dass der Film ein Publikum erreichte, das weit über das Tischtennis hinausging. Leider nahmen manche Kommentatoren aus der Technik-Szene das Video zu ernst. Es ging zwar um den Kampf Mensch gegen Maschine, aber am Ende war alles ein Werbegag. Unter dem Strich bleibt eine Supergeschichte, die so erfolgreich ist, dass Kuka Ende  April sogar den dritten Film der Serie vorgelegtt hat.

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