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28.06.2013

18:55 Uhr

Tour de France

Mit Transparenz gegen „Mutanten“

VonTom Mustroph

Wie kann man gedopte Fahrer trotz lascher Kontrollen entlarven? Der frühere Festina-Betreuer Antoine Vayer misst Leistungen in Watt und eröffnet eine auf Zahlen basierende Diskussion über das Ausmaß des Radsport-Dopings.

Er könnte der erste Mutant gewesen sein, wie Vayer sie charakterisiert: Der Spanier Miguel Indurain heizte 1994 die Berge der Tour-Etappen hinauf, wie zuvor noch niemand. ap

Er könnte der erste Mutant gewesen sein, wie Vayer sie charakterisiert: Der Spanier Miguel Indurain heizte 1994 die Berge der Tour-Etappen hinauf, wie zuvor noch niemand.

DüsseldorfMit Zweifeln muss der Profiradsportfan leben. Er hat lernen müssen, dass negative Dopingkontrollen nicht bedeuten, dass auch nicht gedopt wird. Letzte Bestätigung, dass kein sachlicher Zusammenhang zwischen Dopingtests und Dopingverbreitung besteht, lieferte der Bericht der Wahrheitskommission über den holländischen Radsport.

Er ging von einem Anteil von 80 bis 95 Prozent an Dopern im Radsport zumindest in der Hochdopingphase zwischen den späten 90er und den frühen Nullerjahren aus. Doper wurden in dieser Zeit allerdings nur im unteren einstelligen Prozentbereich überführt.

Die WADA-Statistik 2003 zählt im Radsport 12.352 Dopingproben, von denen – immerhin - 486 positiv waren. Erwischt wurden dennoch nur 3,93 %, wie die Untersuchung zeigt. Mindestens 80 % hätten es sein müssen, wenn die Dopingtests ein realistisches Abbild hätten liefern sollen.

Einen alternativen Ansatz, um das Ausmaß von Doping zu erkennen, bietet der französische Leistungsdiagnostiker Antoine Vayer an. Er hat durchaus Erfahrung. Drei Jahre arbeitete er als Trainer in dem zu Skandal-Ehren gekommenen Rennstall Festina.

„Das war mein Laboratorium. Ich habe dort mit 24 Fahrern zusammengearbeitet. Ich habe gesehen, zu welchen Leistungen die Gedopten fähig waren und wie gut sie ohne Doping waren. Und ich habe später mit Fahrern über ihre individuellen Erfahrungen der Leistungssteigerung durch Epo gesprochen“, sagt Vayer Handelsblatt-Online.

Tour de France Etappen

1. Etappe: 29.6.2013
  • von Porto-Vecchio nach Bastia
  • 213 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Côte de Sotta, 147 Meter über Null
2. Etappe: 30.6.2013
  • von Bastia nach Ajaccio
  • 156 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de Vizzavona, 1163 Meter über Null
3. Etappe: 1.7.2013
  • von Ajaccio nach Calvi
  • 145,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de Marsolino, 443 Meter über Null
4. Etappe: 2.7.2013
  • Mannschafts-Zeitfahren in Nizza
  • 25,0 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Nizza, 29 Meter
5. Etappe: 3.7.2013
  • Von Cagnes-sur-Mer bis Marseille
  • 228,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Côte de la Roquebrussanne, 418 Meter über Null
6. Etappe: 4.7.2013
  • Von Aix-en-Provence nach Montpellier
  • 176,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Lambesc, 222 Meter über Null
7. Etappe: 5.7.2013
  • Von Montpellier nach Albi
  • 205,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Lacaun-Les-Bains, 871 Meter über Null
8. Etappe: 6.7.2013
  • Von Castres nach Ax-3-Domaines
  • 195 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de Pailhéres, 2001 Meter über Null
9.Etappe: 7.7.2013
  • Von Saint-Girons nach Bagneres-de-Bigorre
  • 165 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de val Louron-Azet, 1580 Meter über Null
10. Etappe: 9.7.2013

Nach einem Ruhetag geht es entspannter los:

  • Von Saint-Gildas-des-Bois nach Saint-Malo
  • 193 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Paimpont, 161 Meter über Null
11. Etappe: 10.7.2013
  • Von Avranches nach Mont-Saint-Michel
  • 33 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Avranches, 88 Meter über Null
12. Etappe: 11.7.2013
  • Von Fougères nach Tours
  • 218 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Le Bourgneuf-La-Forêt, 161 Meter über Null
13. Etappe: 12.7.2013
  • Von Tours nach Saint-Amand-Montrond
  • 173 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Brion, 178 Meter über Null
14. Etappe: 13.7.2013
  • Von Saint-Pourcain-sur-Sioule nach Lyon
  • 191 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col du Pilon, 727 Meter über Null
15. Etappe: 14.7.2013
  • Von Givors nach Mont Ventoux
  • 242,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Mont Ventoux, 1912 Meter über Null
16. Etappe: 16.7.2013

Nach einem Ruhetag geht es weiter:

  • Von Vaison-la-Romaine nach Gap
  • 168 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de Manse, 1268 Meter über Null
17. Etappe: 17.7.2013
  • Von Embrun nach Chorges
  • 32 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Côte de Réallon, 1227 Meter über Null
18. Etappe: 18.7.2013
  • Von Gap nach Alpe-d'Huez
  • 172,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de Sarenne, 1999 Meter über Null
19. Etappe: 19.7.2013
  • Von Bourg-d'Oisans nach Le Grand-Bornand
  • 204,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Col de la Madeleine, 2000 Meter über Null
20. Etappe: 20.7.2013
  • Von Annecy nach Annecy-Semnoz
  • 125 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Annecy-Semnoz, 1655 Meter über Null
21. Etappe: 21.7.2013
  • Von Versailles nach Paris Champs-Élysées
  • 133,5 Kilometer
  • Höchste Erhebung: Versailles, 165 Meter über Null

Mit diesen Erfahrungen legte er drei Schwellen fest und sortiert Fahrer mit entsprechenden Leistungen ein. Bei 410 Watt beginnt die „Zone des Verdachts“, ab 430 Watt der „Bereich des Wundersamen“, ab 450 Watt spricht Vayer von „Mutanten“.

Vayer rechnete die Zeiten, in denen Spitzenfahrer die wichtigsten Berge der Tour de France seit 1982 erklommen haben, in Wattleistungen um. „Wir haben nur solche Leistungen betrachtet, die am Berg über eine Dauer von mindestens 20 Minuten erbracht wurden und nachdem die Fahrer bereits mindestens fünf Stunden im Sattel gesessen haben.

Hinzu kommen Leistungen bei Bergzeitfahren“, erklärt der Franzose. Unter Einbeziehung von Faktoren wie dem Grad des Anstiegs, Reibungswiderständen zwischen Rad und Straße, Kette und Kettenblatt sowie des Gewichts von Rennfahrer und Rad macht Vayer diese Leistung vergleichbar.

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