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07.11.2011

09:43 Uhr

Voestalpine

Stahlkonzern forscht für Österreichs Ski-Fahrer

VonStefan Menzel

Das laufende Kartellverfahren in Deutschland zwingt den Stahlkonzern aus Linz, sein Image wieder aufzupolieren. Nun will er den Skisport fördern.

Österreichs Christoph Noesig beim Riesenslalom in Sölden. dapd

Österreichs Christoph Noesig beim Riesenslalom in Sölden.

LinzEin Stahlkonzern macht Lärm und Dreck. Und wenn es ganz schlimm kommt, steht auch noch das Kartellamt vor der Tür. In Linz, dem wichtigsten Standort der österreichischen Voestalpine-Gruppe, dampfen die Schlote auf den Hochöfen, zum Glück hält sich die Umweltbelastung in Grenzen. Viel gravierender sind die Probleme, die der Stahlkonzern mit dem deutschen Kartellamt hat. Voestalpine gehört zu einem exklusiven Kreis von Schienenherstellern, die die Deutsche Bahn mit Preisabsprachen über Jahre hinweg mindestens um einen dreistelligen Millionenbetrag geprellt haben.
Der Ruf ist durch das Kartellverfahren ramponiert, auch zu Hause in Österreich hat das Image gelitten. Da hilft es, wenn sich der Konzern seiner Wurzeln erinnert. Skifahren gehört zu den unverzichtbaren Traditionen des Landes, die meisten Kinder lernen Abfahrt und Slalom noch in der Schule. Und deshalb ist es durchaus ein kluger Schachzug, wenn der Konzern jetzt das Skifahren entdeckt.
Voestalpine hilft dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) und den Profi-Rennfahrern des Landes, die den großen Erfolgen der vergangenen Jahrzehnte ein wenig hinterherfahren. Edelmetall bei Weltmeisterschaften und Olympia ist für die Österreicher längst nicht mehr garantiert. Der Stahlkonzern hat ein Kooperationsabkommen mit dem ÖSV abgeschlossen. "Zunächst einmal für vier Jahre", erläutert Vorstandschef Wolfgang Eder.
Voestalpine schickt seine besten Ingenieure aus den Entwicklungslabors vor, damit die Skiläufer aus Österreich wieder schneller werden und mehr Goldmedaillen holen. Die Stahl-Ingenieure, die sonst für die Voestalpine-Kunden aus der Automobilindustrie an neuen Entwicklungen feilen, sollen die Wirkungsweise von Ski, Bindung und Skischuh verbessern. "Wir betreiben Grundlagenforschung", betont Eder. Die Ausrüstung müsse leichter und zugleich stabiler werden. In den Labors in Linz würden Prototypen entwickelt, die das Nationalteam später mit den Skiherstellern zur Serienreife bringen müssten.
Skiverband und Stahlkonzern verweigern jede Auskunft darüber, wie viel Geld sich Voestalpine die Förderung der Sportler kosten lässt. "Wir haben Stillschweigen vereinbart", sagt Peter Schröcksnadel, der Präsident des ÖSV. Einige Millionen dürfe die Kooperation kosten. Zumal der Konzern den Spitzensportlern in einem der wichtigsten Skigebiete des Landes auch noch teure Anlagen für die Zeitmessung baut.
In knapp zwei Jahren veranstaltet Österreich die alpine Ski-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Die ersten Voestalpine-Entwicklungen sollten dann schon in die Ausrüstung der Profi-Skifahrer eingeflossen sein - die der Konkurrenz damit vielleicht das Fürchten lehren. Wie das deutsche Kartellamt dem Voestalpine-Konzern.

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