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26.01.2010

11:57 Uhr

Viererbob 1928

Als der „Bussard“ zu Gold flog

VonGrischa Brower-Rabinowitsch

1 570 Meter und 16 Kurven: Deutschland gewann die erste Medaille bei Olympischen Spielen überhaupt in der Bobbahn von St. Moritz im Jahr 1928. Wie die tollkühnen Sportler um Lenker Hans Edgar Endreß im Schlitten Deutschland II auf das Treppchen fuhren und damit Geschichte schrieben.

DÜSSELDORF. Die Fédération Internationale de Bobsleigh et de Toboganning (FIBT) hatte in diesem Jahr gerade die Regeln geändert. Erlaubt waren nun fünf Mann im Bob und der "ventre á terre"-Stil, bei dem die Besatzung nicht mehr auf dem Bob saß, sondern mit dem Kopf nach vorne auf dem Schlitten lag.

Am 18. Februar 1928 gehen die tollkühnen Bobfahrer an den Start. Nur zwei Läufe - ursprünglich waren vier geplant, aber das Tauwetter macht einen Strich durch die Rechnung - stehen auf dem Programm. Deutschland tritt mit zwei Bobs an: In dem Gefährt mit der Nummer I sitzen Rudolf Soenning, Paul Volkhardt, Karl-Max Reinhardt, Paul Martin sowie Lenker Hans Edgar Endreß.

Deutschland II tritt mit Lenker Hanns Kilian, Bremser Valentin Krempel sowie Hans Heß, Sebastian Huber und Hanns Nägle auf dem Rad gesteuerten Bob "Bussard" an. Die deutschen Bobs mussten mit zwei Schwierigkeiten kämpfen: Das Liegendfahren und die ungewohnte Spurbreite von 46 cm. In Deutschland sind zu der Zeit 66 bis 67 cm üblich.

Das Rennen dominieren jedoch Bobfahrer aus Übersee: "Amerika II" mit Lenker Fiske gewinnt in einer Gesamtzeit von 3:20,5 Minuten vor "Amerika I" mit Lenker Heaton. Überraschend landet Deutschland II mit Lenker Hanns Kilian auf dem Bronzerang. Deutschland I enttäuscht dagegen auf ganzer Linie und landet abgeschlagen auf Platz 18.

"Die deutschen Bobfahrer haben sich in den letzten Jahren oft mit Verhältnissen abfinden müssen, die als nicht besonders ideal galten, sie haben unter schwierigsten Verhältnissen Leistungen gezeigt, die in den gefahrenen Zeiten, in Beachtung der minderen Eis- und Schneeverhältnisse, weit über dem Bahnrekord von St. Moritz lagen", sagt der Sportwart des Deutschen Bobverbandes, Rudolf Reinecke, später. Er wertete die Bronzemedaille von Kilian als Folge des konzentrierten Trainings und der "hohen Kulturstufe, auf der sich unser Bobsport in Deutschland befindet". Das gilt wohl auch heute noch...

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