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26.07.2015

20:20 Uhr

Tour de France

Froome ist Gesamtsieger, Greipel gewinnt letzte Etappe

Nach 3360,3 Kilometern hat Christopher Froome zum zweiten Mal nach 2013 die Tour de France gewonnen. König der Sprinter ist André Greipel, der in Paris seinen vierten Etappensieg holte.

Der 30 Jahre alte Froome wiederholte nach einem spektakulären Duell mit dem Kolumbianer Nairo Quintana seinen Toursieg von 2013. dpa

Christopher Froome

Der 30 Jahre alte Froome wiederholte nach einem spektakulären Duell mit dem Kolumbianer Nairo Quintana seinen Toursieg von 2013.

ParisGesamtsieger Christopher Froome genehmigte sich auf seiner verregneten Tour d'Honneur ein Gläschen Champagner, André Greipel krönte sich auf den Champs Élysées zum Sprinterkönig. Beim großen Finale auf dem Pariser Prachtboulevard raste das Kraftpaket aus Rostock zu seinem vierten Etappensieg bei der so spektakulär verlaufenen 102. Tour de France und vollendete ein weiteres Sommermärchen der deutschen Radprofis.

„Alles, was ich in meiner Karriere gemacht habe, zahlt sich jetzt aus“, sagte Greipel voller Stolz in der ARD und wollte „auf jeden Fall nicht mit Wasser“ feiern. Greipel, der auf der 21. und letzten Etappe über 109,5 Kilometer von Sèvres nach Paris vor dem Franzosen Bryan Coquard und dem Norweger Alexander Kristoff gewann, sorgte für den sechsten deutschen Etappensieg - so viele holte keine andere Nation.

Ansonsten hieß es nach 3360,3 Kilometern auf den Champs Èlysées, wo am frühen Morgen eine Schießerei für eine Schrecksekunde gesorgt hatte, aber wieder „Rule Britannia“. Der 30 Jahre alte Froome wiederholte nach einem spektakulären Duell mit dem Kolumbianer Nairo Quintana seinen Toursieg von 2013. „Beim ersten Mal ist ein Traum wahr geworden. Jetzt habe ich es wieder geschafft. Ich kann es kaum begreifen“, sagte Brite, der in der Stunde des Triumphes die vielen - unappetitlichen - Anfeindungen abhakte.

Tour brutal

Strecke

Rollte sich die Tour in früheren Jahren mit zahlreichen Flachetappen langsam ein, ging es diesmal schon in der ersten Woche zur Sache. Sei es die Windkanten-Etappe nach Zeeland, das harte Kopfsteinpflaster nach Cambrai oder die anspruchsvollen Ankünfte an der „Mur von Huy“ und der „Mur-de-Bretagne“. Wer an den ersten Tagen nicht aufpasste, hatte gleich einen kaum wieder gut zu machenden Zeitrückstand. Auch in den Bergen geht es alles andere als gemächlich zu: Fünf schwere Bergankünfte, dazu gefährliche Abfahrten.

Hektik

Der deutsche Meister und Tour-Neuling Emanuel Buchmann staunte nicht schlecht. „Es ist sehr unangenehm, hier zu fahren. Im Feld geht es hektisch zu. Alle wollen vorn fahren“, sagte der 22-Jährige. Schon früh auf den Etappen werden die Ellbogen ausgefahren, keiner will Zeit verlieren. Die Teams der Sieganwärter wollen im Vorderfeld ihre Kapitäne schützen, dazu suchen die kleineren Teams angesichts der großen Medienpräsenz ihre Chance.

Stürze

Gleich zwei Fahrer mussten sich im Gelben Trikot von der Tour verabschieden: Fabian Cancellara erwischte es bei einem schlimmen Massensturz auf dem Weg nach Huy, als er sich wie schon im Frühjahr zwei Lendenwirbel brach. Drei Tage später war für Tony Martin die Triumphfahrt mit einem Schlüsselbeinbruch vorbei. Schlimm auch der Sturz von Jean-Christophe Peraud, der auf dem Weg nach Mende über den Asphalt rutschte und schmerzhafte Prellungen und Schürfwunden erlitt. „Vor allem in der ersten Woche geht es zu wie in einem Bienenschwarm“, sagt Tour-Arzt Florence Pommerie, der die Sturzquote aber ähnlich hoch sieht wie in den vergangenen Jahren.

Hitze

Schon beim Start in Utrecht zeigte das Thermometer 38 Grad an. Und die große Hitze begleitete die Fahrer auch an den folgenden Tagen auf dem Weg nach Paris. Besonders schlimm war es im Zentralmassiv, als 40 Grad gemessen wurden. Die Fahrer versuchten sich mit Eiswesten wieder auf Normaltemperatur zu bringen. „Ich habe so gelitten, dass ich nicht einmal schreien konnte“, sagte Albert Timmer vom deutschen Giant-Alpecin-Team nach einer Hitze-Etappe.

Atmosphäre

Am Streckenrand herrscht mitunter eine vergiftete Atmosphäre. Gerade die britische Sky-Mannschaft, die im Mittelpunkt ständiger Verdächtigungen in Frankreich steht, wird angefeindet. Tiefpunkt war die Urin-Attacke gegen Spitzenreiter Christopher Froome. Sein Helfer Richie Porte bekam einen Schlag in die Rippen. Dazu sollen volle Coladosen gegen das Sky-Teamfahrzeug geflogen sein.

Bis er den Siegerpokal auf dem Podium im Schatten des Arc de Triomphe hochhalten durfte, musste er aber am Vortag auf dem Weg ins Radsport-Mekka L'Alpe d'Huez „tausend Tode“ sterben. Sein hartnäckiger Rivale Quintana hätte Froome beim Showdown fast noch das Gelbe Trikot entrissen. Mickrige 72 Sekunden Vorsprung hatte der Brite nach über 85 Stunden Fahrzeit vor dem Kletterer aus den Anden nach Paris gerettet. Im Nachhinein erwies sich die Windkanten-Etappe nach Zeeland am zweiten Tag, als Quintana 1:28 Minuten verloren hatte, fast schon als Schlüsselerlebnis. Auf Platz drei fuhr der einst des Dopings überführte Routinier Alejandro Valverde (+5:25) aus Quintanas Movistar-Team.

Die Schlussetappe gehörte aber traditionell den Sprintern, und da trat Greipel in die Fußstapfen seines diesmal daheim gebliebenen Landsmannes Marcel Kittel, der 2013 und 2014 ebenfalls in Paris gewann. Für Greipel war es bereits der insgesamt zehnte Tagessieg, womit er in der deutschen Bestenliste nur noch zwei Erfolge hinter Erik Zabel liegt. „Das war heute der Abschluss unserer eigenen WM. Wir haben alles noch mal in die Waagschale gelegt. Dieses Jahr haben wir alles richtig gemacht“, sagte Greipel, den nach den schweren Alpen-Etappen der vergangenen Tage Knieschmerzen plagten.

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