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09.07.2015

17:53 Uhr

Vor Totilas-Rückkehr

Deutsche Dressur-Equipe siegt locker

Alle warten auf das berühmteste Dressurpferd der Welt. Vor der Rückkehr des einst als Wunderpferd gefeierten Hengstes gewinnt die deutsche Dressur-Equipe den Nationenpreis in Hagen – und qualifiziert sich für die EM.

Rath gewann mit seinem Pferd Danönchen Old die Dressurprüfung Prix St. Georg. dpa

Dressur-Reiter Matthias Alexander Rath

Rath gewann mit seinem Pferd Danönchen Old die Dressurprüfung Prix St. Georg.

Hagen/OsnabrückTotilas wartete in seiner Box auf das von den Fans ersehnte Comeback, während die deutsche Dressur-Nationalmannschaft unangefochten ihrem Sieg entgegen ritt. Mit großem Abstand gewann das Gastgeber-Quartett am Donnerstag den Nationenpreis beim Turnier in Hagen bei Osnabrück. Angeführt von der deutschen Meisterin Kristina Bröring-Sprehe dominierten die Deutschen den Wettbewerb, derweil blieb das berühmteste und teuerste Dressurpferd der Welt im Stallzelt. Die Totilas-Rückkehr nach einem Jahr Wettkampfpause ist erst an diesem Freitag geplant.

Die Mitglieder der Nationalmannschaft ließen sich von dem Rummel um Totilas nicht beeindrucken. Angesichts der Konkurrenz stand der Sieg ohnehin nie infrage, denn Niederländer und Briten schickten nur B-Mannschaften. Für die einheimischen Starter stand vielmehr der Kampf um die Tickets für die Europameisterschaft im August in Aachen in Vordergrund, denn Hagen ist die zweite Sichtung.

Ihren EM-Startplatz sicher haben dürften: Kristina Bröring-Sprehe (Dinklage) mit Desperados, Jessica von Bredow-Werndl (Tuntenhausen) mit Unee und Isabell Werth (Rheinberg) mit Don Johnson. Die Hoffnung, dass Werth ihr zuletzt verletztes Toppferd Bella Rose bei der EM reiten kann, hat sich endgültig zerschlagen. „Für mich ist das Thema abgehakt, es hat keinen Zweck“, sagte die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin. Pech hatte Startreiter Hubertus Schmidt. Der Reiter aus Borchen-Etteln begann mit Imperio stark, ehe eine Sturmböe minutenlang über den Platz fegte und den Hengst verschreckte. „Das war ärgerlich“, kommentierte Schmidt: „Noch schlimmer als der Regen war der starke Wind.“ Ob der Ritt seine EM-Chancen mindert „weiß ich nicht, ich war auf jeden Fall erstmal gekickt“.

Das Turnier in Hagen ist auch für Matthias Rath und den immer wieder verletzten Totilas die letzte Chance, sich für die EM zu qualifizieren. Bei der ersten Sichtung bei der deutschen Meisterschaft war der Hengst noch nicht fit genug, weshalb Rath in Hagen auch nicht im Nationalteam mitreiten durfte.

Wunderpferd Totilas

Dressurpferd

Der einstige Jahrhundert-Hengst Totilas hat 2010 unter dem Niederländer Edward Gal sämtliche WM-Titel gewonnen. Danach wurde das Dressurpferd für zehn Millionen Euro an Paul Schockemöhle verkauft – Rekordwert. Totilas sollte danach der Popstar des Reitsports werden.

Quellen: dpa, sid

Zweijährige Pause

Totilas hat in den letzten zwei Jahren pausiert. Seit dem Comeback im Mai gab es für Totilas und seinen neuen Reiter Matthias Rath sechs Siege bei sechs Starts. In Aachen siegte Totilas zudem im Einzel und mit der Mannschaft.

Alter

Das Dressurpferd ist mittlerweile 14 Jahre alt. Ist es noch zu Höchstleistungen fähig? Reiter Rath: "Es hat auch schon Pferde gegeben, die mit 17, 18 oder 19 Jahren im Viereck noch Topleistungen gebracht haben. Dementsprechend sollte das reine Alter kein Problem sein.“

Vermarktung

Tassen und T-Shirts gab es schon, bevor der Reiter Matthias Rath überhaupt das erste Mal mit dem Dressurhengst Totilas zum Wettkampf eingeritten ist. Etwas voreilig lief die große Vermarktungs-Maschinerie für das teuerste Dressurpferd der Welt an. Das war 2011.

Zurückhaltung

Knapp drei Jahre später, gibt es keinen eigenen Totilas-Stand beim Chio in Aachen mehr. „Wir waren schon ausverkauft“, antwortet Michael Mronz augenzwinkernd auf die Frage nach dem Warum. Mronz hatte sich mit seiner Agentur MMP die Markenrechte gesichert und eine für den Pferdesport beispiellose Marketing-Kampagne angekurbelt.

Gelernt

„Wenn man etwas macht, gehört auch dazu, dass man auch Dinge macht, aus denen man lernt“, sagt der Vermarkter Mronz. Dass die Investitionen in Tassen, T-Shirts und anderen Totilas-Schnickschnack höher waren als die Gewinne, das lässt sich nur vermuten.

Stillstand

Der Vermarkter gibt zu: „Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob es sinnvoll war, eine Merchandising-Kollektion direkt am Anfang aufzulegen.“ Ob es irgendwann wieder Tassen und T-Shirts mit dem bekanntesten Dressurpferd der Welt geben wird, lässt er offen.

Internet

Auf seiner eigenen Internetseite hat sich das einstige Wunderpferd seit knapp zwei Jahren nicht mehr gemeldet. Dabei gäbe es doch über das wundersame Comeback und die lange Leidenszeit viel zu erzählen.

Bescheidenheit

Rath ist ohnehin der Zurückhaltendste im Totilas-Umfeld. Er ist aber noch vorsichtiger geworden. Obwohl der 29-Jährige aus Kronberg Totilas nach der langen Pause besser und lockerer reitet als in der ersten Phase nach dem Kauf des Pferdes, scheint er seine Lektionen gelernt zu haben. „Wir wissen gerade aus der Vergangenheit, dass es schnell hin und hergehen kann“, sagt der Totilas-Reiter. Da ist es im Zweifelsfall besser, auch mal zu schweigen.

Wie weit ist der 15-jährige Hengst nun nach der langen Verletzungspause und zwölf Monaten ohne Turniereinsatz? Rath wollte darüber nicht reden, „erst am Freitag nach dem Ritt“. Der 30 Jahre alte Reiter aus Kronberg zeigte sich vor dem Comeback einsilbig und sagte lediglich: „Schön, wieder hier zu sein.“ An gleicher Stelle erlebte Rath vor drei Jahren eine gelungene Rückkehr in den Turniersport nach acht Monaten Pause: Er gewann zwei Prüfungen.

„Es liegt ein hoher Druck auf dem Reiter“, sagte Turnier-Organisator Ullrich Kasselmann. Als Pferdehändler hat er einen geübten Blick und sagte: „Totilas sieht fit aus.“ Auch die tierärztliche Untersuchung passierte das teuerste Dressurpferd der Welt ohne Beanstandungen. Nach diesem Vet-Check von Totilas ritt Rath mit dem Nachwuchspferd Danönchen in einer kleineren Prüfung und gewann vor der Britin Laura Tomlinson mit Capri Sonne.

Von

dpa

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