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17.02.2006

13:45 Uhr

Trockentraining.

Urbane Kletterer

VonUli Schulte Döinghaus

Der Berg ruft und die Halle lockt. Bevor es demnächst wieder in die Berge geht – wie wär’s mit einem Trockentraining im Warmen?

Klettern kann man nicht nur an der frischen Luft. Auch Hallen locken mit Trockenübungen.

Klettern kann man nicht nur an der frischen Luft. Auch Hallen locken mit Trockenübungen.

HB BERLIN. Max, immerhin 56, ist behände auf der hellbraunen Trittkombination unterwegs. Durch die hohen Fenster der Kletterhalle, ehemals die Kantine einer großen Fabrik, fällt Licht exakt auf die Partien an der Wand, durch die Max gerade klettert. Er scheint sich gegen seinen eigenen Schatten in die Höhe zu bemühen. Das gibt der Szenerie etwas ungewollt Mystisches.

Seine rechte Schuhspitze tritt in eine der Mulden, das linke Knie ist angewinkelt, und er versucht gewandt, mit dem Fuß irgendwo in der Felswand einen Halt zu finden, um sich mit kraftvoller Hebelbewegung ein weiteres Stück höher drücken zu können. Das ist nicht einfach, denn an dieser Stelle ist ein leichtes Hindernis eingebaut, die Andeutung eines Überhangs. Max’ linke Hand findet Halt, rechts versorgt er sich mit schweiß- und rutschabweisendem Magnesium aus einem Beutel, der ihm vom Hüftgurt hängt. Immer mal wieder schüttelt er die Hand aus, um Muskelanspannungen zu lösen, Schmerz zu lindern. Dann findet und umgreift auch die rechte Hand einen dieser farbigen Haltepunkte, die zu Dutzenden in das Felsimitat genagelt sind. Max überlegt kurz.

Er klettert nun in elf, zwölf Metern Höhe, und für jeden, der ihm unten zuschaut, ist klar: Der drahtig wirkende Mann da oben in Rot ist hochkonzentriert, seine Beinmuskeln sind sichtbar angespannt. Mit der Kraft des linken „Tretbeins“ versucht er nun, mit seinem Standbein Halt zu finden.

Verfehlt. Rutscht ab, und fällt – in die Sicherheit der Tiefe. Nach einem halben Meter hat ihn über Karabinerhaken im Hüftgurt das Sicherungsseil aufgefangen, das unten von Walter gehalten und geführt wird.

Leise Flüche. „Im Kopf“, ruft Max ihm zu, „im Kopf hat’s nicht funktioniert!“ Walter nickt ergeben. Später wird Max davon berichten, dass er da oben einen Tick zu lange überlegt habe, einen Moment lang vor lauter Konzentration zu konzentriert gewesen sei, statt einfach zu klettern und seinen Instinkten zu vertrauen.

Also noch einmal. Walter sichert. Kurze Orientierung, Halt suchen. Hände und Füße koordinieren, mit den Beinkräften den Körper hoch hebeln. Es klappt. Noch einmal. Und noch einmal – Ankunft am Dach der Kletterhalle.

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