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03.12.2014

17:51 Uhr

Vom Staat unterstützt

ARD-Doku enthüllt russisches Doping-System

Die großen Erfolge der Sportnation Russland sind offenbar auch auf Doping und Korruption aufgebaut. Eine ARD-Dokumentation liefert entsprechende Belege. Selbst die Welt-Anti-Doping-Agentur reagiert schockiert.

Die ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping“ könnte die Glaubwürdigkeit der Sportnation Russland in den Grundfesten erschüttern dpa

Die ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping“ könnte die Glaubwürdigkeit der Sportnation Russland in den Grundfesten erschüttern

DüsseldorfSystematisches Doping, Vertuschung von positiven Kontrollen, Schmiergeldzahlungen und Korruption: Die ARD-Doku „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“ könnte die Glaubwürdigkeit einer großen Sportnation in den Grundfesten erschüttern. „Die Kombination all dieser Dinge ist fürchterlich schockierend“, erklärte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), zu den Enthüllungen. Entsetzt reagierte auch WADA-Gründungsdirektor Richard Pound auf den Film von Hajo Seppelt, in dem Insider und Sportler über ein nahezu flächendeckendes Dopingsystem auspacken: „Das ist ein extrem alarmierender Fall.“

Die 60-minütige Dokumentation (Sendetermin: Mittwoch, 18.50 Uhr) präsentiert geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen zu einem staatlich unterstützten Doping sowie zu einem offenbar im Hintergrund wirkenden Betrugs- und Vertuschungsapparat. Die Spur der Recherche führt bis in das Dopingkontrolllabor in Moskau und in den Leichtathletik-Weltverband IAAF. „Sie hat mir erzählt, dass alle Sportler in Russland dopen und dass die Ergebnisse nicht ohne Doping erreicht werden können“, sagte Witali Stepanow, der ehemalige Leiter des Ausbildungsprogramms der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, in einem Interview.

Im Detail schilderte ihm die 800-Meter-Weltklasseläuferin und heutige Ehefrau Julia Rusanowa (heute Stepanowa), wie sie jahrelang gedopt wurde. „Als wir uns kennenlernten, habe ich ihm die Augen geöffnet und erzählt, wie es wirklich funktioniert“, sagte die Athletin, die 2013 für zwei Jahre gesperrt wurde, der ARD. „Den Trainern wird es eingehämmert und die hämmern es den Athleten ein. Die Athleten denken deshalb gar nicht, wenn sie verbotene Präparate einnehmen, dass sie etwas Unrechtes tun.“

Es seien beliebige Mädchen von Trainern ausgesucht worden, um sie mit verbotenen Tabletten zu füttern. „Und morgen wird sie gesperrt und dann sagen sie, wir finden ein neues. Und wenn einer erwischt wird, schmeißen sie den Sportler weg und nehmen einen neuen.“ Bestätigt wird das auch vom russischen Wurfdisziplintrainer Oleg Popow: „Der Sportler hat keine Wahl.“ Die Diskuswerferin Jewgenia Pecherina behauptet sogar, „der größte Teil der Athleten dopen, 99 Prozent“.

In einem in der Sendung gezeigten Handyvideo berichtet auch die 800-Meter-Olympiasiegerin von London 2012, Marija Sawinowa, über ihre Dopingpraktiken – etwa die Einnahme des Anabolikums Oxandrolon.

Kommentare (2)

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Herr Paul Mueller

03.12.2014, 20:08 Uhr

Die Reportagen zum Doping in der DDR und der BRD bis ins heutige Jahr liefen ja schon. Der russische Report wird nicht viel neues bringen - aber ist evtl auch für einen ganz anderen Kontext gedacht?
Zurück zum Doping: Einer toppte sie alle zusammen - Lance Armstrong. Dieser Mann fiel nicht nur durch systematisches, skrupelloses Doping auf, sondern auch durch unglaubliche soziale Heuchelei, und Erpressung seiner Teamkollegen zu Doping. Jahrelang hat Armstrong Millionen von Sportlern und Sportbegeisterten betrogen. Wieviel Millionen Sportler haben sich anschliessend verschämt ihr gelbes Heuchelbändchen vom Arm gestreift...
Lance Armstrong - ein wahrhaft beispielhafter Vertreter seines Landes, gierig, schmierig, falsch, verschlagen, hinterhältig, und immer ausschliesslich auf den eigen Vorteil bedacht, ohne Rücksicht auf andere Mitmenschen.

Herr Thomas Ungläubig

04.12.2014, 12:27 Uhr

Jan Ulrich hat eimal gesagt »Ich habe niemanden betrogen«. Er hat damit gemeint, dass seine Gegner ebenfalls gedopt haben und das begeisterte Publikum hätte es wissen können. Rudi Altig sagte schon dass man mit einem Müsliriegel und einer Flasche Wasser nicht in diesem Tempo nach Alpe d'Huez hinauffährt.

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