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23.12.2011

09:22 Uhr

Transfergeschäfte

Spielervermittler machen gegen neue Fifa-Regeln Front

VonThomas Mersch

Die Lizenz für Spielervermittler gerät in die Kritik. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs bei der Prüfung – auch beim DFB. Die Fifa will die Lizenz bald abschaffen. Die Berater selbst warnen vor einem Sittenverfall.

Bei Transfergeschäften im Profi-Fußball geht es um viel Geld. dpa

Bei Transfergeschäften im Profi-Fußball geht es um viel Geld.

KölnSeine Meinung über Spielerberater hat Michael Meier im Verlauf der Jahre gründlich geändert. „Ich hatte früher das Gefühl, die brauchst du nicht, die stören“, erinnert sich der ehemalige Fußball-Manager. Doch über die Jahre reifte die Erkenntnis: „Spielerberater erleichtern unser Geschäft, auch wenn es teurer geworden ist.“ Anerkennende Worte, die beim Publikum auf der Jahrestagung der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV) im November gut ankommen. Wie etabliert die Berater heute sind, zeigt der Tagungsort: Bayer Leverkusen hat einen Konferenzraum bereitgestellt, Klubchef Wolfgang Holzhäuser begrüßt persönlich.Die Abkehr vom einstigen Schmuddelimage scheint geglückt. „Ominöse Hinterzimmerberater sind Schnee von gestern“, sagt der Kölner Arbeitsrechtler Stefan Seitz, Partner der Kanzlei Schlütter Bornheim Seitz. „Und die Zahl der Berater, die über eine objektiv anerkennenswerte Kompetenz verfügen, nimmt weiter zu.“

Doch nun schlagen die Vermittler selbst Alarm. Weil der Weltverband Fifa die bisher gültige Lizenzpflicht abschaffen und stattdessen eine Obergrenze für Provisionen einführen will, fürchten sie den Sittenverfall. „Die Fifa kapituliert vor den kriminellen Machenschaften im Transfergewerbe“, sagt DFVV-Geschäftsführer Gregor Reiter. Sollte das Fifa-Exekutivkomitee im Frühjahr zustimmen, könnten die neuen Regeln ab Ende 2012 greifen.

Seit 1996 müssen Spielerberater eine Fifa-Lizenz beantragen und dazu auch einen Multiple-Choice-Test bestehen. Dieser ist nicht nur inhaltlich umstritten. Derzeit ermittelt die Staatsantwaltschaft Frankfurt wegen Unregelmäßigkeiten beim Lizenzerwerb. Im Herbst 2010 hatte der „Kicker“ berichtet, dass die Antworten im Vorfeld des Tests für 2000 Euro verkauft wurden. Von wem das Angebot stammte, konnte bislang nicht festgestellt werden. Gestern besuchten die Ermittler den Deutschen Fußball-Bund mit einem Durchsuchungsbeschluss. Dieser habe nicht vollstreckt werden müssen, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu dem Handelsblatt. „Der Verband hat uns die nötigen Informationen freiwillig bereitgestellt.“

Die Ermittlungen dürften die Kritik an dem Lizenzierungsverfahren, das ohnehin als leicht umgehbar gilt, weiter verstärken: Die Fifa schätzt, dass nicht einmal ein Drittel der Transfers von lizenzierten Vermittlern abgewickelt werden. Mit der Reform reagiert der Verband auf die Forderung der EU-Kommission nach mehr Transparenz. Doch der komplette Wegfall von Zugangskontrollen werde das Problem mit dubiosen Geschäftemachern verstärken, fürchtet Reiter – denn der Markt sei hochlukrativ. Auch den erhofften Schutz junger Spieler verfehle die Reform. „Der Wettbewerb um Minderjährige wird noch härter.“

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