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12.06.2017

07:05 Uhr

Treppenlauf in Frankfurt

Wie schnell ein Banker den Messeturm hochrast

VonThomas Schmitt

Der Skyrun im Frankfurter Messeturm ist Europas höchster Treppenhaus-Lauf. 222 Meter ging es am Sonntag für die rund 1100 Läufer in die Höhe, Profis wie Amateure. Ein Banker, der auch Marathon läuft, berichtet.

Der Banker der Deka trainiert für den Frankfurter Messeturmlauf.

Jens Schlicht

Der Banker der Deka trainiert für den Frankfurter Messeturmlauf.

Düsseldorf1.202 Stufen und 61 Stockwerke sind es bis zur Spitze des Frankfurter Messeturms: Deka-Banker Jens Schlicht läuft diese Strecke in knapp zehn Minuten. Die Besten schaffen es sogar in sechs bis sieben Minuten. „Das ist nicht anstrengend“, sagt der durchtrainierte Marathonläufer, „es ist sogar schonend für die Knochen.“

Über 1.100 Läufer machten am Sonntag mit, 450 davon Einzelläufer. 22 Teams stellten Unternehmen, darunter zahlreiche Finanzinstitute. Außerdem starteten 162 Feuerwehrmannschaften, teilweise mit und teilweise ohne Atemschutzmaske. Beim KIDS CUP haben überdies 21 Teams gemeldet. Die Jüngeren liefen 31 Stockwerke und 620 Stufen.

Gezieltes Training und eine spezielle Technik braucht man für diese zehn Minuten aber schon, weiß Banker Jens Schlicht. Das erste Mal habe er bereits nach zehn Stockwerken schlapp gemacht. Wichtig ist auch, zwei Stufen auf einmal zu nehmen und das Hochhaus ein wenig zu kennen. Wo sind flache Passagen, wo enge? Wo kann man überholen?

Marathon: Was auf 42,195 Kilometern im Körper passiert

Puls

Ein Marathon ist eine Extrem-Belastung für den Körper. Sportmediziner Dr. med. Albert Fromme erklärt, was auf den 42,195 Kilometern im Körper des Läufers passiert.

Puls

Auf den ersten fünf Kilometern schießt der Puls in die Höhe – wenn der Läufer die Strecke im Übereifer zu schnell angeht, auf bis zu 180 Schläge pro Minute.

Herz

Die Herzfrequenz pendelt sich dann konstant bei etwa 140 Schlägen pro Minute ein. Das ist auf der langen Strecke eine Belastungsprobe für das Herz.

Körpertemperatur

Etwa bei der Hälfte der Strecke hat sich die Körpertemperatur auf 38 Grad erhöht. Je nach dem wie verbissen sich der Läufer voran treibt, kann seine Körpertemperatur nach der kompletten Distanz auf bis zu 40 Grad steigen.

Krämpfe

Bei der Anstrengung und beim Schwitzen verliert der Körper Elektrolyte und Salze. Viele Läufer plagen daher Krämpfe in den Beinen. Beim Berlin-Marathon sind an den Versorgungspunkten Erst-Hilfe-Stationen eingerichtet, wo Physiotherapeuten betroffenen Läufern helfen.

Immunsystem

Während des Marathons steigt der Cortisol-Wert, ein Hormon, das die Produktion von Immunzellen hemmt. Gut drei Tage braucht das geschwächte Immunsystem, um sich von dem Marathon zu erholen.

Fettverbrennung

Die Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten beginnt mit dem Start, da die Beinmuskulatur viel Energie verbraucht. „Das Fett verbrennt im Feuer der Kohlenhydrate“, sagt der Volksmund.

Kritische Phase

Hobby-Läufer laufen im Training in der Regel keinen kompletten Marathon, die Anstrengung auf den letzten Kilometer trifft sie hart. Kritisch ist es für viele bei Kilometer 30 bis 32.

Der Mann mit dem Hammer

Etwa 30 Kilometern sind die Kohlenhydrate-Vorräte verbraucht, der Körper zieht die Energie allein aus den Fettvorräten. Diese Umstellung beschreiben Läufer als die Begegnung mit dem Mann mit dem Hammer.

Vorbeugung

Um dem Kollaps vorzubeugen, nehmen Läufer vor dem Wettkampf und während des Laufs besonders viele Kohlenhydrate zu sich.

Schwitzen

Im Ziel hat der Läufer rund vier Liter Flüssigkeit verloren und etwa drei Kilo abgenommen.

Muskelkater

Während des Laufs kommt es zu Umbauvorgängen in der Muskulatur und leichten Zerstörungen innerhalb der Muskelzellen, die folgenlos wieder ausheilen. Wenn Dr. Fromme von diesen Mikrotraumen spricht, beklagt sich der Läufer einfach über Muskelkater.

Europas höchster Treppenhauslauf fand bereits zum elften Mal in der Main-Metropole statt. Das Spektakel dient einem guten Zweck. Die Erlöse aus den Startgebühren der Teams und weitere Spenden gehen an die Arbeitsgemeinschaft für Querschnittgelähmte mit Spina bifida / Rhein-Main-Nahe e.V. (ARQUE).

Im Training läuft Schlicht sogar fünf bis sechs Mal das Treppenhaus rauf, vor der Arbeit. Nach dem 5000-Stufen-Workout geht es dann unter die Dusche und anschließend an den Schreibtisch. Ein gutes Ergänzungstraining für den Marathon sei so ein Treppenlauf, findet Schlicht, der im Netz nicht nur regelmäßig übers Laufen schreibt, sondern auch beinahe jeden Tag Bilder auf Instagram postet.

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Letztes Jahr schaffte er unter den mehr als 1.100 Teilnehmern einen Platz unter den ersten 60. In diesem Jahr lief er die 61 Stockwerke in 9,18 Minuten hoch. Das war zwölf Sekunden schneller als im Vorjahr. Mit einem Profi wie Christian Riedl konnte er dennoch auch 2017 nicht mithalten.

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