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08.07.2015

16:05 Uhr

Totilas gibt sein Comeback

Letzte Chance für das Millionenpferd

Ein Jahr lang musste Totilas, das teuerste Dressurpferd der Welt, pausieren. Nun soll der 15 Jahre alte Hengst mit Reiter Matthias Rath in Hagen zeigen, dass er fit für die EM ist. Die Bundestrainerin ist da skeptisch.

Matthias Alexander Rath reitet 2014 Totilas beim Chio in Aachen. dpa

Da war die Reitwelt noch in Ordnung

Matthias Alexander Rath reitet 2014 Totilas beim Chio in Aachen.

Hagen, OsnabrückHagen ist für Totilas die letzte Chance. Nach fast einem Jahr Pause soll das berühmteste und teuerste Dressurpferd der Welt sein Comeback geben – wieder einmal. Beim Nationenpreis-Turnier in Hagen am Teutoburger Wald muss Matthias Rath am Wochenende mit dem 15 Jahren alten Hengst antreten und glänzen, um auf den letzten Drücker doch noch ins EM-Team zu rutschen. Bundestrainerin Monica Theodorescu hofft auf eine gelungene Rückkehr, doch ihre Skepsis war nicht zu überhören: „Bisher war immer wieder was. Er ist ein schwieriger Fall, was die Gesundheit angeht.“

Es ist eine Leidensgeschichte ohnegleichen. Seit das Pferd im Herbst 2010 für geschätzte zehn Millionen aus den Niederlanden zu Rath wechselte, gab es mehr unfreiwillige Pausen als Wettkampfzeiten. Zuletzt startete das Paar vor einem knappen Jahr in Aachen, ehe kurz danach das Aus für die WM folgte. Jetzt hofft Rath auf die EM Ende August in Aachen.

Trainingsritt vor 40 Zuschauern und ein paar Kühen

Zumindest die Generalprobe war vielversprechend, wenn auch geheim und wenig glamourös. Vor rund 40 Zuschauern und ein paar Kühen absolvierte Rath vor knapp zwei Wochen bei einem ländlichen Turnier im niederländischen Hulten eine „Trainingseinheit unter Turnierbedingungen“, wie der Reiter es nannte. Der Versuch, den unangekündigten Test zu verheimlichen, gelang nicht - im Internet gab es kurz danach ein Video.

„Da ist ja immer ein bisschen Geheimhaltung dabei“, sagte der Hagener Turnierchef Ullrich Kasselmann. Auch deshalb habe er keine Werbung mit Totilas für das Turnier gemacht. Gleichwohl lockt die angekündigte Rückkehr die Zuschauer zum Turnier am Teutoburger Wald. „Der Name zieht noch immer“, sagte der Turnierchef. „Die Tribünen werden voll sein.“

Er rechnet mit täglich bis zu 4000 Zuschauern bei der viertägigen Veranstaltung in der Nähe von Osnabrück, in deren Mittelpunkt der Wettbewerb der Dressur-Nationalmannschaften am Donnerstag steht. Der erste Wettkampf von Totilas und Rath ist für Freitag geplant. Das Paar konnte sich wegen des späten Comebacks nicht für das Hagen-Quartett qualifizieren.

Theodorescu hofft, dass der immer wieder lange pausierende Totilas nun endlich fit ist. „Wenn er keine Probleme hat, ist er ein Spitzenpferd“, sagte die Bundestrainerin. „Letztes Jahr in Aachen hat er großartig gewonnen.“ Mit zwei Siegen krönten Rath und Totilas die damalige Rückkehr in den Wettkampf – ehe erneut eine lange Pause folgte.

Wunderpferd Totilas

Dressurpferd

Der einstige Jahrhundert-Hengst Totilas hat 2010 unter dem Niederländer Edward Gal sämtliche WM-Titel gewonnen. Danach wurde das Dressurpferd für zehn Millionen Euro an Paul Schockemöhle verkauft – Rekordwert. Totilas sollte danach der Popstar des Reitsports werden.

Quellen: dpa, sid

Zweijährige Pause

Totilas hat in den letzten zwei Jahren pausiert. Seit dem Comeback im Mai gab es für Totilas und seinen neuen Reiter Matthias Rath sechs Siege bei sechs Starts. In Aachen siegte Totilas zudem im Einzel und mit der Mannschaft.

Alter

Das Dressurpferd ist mittlerweile 14 Jahre alt. Ist es noch zu Höchstleistungen fähig? Reiter Rath: "Es hat auch schon Pferde gegeben, die mit 17, 18 oder 19 Jahren im Viereck noch Topleistungen gebracht haben. Dementsprechend sollte das reine Alter kein Problem sein.“

Vermarktung

Tassen und T-Shirts gab es schon, bevor der Reiter Matthias Rath überhaupt das erste Mal mit dem Dressurhengst Totilas zum Wettkampf eingeritten ist. Etwas voreilig lief die große Vermarktungs-Maschinerie für das teuerste Dressurpferd der Welt an. Das war 2011.

Zurückhaltung

Knapp drei Jahre später, gibt es keinen eigenen Totilas-Stand beim Chio in Aachen mehr. „Wir waren schon ausverkauft“, antwortet Michael Mronz augenzwinkernd auf die Frage nach dem Warum. Mronz hatte sich mit seiner Agentur MMP die Markenrechte gesichert und eine für den Pferdesport beispiellose Marketing-Kampagne angekurbelt.

Gelernt

„Wenn man etwas macht, gehört auch dazu, dass man auch Dinge macht, aus denen man lernt“, sagt der Vermarkter Mronz. Dass die Investitionen in Tassen, T-Shirts und anderen Totilas-Schnickschnack höher waren als die Gewinne, das lässt sich nur vermuten.

Stillstand

Der Vermarkter gibt zu: „Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob es sinnvoll war, eine Merchandising-Kollektion direkt am Anfang aufzulegen.“ Ob es irgendwann wieder Tassen und T-Shirts mit dem bekanntesten Dressurpferd der Welt geben wird, lässt er offen.

Internet

Auf seiner eigenen Internetseite hat sich das einstige Wunderpferd seit knapp zwei Jahren nicht mehr gemeldet. Dabei gäbe es doch über das wundersame Comeback und die lange Leidenszeit viel zu erzählen.

Bescheidenheit

Rath ist ohnehin der Zurückhaltendste im Totilas-Umfeld. Er ist aber noch vorsichtiger geworden. Obwohl der 29-Jährige aus Kronberg Totilas nach der langen Pause besser und lockerer reitet als in der ersten Phase nach dem Kauf des Pferdes, scheint er seine Lektionen gelernt zu haben. „Wir wissen gerade aus der Vergangenheit, dass es schnell hin und hergehen kann“, sagt der Totilas-Reiter. Da ist es im Zweifelsfall besser, auch mal zu schweigen.

Insofern sind die Zweifel nicht gering. Sie habe „durchaus Bedenken“, sagte Theodorescu. Bei ihren Besuchen im Training bei dem niederländischen Coach Sjef Janssen machte das Pferd einen sehr guten Eindruck, aber: „Wir müssen schauen, wie die Haltbarkeit ist. Letztes Jahr sah es ja auch sehr gut aus, aber dann hat es nicht gereicht.“

Beim ursprünglich geplanten Comeback bei der deutschen Meisterschaft in Balve war Totilas noch nicht fit. Seit der Genesung „arbeiten wir ganz bewusst sehr langsam wieder an Kraft, Ausdauer, Ausdruck und Präzision“, sagte Rath dazu. „Im Vordergrund steht Totilas' Gesundheit, und dazu gehört dann auch, dass wir uns die Zeit nehmen, die er braucht.“

Der 30-Jährige aus Kronberg reitet daher nicht in den Prüfungen für die Mannschaftsreiter, sondern in Wettbewerben des Rahmenprogramms. Seine vier Konkurrenten um eines der vier Tickets für die EM starten hingegen im Nationenpreis: Kristina Sprehe, Isabell Werth, Jessica von Bredow-Werndl und Hubertus Schmidt.

Von

dpa

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