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31.01.2017

09:54 Uhr

US-Einreiseverbot

Die Sportwelt fürchtet Trumps Erlass

Mal mehr, mal weniger unverhohlen äußern Sportler und Funktionäre Kritik an Trumps Einreiseverbot. Die NBA fordert Aufklärung von der Regierung, auch Bremens Trainer Nouri ist betroffen.

Bremens Trainer kritisiert Trump. dpa

Alexander Nouri

Bremens Trainer kritisiert Trump.

New York/Leverkusen/OaklandWerder Bremens deutsch-iranischer Trainer Alexander Nouri hat die US-Einreiseverbote, von denen er selbst betroffen sei, kritisiert. „Im Sport würde der US-Präsident für sein Verhalten wohl eine rote Karte für unsportliches Verhalten kassieren“, schrieb Nouri am Montag auf Facebook. „Die jüngsten Entscheidungen bedeuten nicht weniger, als dass ich aufgrund meiner doppelten Staatsbürgerschaft derzeit nicht in die USA fliegen darf.“ Der 37-Jährige, der den Fußball-Bundesligisten seit vergangenem Herbst trainiert, ist der Sohn einer Deutschen und eines Iraners.

Er sei besorgt, „wie unsere demokratischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte gerade mit Füßen getreten werden“, schrieb der Coach weiter. Die Situation von Freunden und Familienmitgliedern in den Vereinigten Staaten machten ihm Sorgen. „Kein demokratisch denkender Mensch darf es hinnehmen, dass andere Menschen pauschal verurteilt und abgestraft werden“, forderte Nouri.

Der Leichtathletik-Superstar befürchtet, dass er aufgrund Trumps Einreiseverbot nicht mehr in seine Wahlheimat zurückkehren kann. AP

Mo Farah

Der Leichtathletik-Superstar befürchtet, dass er aufgrund Trumps Einreiseverbot nicht mehr in seine Wahlheimat zurückkehren kann.

Die genauen Auswirkungen auf den Sport sind derzeit noch unklar. Doch der Bremer Trainer ist längst nicht der Einzige, der Trumps Vorgehen kritisiert. Der US-Präsident hatte als Kern seines Anti-Terror-Kampfes einen 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, darunter Somalia, verfügt. Ein Gericht in New York entschied jedoch, dass der Erlass gegen die US-Verfassung verstößt. Die Klärung soll vermutlich in einigen Wochen erfolgen.

Der Präsident des amerikanischen Fußball-Verbandes, Sunil Gulati, ließ eine mögliche Bewerbung der USA für die WM 2026 angesichts des Erlasses offen. „Der Sport beinhaltet auch die Bewegungsfreiheit von Spielern und Ideen“, sagte er Medienberichten zufolge. „Wie sich das auf Sportereignisse auswirkt, ist offen gesagt im Moment zweitrangig. Die Auswirkungen des Erlasses gehen weit darüber hinaus.“

Mal mehr, mal weniger unverhohlen äußerten andere Funktionäre und Athleten Kritik am Trump-Erlass. „Die NBA ist eine globale Liga und wir sind stolz darauf, die besten Spieler aus der ganzen Welt anzuziehen“, sagte Mike Bass, Sprecher der nordamerikanischen Profiliga. „Wir haben beim Außenministerium angefragt und sammeln Informationen, wie dieses Dekret auf unsere Spieler aus den betroffenen Ländern angewendet wird.“

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Er hat bei Google im Silicon Valley gearbeitet und absolviert ein Studium in Stanford: Der Deutsch-Iraner Omid Scheybani schildert, wie ihn das von US-Präsident Donald Trump verhängte radikale Einreiseverbot trifft.

Die US-amerikanischen Basketball-Trainer Steve Kerr und Gregg Popovich reagierten entsetzt auf die Einreiseverbote. „Das ist schockierend. Ich denke, es ist eine entsetzliche Idee. Ich fühle mit allen Menschen, die davon betroffen sind“, sagte Kerr, der die Golden State Warriors 2015 zum NBA-Titel führte. Popovich von den San Antonio Spurs nannte den Erlass „erschreckend“: „Wir werden sehen, wohin das führt.“

Kerrs Vater Malcolm wurde als Präsident der American University in Beirut ermordet, als Steve Kerr 18 Jahre alt war. Er spreche daher selbst als Terror-Opfer, erklärte der Basketball-Trainer. „Wenn wir versuchen, Terrorismus zu bekämpfen, indem wir Menschen daran hindern, in dieses Land zu reisen, indem wir gegen die Prinzipien dessen verstoßen, wofür dieses Land steht, und Angst erzeugen, ist das der falsche Weg“, warnte er. „Das schürt Angst und Entsetzen.“

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