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04.07.2015

08:57 Uhr

Tour de France 2015

Rad-Renaissance auf Bewährung

VonRoman Tyborski

Die Tour de France ist zurück in der ARD. Und wenn an diesem Samstag das größte Radrennen der Welt in Utrecht startet, ist auch das Team eines deutschen Mittelständlers dabei. Die Tour muss vor allem eins sein: sauber.

huGO-BildID: 46375871 Germany's Emanuel Buchmann stands on stage during the team presentation ceremony at Lepelenburg park in Utrecht, The Netherlands, on July 2, 2015, two days before the 102nd edition of the Tour de France cycling race. The 2015 Tour de France gets underway on July 4 in the streets of Utrecht and ends on July 26, 2015 down the Champs-Elysees in Paris. AFP PHOTO / LIONEL BONAVENTURE AFP

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huGO-BildID: 46375871 Germany's Emanuel Buchmann stands on stage during the team presentation ceremony at Lepelenburg park in Utrecht, The Netherlands, on July 2, 2015, two days before the 102nd edition of the Tour de France cycling race. The 2015 Tour de France gets underway on July 4 in the streets of Utrecht and ends on July 26, 2015 down the Champs-Elysees in Paris. AFP PHOTO / LIONEL BONAVENTURE

DüsseldorfRadsportler können sich nicht frei bewegen. Sie müssen jederzeit angeben wo sind oder wo sie sein werden. Sie müssen einen Blutpass mit sich tragen und wenn sie eine Urin-Probe abgeben, schaut ein Kontrolleur ihnen dabei zu. Radsportler sind Gefangene ihres Sportes – und sie sind selbst schuld daran. Sie haben in den 90er- und Anfang der 2000er-Jahre dafür gesorgt, dass der Radsport weniger einem Sport und mehr einem Dopingmoloch glich.

Inmitten dieser allgegenwärtigen Kontrolle und der immerwährenden Verdachtsmomente hatten sich die Deutschen vom Radsport abgewendet. Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender haben die Übertragung 2011 abgebrochen und deutsche Unternehmen sahen im Radsport keine Werbegrundlage mehr. Doch jeder Verbrecher – und mit dem neuen Anti-Dopinggesetz in Deutschland sind dopende Sportler und Doping verabreichende Ärzte nichts anderes – hat ein Recht auf Resozialisierung. Der Radsport will diese Chance nutzen. Und die ARD und deutsche Unternehmen wie der Mittelständler Bora geben sie ihm.

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Seit 2010 sind in diesem Jahr erstmals wieder deutsche Teams beim härtesten Radrennen der Welt am Start, zudem zeigt die ARD das größte jährlich stattfindende Sportereignis der Welt live. Die Doping-Problematik bleibt.

Seit diesem Jahr ist das Unternehmen aus Raubling Hauptsponsor des Pro Continental Teams Bora Argon 18, das dank einer Wildcard an der Tour teilnehmen darf, die am 4. Juli im niederländischen Utrecht beginnt. Allerdings folgt das Engagement des Dunstabzugsherstellers nicht allein einem finanziellen Kalkül. Es ist auch der Radsport-Leidenschaft des Firmengründers Willi Bruckbauer zu verdanken, dass es nach über vier Jahren wieder ein rein deutsches Radsportteam gibt. Doch die Rückkehr eines deutschen Sponsors und der öffentlich-rechtlichen TV-Sender ist eine Rückkehr auf Bewährung. Das Rückfallrisiko bleibt.

„Keine Frage, das Radsport-Engagement ist für Bora ein großes Investment“, erklärt Bora-Gründer Willi Bruckbauer gegenüber Handelsblatt Online. Über genaue Beträge gibt es keine Auskünfte. „Aber die Chancen, die diesem Investment gegenüber stehen, sind für ein kleines Unternehmen wie Bora riesig.“ Und die Chancen sind die gleichen wie das Risiko. Alles dreht sich um die Sauberkeit des Sports.

Die Etappen der Tour de France 2015 (Teil 1)

1. Etappe

Von Utrecht (Niederlande) nach Utrecht

Datum: 4. Juli

Distanz: 14 Kilometer
Profil: flach (Einzelzeitfahren)

2. Etappe

Von Utrecht nach Zeeland (Niederlande)
Datum: 5. Juli
Distanz: 166 Kilometer
Profil: flach (voraussichtlich Sprintankunft)

3. Etappe

Von Antwerpen (Belgien) nach Huy (Belgien)
Datum: 6. Juli
Distanz: 154 Kilometer
Profil: bis Kilometer 105 flach, danach kurze aber steile Anstiege der Kategorie 4 und 3 mit Bergankunft bei der bekannten Mauer von Huy der Kategorie 3, die an einigen Passagen bis zu 19 Prozent steil ist (erstes Kräftemessen der Favoriten, Chance für Ausreißer)

4. Etappe

Von Seraing (Belgien) nach Cambrai
Datum: 7. Juli
Distanz: 221 Kilometer
Profil: flach (Sprintankunft)

5. Etappe

Von Arras nach Amiens Métropole
Datum: 8. Juli
Distanz: 189 Kilometer
Profil: flach (Sprintankunft)

6. Etappe

Von Abbeville nach Le Havre
Datum: 9. Juli
Distanz: 191 Kilometer
Profil: flach mit drei kurzen Anstiegen der Kategorie 4 (Sprintankunft)

7. Etappe

Von Livarot nach Fougères
Datum: 10. Juli
Distanz: 190 Kilometer
Profil: flach, mit einem Anstieg der Kategorie vier (Sprintankunft)

8. Etappe

Von Rennes nach Mûr de Bretagne
Datum: 11. Juli
Distanz: 179 Kilometer
Profil: leicht bergig, ein Anstieg der Kategorie 4, Zielankunft mit Anstieg der Kategorie 3

9. Etappe

Von Vannes nach Plumelec
Datum: 12. Juli
Distanz: 28 Kilometer
Profil: wellig (Einzelzeitfahren)

10. Etappe

Von Trabes nach La Pierre-Saint-Martin
Datum: 14. Juli
Distanz: 167 Kilometer
Profil: bergig mit Bergankunft der höchsten Kategorie

Axel Balkausky, Sportkoordinator der ARD, erklärte in einem Interview für den SID: „Es gibt derzeit im Radsport eine Reihe von jungen deutschen Athleten, die nicht nur durch Offenheit und ihr klares Bekenntnis zum sauberen Sport, sondern ebenso jüngst durch Erfolge zu überzeugen wissen.“ Für ihre Entscheidung die Tour de France zu übertragen gäbe es zwei Kriterien: Erstens werde im Radsport in puncto Anti-Doping-Kampf in jüngster Zeit sehr viel getan, zum Teil sogar mehr als in manchen anderen Sportarten. Zweitens sei das Zuschauerinteresse bedingt durch derzeit erfolgreiche, junge deutsche Fahrer spürbar gestiegen.

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