Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.07.2015

18:24 Uhr

Tour de France

Tony Martin und das „Unternehmen Gelb“

Tony Martin blickt in den Himmel. Bleibt es am Samstag trocken, oder gewittert es? Das ist die große Frage für den Topfavoriten beim Zeitfahren zum Tour-Auftakt in Utrecht. Er will das erste Gelbe Trikot seiner Karriere.

Der dreifache Zeitfahrt-Weltmeister Tony Martin träumt zum Tour de France-Auftakt vom gelben Trikot. dpa

Start in Utrecht

Der dreifache Zeitfahrt-Weltmeister Tony Martin träumt zum Tour de France-Auftakt vom gelben Trikot.

UtrechtAuf dem Papier trennen Tony Martin nur 13,8 Kilometer von seinem derzeit größten sportlichen Ziel. Aber die Fahrt durch Utrecht, an deren Ende das erste Gelbe Trikot der 102. Tour de France auf seinen Besitzer wartet, führt ins Ungewisse. Wie wird das Wetter, wie sind die Konkurrenten drauf, wann soll oder muss der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister in seiner Paradedisziplin starten? Das sind die größten Unwägbarkeiten vor Martins „Unternehmen Gelb“.

Nach der ersten Besichtigung des Stadtkurses von Utrecht war Martin „positiv überrascht“: Weniger Kurven als gedacht, alles in allem ein „runder Kurs“, wie sein Betreuer Rolf Aldag befand. „Das Wetter ist der größte Unsicherheitsfaktor. Tony ist unser vorletzter, gemeldeter Fahrer vor Weltmeister Kwiatkowski. Aber wir wissen nicht, wie die Organisatoren ihn im Starterfeld setzen werden. Nach 14.00 Uhr soll es am Samstag nach anfänglichen Schauern wieder trocken sein“, sagte Aldag am Freitag der Deutschen Presse Agentur. Er informiert sich auf etwa zehn verschiedenen Wetter-Apps.

Regennasser Asphalt hatte in den Niederlanden schon einmal Martins Traum von Gelb zerstört. 2010 in Rotterdam verhinderte womöglich ein leichter Nieselregen den Coup – Fabian Cancellara aus der Schweiz war zehn Sekunden schneller. 2012 in Lüttich zerschnitt ihm im Prolog eine Glasscherbe den Hinterreifen. Diesmal soll alles besser laufen. „Tony ist in Topform“, erklärte Ex-Profi Aldag.

Die Etappen der Tour de France 2015 (Teil 1)

1. Etappe

Von Utrecht (Niederlande) nach Utrecht

Datum: 4. Juli

Distanz: 14 Kilometer
Profil: flach (Einzelzeitfahren)

2. Etappe

Von Utrecht nach Zeeland (Niederlande)
Datum: 5. Juli
Distanz: 166 Kilometer
Profil: flach (voraussichtlich Sprintankunft)

3. Etappe

Von Antwerpen (Belgien) nach Huy (Belgien)
Datum: 6. Juli
Distanz: 154 Kilometer
Profil: bis Kilometer 105 flach, danach kurze aber steile Anstiege der Kategorie 4 und 3 mit Bergankunft bei der bekannten Mauer von Huy der Kategorie 3, die an einigen Passagen bis zu 19 Prozent steil ist (erstes Kräftemessen der Favoriten, Chance für Ausreißer)

4. Etappe

Von Seraing (Belgien) nach Cambrai
Datum: 7. Juli
Distanz: 221 Kilometer
Profil: flach (Sprintankunft)

5. Etappe

Von Arras nach Amiens Métropole
Datum: 8. Juli
Distanz: 189 Kilometer
Profil: flach (Sprintankunft)

6. Etappe

Von Abbeville nach Le Havre
Datum: 9. Juli
Distanz: 191 Kilometer
Profil: flach mit drei kurzen Anstiegen der Kategorie 4 (Sprintankunft)

7. Etappe

Von Livarot nach Fougères
Datum: 10. Juli
Distanz: 190 Kilometer
Profil: flach, mit einem Anstieg der Kategorie vier (Sprintankunft)

8. Etappe

Von Rennes nach Mûr de Bretagne
Datum: 11. Juli
Distanz: 179 Kilometer
Profil: leicht bergig, ein Anstieg der Kategorie 4, Zielankunft mit Anstieg der Kategorie 3

9. Etappe

Von Vannes nach Plumelec
Datum: 12. Juli
Distanz: 28 Kilometer
Profil: wellig (Einzelzeitfahren)

10. Etappe

Von Trabes nach La Pierre-Saint-Martin
Datum: 14. Juli
Distanz: 167 Kilometer
Profil: bergig mit Bergankunft der höchsten Kategorie

Der nach seiner Sturzverletzung im Frühjahr zurückgekehrte Cancellara dürfte neben dem Lokalmatador Tom Dumoulin wieder der härteste Martin-Herausforderer sein. Der Berner, der vielleicht seine letzte Tour fährt, verlor zuletzt ein Zeitfahren zu Beginn der Tour vor zehn Jahren in Noirmoutier am Atlantik. Am Samstag peilt Cancellara seinen sechsten Auftaktsieg an. „Ich war schon 28 Tage in Gelb - da können gern noch ein paar dazukommen“, sagte der 34-Jährige am Freitag.

Bei Regen wird Martin nicht nach Zockermanier „Alles oder nichts“ spielen. „Er wird auf jeden Fall so schnell fahren, wie es geht“, meinte Aldag, der sich im Hinblick auf die Qualität der verwendeten Reifen „vielleicht sogar Regen“ wünschen würde, „wenn das alle Fahrer betrifft“. Der als große Innovation beschriebene Sattel mit einer rutschfesten Oberfläche ist laut Aldag ein alter Hut: „Den benutzen wir schon ein paar Jahre.“

Der frühere Telekom-Fahrer erinnert sich noch an seinen völlig überraschenden vierten Platz im Tour-Prolog von 1995 bei strömendem Regen in St. Brieuc in der Bretagne: „Damals stürzte Topfavorit Boardman und musste mit einem gebrochenen Fuß abreisen.“

Die Etappen der Tour de France 2015 (Teil 2)

11. Etappe

Von Pau nach Cauterets - Vallee de Saint-Savin
Datum: 15. Juli
Distanz: 188 Kilometer
Profil: bergig, ein Berg der höchsten Kategorie, Zielankunft mit Anstieg der Kategorie 3

12. Etappe

Von Lannemezan nach Plateau de Beile
Datum: 16. Juli
Distanz: 195 Kilometer
Profil: bergig, mit zwei Anstiegen der ersten Kategorie und Bergankunft der höchsten Kategorie

13. Etappe

Von Muret nach Rodez
Datum: 17. Juli
Distanz: 200 Kilometer
Profil: leicht bergig mit einem Anstieg der dritten und zwei Anstiegen der vierten Kategorie

14. Etappe

Von Rodez nach Mende
Datum: 18. Juli
Distanz: 178 Kilometer
Profil: bergig, mit Bergankunft der Kategorie 2

15. Etappe

Von Mende nach Valence
Datum: 19 Juli
Distanz: 182 Kilometer
Profil: bergig mit einem Anstieg der Kategorie 3, zwei der Kategorie 4 und ein Anstieg der Kategorie 2. Ankunft flach

16. Etappe

Von Bourg-de-Péage nach Gap
Datum: 20. Juli
Distanz: 201 Kilometer
Profil: bergig mit zwei Anstiegen der Kategorie 2

17. Etappe

Von Digne-les-Bains nach Pra Loup
Datum: 22. Juli
Distanz: 161 Kilometer
Profil: bergig, unter anderem mit einem Anstieg der Kategorie 1 auf 2250 Meter und einer Bergankunft der Kategorie 2

18. Etappe

Von Gap nach Saint-Jean-de-Maurienne
Datum: 23. Juli
Distanz: 185 Kilometer
Profil: bergig mit drei Anstiegen der Kategorie 3 und 2 und einem Anstieg der höchsten Kategorie

19. Etappen

Von Saint-Jean-de-Maurienne nach La Toussuire
Datum: 24. Juli
Distanz: 138 Kilometer
Profil: Bergankunft der Kategorie 1, davor jeweils ein Anstieg der Kategorie 2, 1 und der höchsten Kategorie auf 2067 Meter

20. Etappe

Von Modane Valfréjus nach Alpe-d'Huez
Datum: 25. Juli
Distanz: 110 Kilometer
Profil: bergig mit einem Anstieg der höchsten Kategorie und einer Bergankunft der höchsten Kategorie

21. Etappe

Von Sèvres  nach Paris / Champs-Élysées
Datum: 26. Juli
Distanz: 107 Kilometer
Profil: flach, Sprintankunft

Sollte Martin zum Auftakt an die Spitze des 198 Fahrer umfassenden Gesamtklassements rasen, könnten die Chancen nicht schlecht stehen, dass er länger auf dem Tour-Olymp verweilen kann. „Das Trikot bis zum Teamzeitfahren der neunten Etappe zu verteidigen, wäre mein Wunschtraum“, erklärte der Profi aus dem Etixx-Quick-Step-Team. Dazu müsste er allerdings vor der schweren dritten Etappe, die wie der belgische Klassiker Flèche Wallone am Montag an der Mauer von Huy endet, ein stattliches Sekundenpolster aufweisen.

Danach folgt der gefürchtete Ritt über das nordfranzösische Kopfsteinpflaster nach Cambrai. Dort endete im Vorjahr nach zwei Stürzen die Tour für den damaligen Titelverteidiger Chris Froome.

Martin ist im gewitterig-schwülen Utrecht ungeduldig. „Wir haben jetzt lange genug theoretisiert. Jetzt will ich auf die Rampe“, schrieb er auf seiner Homepage.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×