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26.07.2015

15:07 Uhr

Tour de France

Französische Polizei schießt vor Zielankunft auf Auto

Schreckmoment in Paris. Wenige Stunden vor der Zielankunft der Tour de France hat ein PKW die Polizeiabsperrungen durchbrochen. Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer, der Fahrer ist flüchtig – und wohl betrunken.

Ein Wagen hat eine der Sicherheitsabsperrungen in der Innenstadt durchbrochen. Reuters

Schüsse in Paris

Ein Wagen hat eine der Sicherheitsabsperrungen in der Innenstadt durchbrochen.

ParisVor dem Finale der Tour de France hat die Pariser Polizei in Zielnähe ein Auto mit Schüssen gestoppt. Stunden vor Ankunft der Radprofis durchbrach das Fahrzeug am Sonntag eine für das Rennen eingerichtete Absperrung. Polizisten wollten den Fahrer in der Nähe der Prachtstraße Champs-Élysées kontrollieren, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Polizeikreisen erfuhr. Er sei jedoch weitergefahren, die Beamten hätten daraufhin auf das Auto geschossen.

Der Polizeigewerkschafter Luc Poignant sagte dem Sender BFMTV, seine Kollegen hätten das Feuer eröffnet, weil der Wagen auf sie zugerast sei und sie sich bedroht gefühlt hätten. Es gelang ihnen bei dem Zwischenfall beim Place de la Concorde nicht, das Fahrzeug zu stoppen. Der Fahrer konnte flüchten, nach Angaben aus Polizeikreisen gab es keine Verletzten. Unklar war, ob neben dem Mann wie von Poignant erwähnt noch eine weitere Person im Auto saß.

Tour brutal

Strecke

Rollte sich die Tour in früheren Jahren mit zahlreichen Flachetappen langsam ein, ging es diesmal schon in der ersten Woche zur Sache. Sei es die Windkanten-Etappe nach Zeeland, das harte Kopfsteinpflaster nach Cambrai oder die anspruchsvollen Ankünfte an der „Mur von Huy“ und der „Mur-de-Bretagne“. Wer an den ersten Tagen nicht aufpasste, hatte gleich einen kaum wieder gut zu machenden Zeitrückstand. Auch in den Bergen geht es alles andere als gemächlich zu: Fünf schwere Bergankünfte, dazu gefährliche Abfahrten.

Hektik

Der deutsche Meister und Tour-Neuling Emanuel Buchmann staunte nicht schlecht. „Es ist sehr unangenehm, hier zu fahren. Im Feld geht es hektisch zu. Alle wollen vorn fahren“, sagte der 22-Jährige. Schon früh auf den Etappen werden die Ellbogen ausgefahren, keiner will Zeit verlieren. Die Teams der Sieganwärter wollen im Vorderfeld ihre Kapitäne schützen, dazu suchen die kleineren Teams angesichts der großen Medienpräsenz ihre Chance.

Stürze

Gleich zwei Fahrer mussten sich im Gelben Trikot von der Tour verabschieden: Fabian Cancellara erwischte es bei einem schlimmen Massensturz auf dem Weg nach Huy, als er sich wie schon im Frühjahr zwei Lendenwirbel brach. Drei Tage später war für Tony Martin die Triumphfahrt mit einem Schlüsselbeinbruch vorbei. Schlimm auch der Sturz von Jean-Christophe Peraud, der auf dem Weg nach Mende über den Asphalt rutschte und schmerzhafte Prellungen und Schürfwunden erlitt. „Vor allem in der ersten Woche geht es zu wie in einem Bienenschwarm“, sagt Tour-Arzt Florence Pommerie, der die Sturzquote aber ähnlich hoch sieht wie in den vergangenen Jahren.

Hitze

Schon beim Start in Utrecht zeigte das Thermometer 38 Grad an. Und die große Hitze begleitete die Fahrer auch an den folgenden Tagen auf dem Weg nach Paris. Besonders schlimm war es im Zentralmassiv, als 40 Grad gemessen wurden. Die Fahrer versuchten sich mit Eiswesten wieder auf Normaltemperatur zu bringen. „Ich habe so gelitten, dass ich nicht einmal schreien konnte“, sagte Albert Timmer vom deutschen Giant-Alpecin-Team nach einer Hitze-Etappe.

Atmosphäre

Am Streckenrand herrscht mitunter eine vergiftete Atmosphäre. Gerade die britische Sky-Mannschaft, die im Mittelpunkt ständiger Verdächtigungen in Frankreich steht, wird angefeindet. Tiefpunkt war die Urin-Attacke gegen Spitzenreiter Christopher Froome. Sein Helfer Richie Porte bekam einen Schlag in die Rippen. Dazu sollen volle Coladosen gegen das Sky-Teamfahrzeug geflogen sein.

Die Polizei vermutet, dass der Fahrer alkoholisiert gewesen sein könnte. Französische Medien berichteten, er habe zuvor ein anderes Auto gerammt. Der Mann wird nun wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt gesucht.

Der Rennleiter der Tour de France, Thierry Gouvenou, sagte, er wisse nicht viel über den Zwischenfall, erwarte aber keine Auswirkungen auf das Rennen. Die Schlussetappe mit der Zieleinfahrt auf den Champs-Élysées ist alljährlich der Höhepunkt der Tour. Die 102. Auflage der Frankreich-Rundfahrt endet an diesem Sonntag.

Von

dpa

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