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15.01.2016

06:31 Uhr

Tour de France 2017

Düsseldorf träumt von einer schwarzen Null

Das könnte ein perfekter „Grand Départ“ für den Zeitfahr-Experten Tony Martin werden: Die Tour de France startet 2017 in Düsseldorf mit einem Kampf gegen die Uhr über 13 Kilometer. Das Ziel der zweiten Etappe lässt Tour-Chef Prudhomme noch offen.

Düsseldorf ist der vierte deutsche Tour-Startort – nach Köln, Frankfurt und West-Berlin. AFP

Start der Tour in Düsseldorf

Düsseldorf ist der vierte deutsche Tour-Startort – nach Köln, Frankfurt und West-Berlin.

Düsseldorf/ParisDüsseldorf fiebert bereits 534 Tage vor dem Tour-de-France-Auftakt dem sogenannten „Grand Départ“ entgegen. „Ich spüre schon sehr, sehr viel Enthusiasmus“, bekannte Oberbürgermeister Thomas Geisel am Donnerstag. Der Tour-Start am 1. Juli 2017 soll auch im Zeichen des Anti-Doping-Kampfes stehen. „„Sauberer Sport“ soll zum Thema gemacht, das schreckliche Gespenst des Dopings soll beseitigt werden“, sagte der 52 Jahre alte SPD-Mann Geisel im Beisein des fünfmaligen französischen Tour-Gewinners Bernard Hinault.

Die Tour wird 2017 mit einem 13 Kilometer langen Einzelzeitfahren am Rheinufer und über die berühmte Königsallee ihren Start erleben, wie Tour-Direktor Christian Prudhomme schon am Morgen in Paris ankündigte – ein Auftakt, der dem dreimaligen Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin wie auf den Leib geschneidert ist und ihm auf Anhieb das Gelbe Trikot bringen könnte.

Doping-Skandale im Radsport

1998

Während der Tour de France werden bei Festina-Team-Betreuer Willy Voet massenhaft unerlaubte Substanzen zum Dopen gefunden. Es folgen Razzien der Polizei, ein flächendeckendes Doping-System im Radsport wird enttarnt.

1999

Marco Pantani, Toursieger von 1998, wird als Führender aus dem Giro d'Italia genommen, nachdem bei ihm ein erhöhter Hämatokritwert nachgewiesen worden war. 2001 erhielt er eine sechsmonatige Sperre, nachdem eine Insulin-Spritze bei einer Razzia gefunden wurde. In Nachuntersuchungen wies eine Dopingprobe bei der Tour 1998 Spuren von EPO auf. 2004 stirbt der „Pirat“ an einer Überdosis Kokain.

2006

Zwei Tage vor dem Start der Tour de France werden neun Fahrer, unter ihnen Jan Ullrich und der Italiener Ivan Basso, von der Rundfahrt ausgeschlossen. Sie sollen mit dem mutmaßlichen spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet haben. US-Profi Floyd Landis wird positiv auf Testosteron getestet. 14 Monate später wird er für zwei Jahre gesperrt. Der Tour-de-France-Sieg wird ihm aberkannt. Im Mai 2010 gibt er Doping zu.

2007

Die Radprofis Jörg Jaksche, Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts, Brian Holm, Rolf Aldag, Erik Zabel und Bjarne Riis, der Tour- Sieger von 1996, gestehen Doping. Die Sportärzte Lothar Heinrich, Andreas Schmid und Georg Huber werden von der Universitätsklinik Freiburg suspendiert.

2010

Tour-de-France-Sieger Alberto Contador wird positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet. Im Februar 2012 wird der spanische Radprofi vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu einer Zweijahressperre bis August 2012 verurteilt, zudem werden ihm seine Ergebnisse seit Juli 2010 aberkannt.

2012

Der deutsche Ex-Radprofi Jan Ullrich wird vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wegen Dopings schuldig gesprochen und bis August 2013 gesperrt. Zudem werden ihm alle Ergebnisse seit Mai 2005 aberkannt.

2013

Nach jahrelangem Leugnen gibt der frühere US-Radprofi Lance Armstrong in einem Fernsehinterview Dopingmissbrauch zu. Er habe von Mitte der 90er Jahre bis 2005 mit EPO, Testosteron, Kortison und Wachstumshormonen manipuliert und Blutdoping betrieben, sagt der Amerikaner, dem bereits 2012 alle sieben Tour-de-France-Siege aberkannt worden waren. Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte ihn mittels Zeugenaussagen überführt und lebenslang gesperrt.

2015

Nach weiteren fünf Dopingfällen bei Astana, dem Team des amtierenden Tour-Siegers Vincenzo Nibali, fordert der Weltverband UCI den Lizenzentzug. Grundlage sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Padua, denen zufolge Teamleiter Alexander Winokurow und weitere Teammitglieder Kontakt zum lebenslang gesperrten Dopingarzt Michele Ferrari gehabt haben. Dazu beruft sich die UCI auch auf eine Untersuchung des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Lausanne und erklärt, es habe „große Unterschiede“ zwischen der vom Team proklamierten Anti-Doping-Politik und der Realität gegeben.

„Natürlich zählen deutsche Champions bei einer solchen Entscheidung“, sagte Prudhomme zum Charakter der ersten Etappe. Düsseldorf ist nach Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) der vierte deutsche Tour-Startort. Prudhomme: „Wir sind sehr glücklich mit Düsseldorf.“

Geisel, der Hinault als „Idol meiner Kindheit“ bezeichnete, erwartet zum Tour-Auftakt 2017 mehr als eine Million Besucher. „Und die werden eine große Begeisterung entfachen“, sagte das Düsseldorfer Stadtoberhaupt. Die erwarteten Kosten für die Kommune, die auf rund elf Millionen Euro taxiert werden, sollen zu Teilen auch über Sponsoren refinanziert werden.

Bei dieser schwierigen Thematik hofft Geisel auf das „große Interesse“ möglicher Geldgeber: „Es gibt sehr viele positive Signale.“ Geisel zeigte sich zuversichtlich, dass für das Millionen-Unternehmen „Grand Départ“ eine breite finanzielle Basis gefunden wird. Er könne aber „keine Versprechungen machen, dass Düsseldorf mit einer schwarzen Null herauskommt“. Ein Defizit werde „in einem überschaubaren Rahmen“ bleiben.

Zuletzt war von einer Finanzierungslücke von gut sechs Millionen Euro die Rede. Auch aus finanziellen Gründen war die Zustimmung des Düsseldorfer Stadtparlaments eine extrem knappe Angelegenheit – und durchaus umstritten, weil auch Voten aus dem rechten politischen Lager im November zum knappen 40:39 pro Tour-Start geführt hatten.

Auch das Umland wird in die ersten Tour-Tage 2017 einbezogen. Die zweite Etappe mit einer ersten Bergwertung am Grafenberg soll ebenfalls in der NRW-Hauptstadt starten und zunächst durch Erkrath und Mettmann führen. Weitere Details werden am 18. Oktober in Paris bekanntgegeben, wenn der gesamte Tour-Verlauf 2017 präsentiert wird.

Prudhomme sagte über den Tour-Partner Düsseldorf am Donnerstagmorgen in Paris und am Nachmittag am Rhein auf Deutsch, er sei „sehr froh und stolz“. Die Stadt werde sicher alles dafür tun, dass der Start ein toller Auftakt des größten Radsport-Spektakels werde.

Von

dpa

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