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21.07.2013

09:08 Uhr

Tour de France

Deutsche (Tor)Tour ohne Ertrag

VonTom Mustroph

Deutsche Radprofis wie Marcel Kittel mischten in diesem Jahr die Tour auf, aber Medien und Sponsoren im Heimatland sind noch immer im Dornröschenschlaf. Sie haben das Radrennen offenbar abgeschrieben.

Radprofi Marcel Kittel: Der Deutsche fuhr drei Siege ein – die Resonanz blieb aus. dpa

Radprofi Marcel Kittel: Der Deutsche fuhr drei Siege ein – die Resonanz blieb aus.

Diese Tour de France war zumindest in den ersten beiden Wochen eine Tour d’Allemagne. Deutsche Profis holten fünf Etappensiege. Neben dem Dreifachsieger Marcel Kittel sicherten sich André Greipel und der Zeitfahrweltmeister Tony Martin je einen Erfolg. Hinzu kommt ein zweiter Platz von John Degenkolb.

Diese Siegesserie ist nicht einmal überraschend. Bei flachen Zeitfahren rechnet inzwischen jedermann mit einem Sieg des Trägers des Regenbogentrikots in dieser Disziplin. „Alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung“, hatte auch Martin selbstbewusst erzählt, als er im Schatten der fast 1000jährigen Benediktiner-Abtei auf Mont Saint Michel die Zeiten der Konkurrenz abwartete. Zwar musste er dabei noch kurz bangen, weil ihm der Brite Chris Froome bei den ersten beiden Bestzeiten knapp überlegen war. Auf dem flachen letzten Drittel sorgte Martins Motor aber für den Unterschied. Der Profi des belgischen Teams Omega darf für sich in Anspruch nehmen, der einzige im Feld zu sein, der sich gegen den Tourdominator Froome bei einer Übung durchsetzte, die dieser gern für sich selbst entschieden hätte.

Tour de France: Ein Fest auf der Alpe

Tour de France

Ein Fest auf der Alpe

Nur das Wetter spielte nicht mit: Bei eine spannenden Königsetapppe setzte sich eine Favoritengruppe ab, die am Ende die Kraft verließ. Dem Briten Christopher Froome ist der Toursieg kaum zu nehmen.

Im Sprint brachte sich André Greipel bereits bei der letzten Tour auf eine Höhe mit dem früheren Seriensieger Mark Cavendish. Beide gewannen damals je drei Etappen, ebenso der Slowake Peter Sagan. Der neue Superstar im Sprint heißt indes Marcel Kittel. Der blonde Hüne stellte mit seinen bislang drei Siegen bei dieser Tour die Dreifachsieger des Vorjahres klar in den Schatten. „Er war schneller als ich und wird das kommende ganz große Ding“, gab sogar Cavendish nach seiner Kopf-an-Kopf-Niederlage bei der 12. Etappe in Tours zu.

Freilich hofft der Brite, dass das noch etwas dauert. Und er selbst tat mit einer überraschenden taktischen Variante am Folgetag einiges, um die allein auf Schnelligkeit beruhende Dominanz Kittels zu erschüttern. Cavendishs Omega-Team zerriss mit Unterstützung heftiger Seitenwinde bereits nach einem Drittel der Etappe das Feld. Argos-Mann Kittel gehörte zu den Abgehängten. Und auch der Lotto-Zug Greipels verlor noch durch eine Unaufmerksamkeit den Anschluss.

Doch solche Coups gelingen selten. Dass Cavendish, viele Jahre der Mann auf der Überholspur, zu solchen Mitteln greifen musste, darf man als Ausdruck seiner Einsicht in die veränderten Kräfteverhältnisse werten.
Die deutschen Erfolge bei dieser Tour haben eine nachhaltige Basis. Greipel und Martin entstammen – wie Cavendish übrigens auch – der Talenteveredelungsabteilung von Team Highroad.

Kommentare (12)

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prallePILLE

21.07.2013, 09:33 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Murgtal

21.07.2013, 09:42 Uhr

Wenn ARD und ZDF bei der Leichtathlethik genauso konsequent sind und den gleichen Doping-Maßstab wie beim Radsport anlegen, darf es von der kommenden WM keine Übertragung geben. Aber ich nehme mal an, die Lobby der Leichtathlethik hat mehr Einfluß als die Radsportlobby. Beim gegenwärtigen Präsidenten des deutschen Radsports allerdings auch gut verständlich!

Komaraz

21.07.2013, 09:47 Uhr


Zitat:Deutsche Radprofis wie Marcel Kittel mischten in diesem Jahr die Tour auf, aber Medien und Sponsoren im Heimatland sind noch immer im Dornröschenschlaf. Sie haben das Radrennen offenbar abgeschrieben.
Zitat Ende

Was soll die Tour denn vermitteln?
Der beste Pharmakonzern gewinnt?

Der "kleine" Tourfahrer der sich das alles nicht leiten kann verliert?
Das ist ja wie im deutschen Steuerrecht!!!

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