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08.09.2013

09:52 Uhr

Tokio ist Olympiastadt

Strahlende Sieger

VonMartin Kölling

Tokio darf zum zweiten Mal nach 1964 die Olympischen Sommerspiele ausrichten. Sportlich spricht einiges für die japanische Metropole, abseits der Arenen gibt es dafür umso mehr Probleme. Fukushima ist nur eines davon.

Feiernde Menschen in Tokio: Die Freude über die Entscheidung zugunsten der Stadt war riesig. dpa

Feiernde Menschen in Tokio: Die Freude über die Entscheidung zugunsten der Stadt war riesig.

TokioDes einen Freud, der anderen Leid: Als Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Sonnabend in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires Tokio zum Veranstalter der olympischen Sommerspiele 2020 ausrief, fielen sich in Japan tausende in die Arme. In der Türkei hingegen herrschte Bestürzung, weil die japanische Hauptstadt Istanbul mit einer perfekten Präsentation ausgestochen hatte. Der dritte Finalist, Madrid, war bereits in der Vorrunde in einer Stichwahl gegen Istanbul rausgeflogen.

Selbst in Deutschland hisste die Bild-Zeitung die Fahnen auf Halbmast. „Tokio klaut uns unser EM-Finale“, titelte das Sprachrohr des deutschen Stammtisch-Sachverstands online. Denn der Deutsche Fußball-Bund hatte bereits vor der olympischen Kür angekündigt, dass er auf eine Kampfkandidatur gegen Istanbul als Austragungsort des höchsten europäischen Fußballevents verzichten würde, falls die Türkei das globale Sportspektakel versäumen würde.

Von dem Gram bekam die Japaner herzlich wenig mit. Tausende hatten die Nacht im Olympischen Park in Tokio, in dem bei der Olympiade 1964 ein Teil der Veranstaltungen stattfand, durchgemacht, um die Präsentation der drei Finalisten zu sehen und dann am Sonntagmorgen um fünf Uhr Ortszeit die Entscheidung des IOK zu bejubeln.

Auch Japaner können sich frenetisch freuen

Sie wurden nicht enttäuscht. Kaum hatte Rogge im fernen Argentinien das Schild mit dem Schriftzug „Tokio 2020“ umgedreht, regneten in Tokio Goldgirlanden auf ausgelassen jubelnde Menschen herab. Und der Chef der Japanischen Handelskammer, Tadashi Okamura, stammelte in die Kameras, dass er weinen musste. „Wir wünschten uns die Spiele so sehr.“

Kaum weniger bewegt gab in Buenos Aires der vom G-20-Gipfel im russischen St. Petersburg herbeigeeilte Regierungschef Shinzo Abe zu Protokoll, dass er total von Gefühlen überwältigt wurde, als Rogge Tokio nannte. „Meine Freude war größer als bei meinem eigenen Wahlsieg."

Die Freudentränen und der Siegeslärm widerlegte endgültig die Kritik, die Tokios vorige Bewerbung für die Spiele 2016 hatte scheitern lassen: dass die Japaner nicht mit Begeisterung dabei wären. Schon die letzte Präsentation des Team Tokio in Buenos Aires hatte die Gefühlskarte voll ausgespielt.

Die kaiserliche Familie hatte erstmals eine der ihren zu solch einem Event geschickt: Die globale Bürgerin Prinzessin Takamado warb fließend auf Französisch und Englisch für ihre Heimat. Auf sie folgte die Para-Olympionike Mami Sato, deren Heimatstadt im Tsunami 2011 verwüstet worden war. Und der Fechter Yuki Ota durfte erwähnen, wie nach den Londoner Spielen 500.000 Tokioter Japans Medaillengewinner willkommen geheißen hatten. „Schauen Sie auf die Bilder und stellen Sie sich die Leidenschaft im Jahr 2020 vor“, schwärmte Ota. „Alle Veranstaltungsorte werden voll besetzt sein, jeder Sport wird glänzen. Tokio wird eine unglaubliche Plattform für die Werbung der olympische Bewegung liefern.“

Kommentare (5)

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Meier

08.09.2013, 10:37 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Bremse83

08.09.2013, 11:08 Uhr

Ich finde, dass Tokio keine Berechtigung hat die Spiele auszutragen.

Der Grund ist Fukushima.

Istanbul hätte es verdient. Und wenn nicht Istanbul, dann Madrid

Freidenker

08.09.2013, 11:26 Uhr

Dann strahlen die Sportler eben nicht nur als Gewinner :)

Ist doch auch völlig egal, ob Sportler verstrahlt oder nicht. Hauptsache die japanische Wirtschaft kommt wieder auf die Füße und die Kapitalisten machen genug GEWINN!! Denn einzig und alleine dreht es sich NUR noch ums GELD! Nachwuchssportler gibt es doch genug. Menschenmaterial sowieso.

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