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25.01.2005

15:41 Uhr

Vier Schiedsrichter-Kollegen zeigten Hoyzer beim DFB an

Vier Schiedsrichter zeigten Hoyzer an

Vier Berliner Schiedsrichter-Kollegen haben sich in der Manipulations-Affäre als Zeugen geoutet und den Verdacht gegen den 25-Jährigen Robert Hoyzer erhärtet. Der bestreitet weiterhin vehement den Vorwurf des Betrugs und hält auch eine Rückkehr in die Schiedsrichtergilde für denkbar.

Robert Hoyzer. Foto: dpa

Robert Hoyzer. Foto: dpa

HB FRANKFURT/MAIN. Die Bundesliga-Referees Lutz Michael Fröhlich und Manuel Gräfe sowie die als Assistenten eingesetzten Olaf Blumenstein und Felix Zwayer erklärten am Dienstag, dass sie Hoyzer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) angezeigt hätten. Gegenüber dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, hätten sie am vergangenen Mittwoch mit ihrem Schritt auf "Hinweise, Informationen und Zeugenaussagen rund um die Spiele und Spielleitungen von Robert Hoyzer" reagiert, schilderte das Quartett in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Hoyzer, der eine Essener Rechtsanwaltskanzlei mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hat, bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. "Mir geht es sehr schlecht, und ich beschäftige mich Tag und Nacht mit dieser Situation. Ich habe nicht betrogen", sagte er in einem Interview mit dem Sender "TV.Berlin". Zugleich forderte er vom DFB: "Ich hätte gerne die konkreten Vorwürfe und Beweise auf dem Tisch und wüsste gerne, wer diese erhebt. Dann kann ich mich den Beschuldigungen stellen."

Die vier Zeugen unterstrichen, dass sie keinen direkten Zusammenhang zwischen Hoyzers Entscheidungen und möglichen Wett- Betrügereien hergestellt hätten. "Wir betonen, dass wir Robert Hoyzer weder des Wettens auf eigene Spielleitungen und des Betrugs bezichtigt noch irgendwelche Hintergründe oder weitere Personen damit in Zusammenhang gebracht haben", heißt es in der Erklärung. Man sehe aber "eine dringende Aufklärungsnotwendigkeit, um einen eventuellen Schaden am deutschen Fußball und am deutschen Schiedsrichterwesen zu verhindern".

DFB befürchtet kriminelle Energie im Umfeld von Hoyzer

Hoyzer steht in dringendem Verdacht, als Schiedsrichter mindestens fünf Spiele im DFB-Pokal, in 2. Bundesliga und Regionalliga manipuliert zu haben, um Spielausgänge zu erreichen, auf die zuvor hohe Wetteinsätze getätigt worden waren. Zudem soll er versucht haben, auf die nicht von ihm geleitete Zweitliga-Partie Rot-Weiß Essen gegen den 1. FC Köln (2:2) am 22. Oktober 2004 Einfluss zu nehmen. Der damalige Schiedsrichter-Assistent Zwayer bestätigte im Kölner "Express", dass er vor der Partie per Telefonanruf zur Manipulation aufgefordert wurde.

"Es gab den Versuch, mich zu beeinflussen. Ich sollte durch meine Entscheidungen Einfluss auf das Spiel nehmen", sagte der 23-Jährige, der in diesem Zusammenhang aber nicht den Namen Hoyzer nannte. "Die drei, die dieses Spiel geleitet haben, sind völlig außer Verdacht", betonte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger, dass man beim DFB nach wie vor die "Einzelfall-Theorie" verfolgt. Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder (60) glaubt dies nicht. "Ich fürchte, das, was wir bisher wissen, ist nur die Spitze des Eisbergs", sagte er: "Ich würde mich nicht wundern, wenn in diese Geschichte nicht auch Linienrichter verstrickt sind."

Beim DFB befürchtet man offenbar eine beträchtliche und möglicherweise organisierte kriminelle Energie im Umfeld von Hoyzer. Darauf deutet hin, dass im DFB-Präsidium darauf gedrängt wurde, zum Schutz von Zeugen die Polizei einzuschalten. Bei einer Vollversammlung am Donnerstag will der Verband die 44 Unparteiischen aus der ersten und zweiten Liga über den Stand der Dinge informieren und zugleich Verhaltensregeln ausgeben. "An sich ist es selbstverständlich, dass sich Schiedsrichter nicht an Sportwetten beteiligen. Darauf werde ich nochmals konkret hinweisen", kündigte Roth an. Allerdings müssen die Schiedsrichter nicht, wie zunächst erwogen, eine schriftliche Ehrenerklärung abgeben, dass sie nicht auf Fußballspiele wetten.

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