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23.07.2017

19:32 Uhr

Tour de France

„King“ Froome feiert vierten Triumph

Nach 3450 Kilometern von Düsseldorf nach Paris hat sich Chris Froome zum vierten Mal in seiner Karriere als Toursieger gekrönt. Nur noch ein Erfolg fehlt ihm, um in den elitären Kreis aufgenommen zu werden.

Zum vierten Mal hat er die Tour de France gewonnen. AP

Chris Froome

Zum vierten Mal hat er die Tour de France gewonnen.

ParisChris Froome gönnte sich auf seiner Tour d'Honneur ein Gläschen Champagner Rosé, von seinen Teamkollegen gab es eine Bierdusche - André Greipel stürmte dagegen auf den Champs Élysées haarscharf am Sieg-Hattrick vorbei. Beim Schlussakt der 104. Tour de France rollte Froome nach dem Sekunden-Krimi über 3450 Kilometer zum vierten Mal im Gelben Trikot erleichtert über den Pariser Prachtboulevard. Greipel war indes beim abschließenden Prestigesprint als Zweiter der dritte Erfolg nach seinen Siegen 2015 und 2016 nicht vergönnt. So blieb es aus deutscher Sicht bei den fünf Etappensiegen von „Le Kaiser“ Marcel Kittel und den Erinnerungen an einen stimmungsvollen Auftakt in Düsseldorf.

Greipel musste sich am Sonntag auf der 103 Kilometer langen Schlussetappe nur dem Niederländer Dylan Groenewegen geschlagen geben. „Nah dran ist nicht gewonnen. Ich hätte ein Stückchen früher losfahren müssen“, sagte Greipel der ARD. Damit endete für den deutschen Ex-Meister eine Serie, nachdem er seit 2011 immer mindestens einen Tagessieg geholt hatte. Drei Wochen stand er im Schatten von Supersprinter Kittel. Der Thüringer, der in den Massensprints die Konkurrenz düpiert hatte, war nach kurzem Heimaturlaub nach seinem Tour-Sturz zur Siegerfeier wieder geladen.

Das ABC zur Tour de France 2017 (1)

A - Auftakt

Zum vierten Mal beginnt die Tour in Deutschland. Vor Düsseldorf hatten Köln (1965), Frankfurt (1980) und Berlin (1987) den Start ausgetragen.

B - Bergetappen

5 der 21 Etappen finden im Hochgebirge statt. Dazu zählen die Bergankünfte in La Planche des Belles Filles, Peyragudes und am Col d'Izoard.

C - Combatif du Jour

Der kämpferischste Fahrer wird jeden Tag geehrt und darf am nächsten Tag eine rote Startnummer tragen.

D - Dauerbrenner

Der Australier Adam Hansen steht bereits vor seiner 25. großen Rundfahrt (Giro d'Italia, Tour und Vuelta).

E - Einzelzeitfahren

Ein 14 Kilometer langer Kampf gegen die Uhr bildet den Auftakt und bietet Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin die Chance auf das erste Gelbe Trikot. Ansonsten gibt es nur noch ein 22,5 Kilometer langes Zeitfahren am vorletzten Tag in Marseille.

F - Favoriten

Der dreimalige Champion Chris Froome ist der große Favorit. Zu den Herausforderern des Briten zählen der Giro-Zweite Nairo Quintana (Kolumbien), Ex-Sieger Alberto Contador (Spanien), der Vorjahreszweite Romain Bardet (Frankreich) und Richie Porte (Australien).

G - Gutschriften

10, 6 und 4 Sekunden werden den ersten drei Fahrern auf jeder Etappe gut geschrieben.

H - Hinault, Bernard

Der Mann aus der Bretagne gewann 1985 als letzter Franzose die Tour. Damit wartet Frankreich bereits seit 32 Jahren auf einen Nachfolger.

I - Indurain, Miguel

Der Spanier gewann als einziger Radprofi fünfmal die Tour in Serie. Neben Indurain werden noch Jacques Anquetil (Frankreich), Eddy Merckx (Belgien) und Hinault als Fünffach-Sieger geführt. Die sieben Erfolge von Lance Armstrong wurden wegen dessen Doping-Vergehen gestrichen.

J - Journalisten

Rund 2000 Medienvertreter begleiten die Tour. Das Rennen wird in 190 Ländern übertragen.

K - Karawane

Gut zwei Stunden vor dem Fahrerfeld sorgt traditionell die Werbekarawane mit 170 Fahrzeugen für ein wenig Karnevalsstimmung. Bereits seit 1930 gehört die Caravane publicitaire zum Tour-Programm.

L - Lüttich

Der Zielort der zweiten Etappe gehört zu den Hochburgen im Radsport. Bereits zum zehnten Mal gastiert die Tour in Lüttich, hier endet auch das älteste Eintagesrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich.

M - Mannschaften

Insgesamt 22 Teams, darunter die beiden deutschen Rennställe Sunweb und Bora-hansgrohe, gehen mit jeweils neun Fahrern an den Start. Damit nehmen 198 Radprofis die Rundfahrt in Angriff.

Ansonsten hieß es bei der Tour „Rule Britannia“ – mal wieder. Nach 2013, 2015 und 2016 stand der in Nairobi geborene Froome wieder ganz oben auf dem Siegerpodest. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wieder im Gelben Trikot nach Paris zu fahren“, sagte Froome, der trotz Nieselregen von einem Millionenpublikum am Straßenrand bejubelt wurde. Nur noch ein Erfolg fehlt ihm bis zu den Fünffach-Siegern Jacques Anquetil (Frankreich), Eddy Merckx (Belgien), Bernard Hinault (Frankreich) und Miguel Indurain (Spanien).

„Es ist eine große Ehre, im gleichen Atemzug mit den Größten der Tour-Geschichte genannt zu werden. Ich habe niemals zu träumen gewagt, Merckx, Anquetil oder Indurain so nah zu kommen“, sagte Froome, der für Triumph Nummer vier schwer schuften musste. Gerade einmal 54 Sekunden betrug sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Rigoberto Uran (Kolumbien). Auch der drittplatzierte Franzose Romain Bardet lag vor dem Zeitfahren in Marseille am vorletzten Tag nur 23 Sekunden hinter dem Briten. Doch auch ein Pfeifkonzert der französischen Fans im Stade Velodrome gegen Froome am Samstag konnte ihren Liebling Bardet nicht mehr zum ersten Toursieg der Gastgeber seit Bernard Hinault 1985 verhelfen.

Kommentar zur Tour de France: Das Vertrauen ist erschüttert

Kommentar zur Tour de France

Das Vertrauen ist erschüttert

Christopher Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France. Das Sky-Team hat wieder einmal die Tour dominiert. Doch der Sieg der Briten stimmt nachdenklich und strapaziert das Vertrauen in einen sauberen Radsport.

Eine Art Renaissance erlebte der deutsche Radsport. Düsseldorf bereitete der Tour beim ersten Grand Départ auf deutschem Boden seit 30 Jahren einen stimmungsvollen Empfang, dazu stiegen die TV-Einschaltquoten wieder deutlich an. „Das große Highlight mit dem Start in Düsseldorf bleibt stehen. Das war grandios, einmalig“, bilanzierte Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin. Auch Tour-Debütant Nikias Arndt, einer der Gewinner dieser Rundfahrt, pflichtete bei: „Der Start bleibt in Erinnerung. Ich habe es genossen. Ich hatte zwei Tage Gänsehaut.

Überstrahlt wurde aus deutscher Sicht alles vom umjubelten Seriensieger Kittel, ehe ein Sturz in den Alpen die wunderbare Reise abrupt stoppte. „Die Freude überwiegt. Es macht mich sehr stolz, was ich erlebt habe“, sagte Kittel. Durfte er auch sein, schließlich hatte er deutsche Rekorde wie die fünf Siege von Didi Thurau (1977) oder die Bestmarke von Erik Zabel (insgesamt zwölf Siege) eingestellt bzw. übertroffen.

Das ABC zur Tour de France 2017 (2)

N - neue Etappenorte

10 Städte sind in diesem Jahr erstmals Start- oder Zielort der Tour. Dazu zählt auch Düsseldorf.

O - Organisation

Die Amaury Sport Organisation veranstaltet die Frankreich-Rundfahrt und gilt als mächtigster Veranstalter im Radsport. Neben Klassikern wie Paris-Roubaix gehören auch das Frankfurter World-Tour-Rennen oder die im nächsten Jahr wieder stattfindende Deutschland-Tour zum ASO-Imperium.

P - Preisgelder

500 000 Euro erhält der Gesamtsieger. Die beste Mannschaft darf sich über 50 000 Euro freuen. Der beste Bergfahrer und der punktbeste Akteur erhalten jeweils 25 000 Euro, der beste Nachwuchsprofi streicht noch 20 000 Euro ein. 11 000 Euro gibt es für einen Etappensieg.

Q - Quintana, Nairo

Der Kolumbianer gilt als bester Kletterer im Tour-Feld. In diesem Jahr wollte der Movistar-Kapitän das Double aus Giro und Tour holen. In Italien blieb es aber bei Platz zwei.

R - Rekordteilnehmer

Jens Voigt, der 2014 seine Karriere beendete, gehört mit 17 Starts zu den drei Rekord-Teilnehmern neben Stuart O'Grady (Australien) und George Hincapie (USA).

S - Sprints

Auf insgesamt neun Flachetappen dürfen die deutschen Topsprinter André Greipel und Marcel Kittel auf Etappensiege hoffen.

T - Trikots

Das Gelbe Trikot ist für den Führenden in der Gesamtwertung bestimmt. Der beste Bergfahrer fährt im rot gepunkteten Dress. In Grün ist der punktbeste Fahrer unterwegs, der beste Nachwuchsfahrer trägt das Weiße Trikot.

U - Ullrich, Jan

Vor genau 20 Jahren löste der Rostocker mit seinem Tour-Sieg einen Radsport-Boom aus. Nach Düsseldorf ist der einzige deutsche Gesamtsieger wegen seiner Doping-Vergehen nicht eingeladen.

V - Voeckler, Thomas

Der 38-Jährige aus dem Elsass war über viele Jahre der Liebling der Franzosen. Der Bergkönig von 2012 und viermalige Etappengewinner geht in diesem Jahr zum 15. und letzten Mal an den Start, bevor er seine Karriere beendet.

W - Weltmeister

Das Regenbogentrikot wird von Bora-hansgrohe-Kapitän Peter Sagan getragen. Der slowakische Weltmeister bevorzugt aber diesmal Grün und will den Rekord von Erik Zabel mit sechs Erfolgen in der Punktewertung einstellen.

X - x-ter Anlauf

Seit seinen Klassiker-Siegen bei Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix gehört John Degenkolb zur Weltspitze. Nur bei der Tour fährt er einem Etappensieg noch hinterher.

Y - Youngster

Der Franzose Elie Gesbert feiert am Samstag an seinem 22. Geburtstag seine Premiere und ist damit jüngster Fahrer im Feld.

Z - Zabel, Rick

Vor gut zwei Jahrzehnten hatte er als kleiner Junge bei den Siegerehrungen auf den Schultern von Papa Erik gesessen, nun feiert der 23-Jährige sein Tour-Debüt als Radprofi.

Aber auch die deutschen Radrennställe trugen zur „Tour 'Allemagne“ bei. Das Team Sunweb gewann vier Etappen und hatte das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers mit dem Australier Michael Matthews sowie den Bergkönig Warren Barguil in seinen Reihen. Das Team Bora-hansgrohe erlebte ein Auf und Ab. Innerhalb von 24 Stunden bescherte Weltmeister Peter Sagan dem Team den ersten Tour-Etappensieg, ehe er wegen eines Ellbogenchecks disqualifiziert wurde. Der Zeitfahr-Erfolg von Maciej Bodnar in Marseille war schließlich ein versöhnlicher Abschluss für das Bora-Team, das in Emanuel Buchmann als 15. auch den besten deutschen Fahrer im Gesamtklassement stellte.

Es gab aber auch Enttäuschungen: So verpasste Martin den erhofften Auftaktsieg im Zeitfahren samt Gelbes Trikot, nach einem Sturz und einer Erkältung wollte es auch in Marseille nicht mit dem Etappensieg in seiner Spezialdisziplin klappen. Auch John Degenkolb jagte bei seiner fünften Tour-Teilnahme immer noch dem ersten Sieg hinterher.

Von

dpa

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