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08.02.2006

17:11 Uhr

Vom Sorgenkind bis zur Fahnenträgerin

Teichmann bereitet Sorgen, Wilhelm trägt die Fahne

Vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Turin ist Langläufer Axel Teichmann das große Sorgenkind im deutschen Team. Dagegen freute sich Kati Wilhelm darüber, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne zu tragen.

Eine positive und drei eher negative Nachrichten sind heute aus dem deutschen Olympia-Lager in Turin gekommen. Grund zur Freude hatte Kati Wilhelm, die am Freitag bei der Eröffnungsfeier der XX. Olympischen Winterspiele die deutsche Fahne tragen wird.

Dagegen beschäftigt die Stasi-Affäre um Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer nun das Berliner Kammergericht und neben der angeschlagenen Eiskunstläuferin Eva-Maria Fitze wird Gold-Kandidat Axel Teichmann vor dem Langlauf-Auftakt immer mehr zum Sorgenkind.

Sorge um die Sicherheit

In der Olympia-Stadt wächst vor der Eröffnung mit mehr als 42 Staats- und Regierungschefs die Sorge um die Sicherheit: Die Vorkehrungen wurden nochmals verstärkt, vor allem muslimische Gemeinden gerieten ins Visier.

Aus Angst vor Anschlägen mit chemischen oder biologischen Kampfstoffen durchsuchten Spezialisten die Wettkampfstätten. Auch die Belüftungsanlagen der neuen U-Bahn und auf dem Flughafen wurden genau überprüft. Dabei wurden rund 50 Spezialisten aus ganz Italien sowie Spürhunde eingesetzt. Die Mediendörfer, vor allem das des amerikanischen TV-Senders NBC, wurden mit insgesamt 950 Metalldetektoren untersucht.

Pavarotti singt bei der Eröffnungsfeier

Während die olympische Fackel am Mittwoch die Vororte Turins erreichte, verdichtete sich, dass Italiens früherer Skistar Alberto Tomba das Feuer entzünden wird. Gesichert ist inzwischen, dass Star-Tenor Luciano Pavarotti bei der Eröffnungsfeier singt. Anwesend ist dann auch Bundespräsident Horst Köhler, der am Wochenende viele Sportveranstaltungen besucht und am Samstag im Olympischen Dorf mit deutschen Athleten speist.

Bei Axel Teichmann steht nach dem drohenden Ausfall in seinem Lieblingsrennen über 30km auch der Einsatz im Teamsprint am Dienstag in Frage. Frühestens am Tag der Eröffnung kann der Ex-Weltmeister anreisen. Der Goldkandidat kann derzeit überhaupt nicht trainieren, weil er mit einem Antibiotikum behandelt wird. "Wir müssen uns die Zeit nehmen, die wir eigentlich nicht haben", sagt Heimtrainer Cuno Schreyl. Möglicherweise kann der Oberhofer erst beim 15-km-Rennen am 17. Februar einsteigen.

"Ich habe keine Sekunde gezögert"

Große Zufriedenheit herrschte dagegen im Biathlonlager. Als Kati Wilhelm die freudige Nachricht erfuhr, wäre ihr vor Aufregung fast das Frühstücksei vom Tisch gerollt. "Das Telefon klingelte, und ich wurde gefragt, ob ich die deutsche Fahne tragen will. Ich habe keine Sekunde gezögert und ja gesagt", meinte die Doppel-Olympiasiegerin von Salt Lake City 2002. Die 29-Jährige aus Zella-Mehlis, Medaillen-Kandidatin in allen fünf Wettbewerben: "Jetzt habe ich schon vor dem ersten Wettkampf ein Highlight."

Ingo Steuer, der inzwischen jeden Kommentar gegenüber den Medien ablehnt, wir möglicherweise den Wettkampf seiner Schützlinge nicht sehen. Während der Chemnitzer am Mittwochmorgen das erste Eistraining seiner Paarläufer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy leitete, bereitete das Nationale Olympische Komitee (NOK) den Eilantrag beim Berliner Kammergericht vor. Damit sollte der Ausschluss Steuers aus dem Olympia-Team zwei Tage vor der Eröffnungsfeier am Freitag doch noch auf den Weg gebracht werden.

"Wir hoffen, dass es noch vor dem Wochenende zur Verhandlung kommt", sagte NOK-Generalsekretär Bernhard Schwank. Die Ad-hoc-Kommission des Obersten Sportgerichtshofs CAS wird das NOK dagegen nicht anrufen. NOK-Präsident Klaus Steinbach: "Wir hätten uns strafbar gemacht, wenn wir gegen die Entscheidung eines deutschen Gerichts international vorgegangen wären. Nach derzeitigem Stand wird Ingo Steuer sein Paar aber bei dem Wettbewerb betreuen."

© SID

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