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23.02.2006

13:49 Uhr

Viele Souveniers ausverkauft

Nur noch Ramsch und Kitsch

Die Olympia- Maskottchen begleiten die Winterspiele optisch zwar überall, doch selbst im Superstore von Turin ist das ulkige Plüschpuppen-Paar seit Tagen ausverkauft.

Spurlos verschwunden: Die Olympia-Maskottchen Neve und Gliz. Foto: dpa

Spurlos verschwunden: Die Olympia-Maskottchen Neve und Gliz. Foto: dpa

HB TURIN. Wo stecken Neve und Gliz bloß? Die Souvenirjäger sind enttäuscht, so mancher Fan reagiert entrüstet. "Das gibt's doch nicht! Die Spiele gehen noch vier Tage. Das ist, als ob die Olympische Flamme vorzeitig erlischt", meinte eine forsche kleine Amerikanerin, die ohne die knallrote Neve und ihr hellblaues männliches Pendant Gliz wieder abziehen musste. "Hier ist der Teufel los - aber es gibt nichts Vernünftiges mehr", schimpfte eine deutsche Olympia-Touristin am Donnerstag angesichts der vielen Ladenhüter im Superstore.

"Die Leute sind ganz verrückt nach Souvenirs", hatte Toroc- Sprecher Giuseppe Gattino kürzlich noch ganz stolz verkündet. Mag sein, aber die Renner sind längst ausverkauft, Ramsch und Kitsch kleben in den Regalen. Von den überteuerten T-Shirts (23 Euro), Polos (29 Euro) und Fleece-Jacken (82 Euro) sind bestimmte Größen gar nicht mehr zu haben. So bekommen viele Olympia-Touristen zwar kein Souvenir mit auf den Weg, aber einen Hinweis gratis: Bis zum Ende der Spiele kein Nachschub mehr! Finito. Darf's dann vielleicht ein Pin für sieben Euro sein? Na gut - irgendwie will man Oma ja beeindrucken.

Rund 7,5 Millionen Euro hatte der Verkauf von Lizenzprodukten bis zur Olympia-Halbzeit eingebracht, im Toroc-Etat sind 16 Millionen eingeplant. Selbst wenn das Ziel noch erreicht wird, dürften nur die Merchandising-Manager zufrieden sein. Viele Touristen, Fans und Sportler maulen. "Das Angebot ist schlecht. Nicht mal Postkarten mit olympischen Motiven gibt's, dafür Schraubenzieher und schlechte T- Shirts", meckerte Biathletin Martina Glagow.

In Turin herrscht zudem akuter Ansichtskarten-Notstand. In vielen Geschäften sind die bunten Motive aus der Hauptstadt des Piemont und der Olympia-Region ausverkauft. "Das werden die ersten Olympischen Spiele, von denen ich keine Postkarten mit olympischen Motiven nach Hause schicken kann", sagte Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm. Da waren andere aber schneller. "Unser Trainer Norbert Hahn hat gleich zu Beginn der Spiele in Cesana 50 Postkarten mit olympischen Motiven gekauft", berichtete Rodlerin Silke Kraushaar. "Die waren dann vergriffen, und es sollen auch keine nachgeliefert werden."

Stocksauer ist Rodel-Trainer Bernhard Glass, der seit "ewigen Zeiten" Olympia-Plakate sammelt. Aus Turin wird er kein Poster mitbringen, schon nach der ersten Woche waren alle weg. Nicht mit Gold aufzuwiegen sind Spezial-Souvenirs: Russische Team-Jacken, aber besonders die weißen Kanada-Mützen mit den roten Bommeln und Ahornblättern. Wunschlos und deshalb glücklich war wohl nur Wolfgang Maier. Der Mann ist Alpin-Cheftrainer der deutschen Damen, und er konzentriert sich auf das Wesentliche: "Ich kaufe keine Souvenirs bei Olympia. Das hat mich noch nie interessiert."

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