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03.03.2014

14:25 Uhr

Wegen Krim-Krise

Boykott-Gefahr der Paralympischen Spiele wächst

VonDésirée Linde

Die Sportverbände halten an den Paralympics trotz der Krim-Krise fest. Das deutsche Team reist am Dienstag nach Sotschi – während knapp 500 Kilometer westlich Wladimir Putin auf der Krim das Militär in Stellung bringt.

Wohl dabei: Die deutsche Skirennfahrerin Anna Schaffelhuber wird am Dienstag zu den Paralympics nach Sotschi aufbrechen. dpa

Wohl dabei: Die deutsche Skirennfahrerin Anna Schaffelhuber wird am Dienstag zu den Paralympics nach Sotschi aufbrechen.

Berlin/DüsseldorfTrotz der verschärften Lage auf der Krim sehen Funktionäre und Athleten die Paralympics, die am Freitag, 7. März, bis zum 16. März ausgetragen werden, noch nicht in Gefahr. Nach jetzigem Stand will der Deutsche Behindertensport-Verband (DBS) seine 13 Athleten wie geplant am Dienstag nach Sotschi fliegen lassen.

Der Ort am der Schwarzmeerküste liegt knapp 500 Meter östlich von Sewastopol, dem Standort der Schwarzmeerflotte auf dem Krisenherd Krim entfernt. Dort bringt Wladimir Putin derzeit seine Truppen in Stellung.

„Wir beobachten die Lage auf der Krim natürlich genau und permanent“, teilte DSB-Vorstand Michael Rosenbaum auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. Weiterhin gelte, trotz der verschärften Lage, was Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher bereits erklärt hatte. Demnach sieht der DSB derzeit für den Raum Moskau und Sotschi keine Gefahr. „Wir haben derzeit keinen Grund, nicht zu fahren“, sagte er.

Sollte sich die Lage jedoch weiter zuspitzen und eine Gefahr für die Athleten bestehen, werde Beucher sich dafür einsetzen, dass kein deutsches Paralympics-Team nach Sotschi reist. „Die Sicherheit steht über allem“, betonte der Verbandspräsident. „Wir müssen sicherstellen, dass keine Gefährdung für Leib und Leben besteht", sagte Beucher. Auch eine vorzeitige Abreise aus Sotschi sei daher nicht völlig auszuschließen. Er sei „sehr besorgt“.

Die Halbinsel Krim

Lage und Verwaltung

Die Halbinsel am Schwarzen Meer umfasst eine Fläche von 26.000 Quadratkilometer. Sie ist unterteilt in die Autonome Republik Krim und den Stadtbezirk Sewastopol, der direkt der ukrainischen Zentralregierung untersteht. 1991 hatten die Bewohner der Krim mehrheitlich für die Autonomie innerhalb der Ukraine gestimmt.

Bevölkerung

Knapp zwei Millionen Menschen leben auf der Halbinsel. Mit fast 60 Prozent stellen russische Staatsbürger den größten Bevölkerungsanteil. 24 Prozent der Einwohner sind Ukrainer, zwölf Prozent Krimtataren. Zu den weiteren Bevölkerungsgruppen gehören unter anderem Krimdeutsche, Weißrussen und Polen. Die Amtssprache ist Ukrainisch. Russisch und Krimtatarisch sind anerkannte Sprachen. In einer Volkszählung gaben 2001 fast 80 Prozent der Bevölkerung Russisch als Muttersprache an.

Strategische Bedeutung

Strategisch ist die Krim von besonderer Bedeutung, weil in Sewastopol die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. 1997 handelten Russland und die Ukraine einen Freundschaftsvertrag aus, der die Stationierung der russischen Flotte bis 2017 festschrieb. Der Pachtvertrag wurde im Jahr 2010 bis 2042 verlängert.

Wirtschaft

Wichtige Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft, chemische und petrochemische Industrie, Schwerindustrie und der Tourismus.

Er hoffe aber, dass es Russlands Präsident Wladimir Putin nicht zum Äußersten kommen lassen wird: „Einen größeren Verstoß gegen die Olympische Charta als kriegerische Handlungen kann es nicht geben.“ Bei der Bewertung der Situation verlässt sich der Verband auf das Auswärtige Amt sowie dem Bundesinnenministerium, mit dem man „in ständigem Kontakt“ sei.

Das Bundesinnenministerium sieht die Paralymics derzeit nicht gefährdet. „Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, die dafür sprechen, dass die paralympischen Spiele nicht stattfinden sollten“, sagte ein Sprecher des auch für den Sport zuständigen Ministeriums von Thomas de Maizière am Montag in der Bundespressekonferenz laut der Deutschen Presseagentur. Die Lage vor Ort werde jedoch genau beobachtet. „Ich möchte daran erinnern, dass wir auch bei den Olympischen Spielen intensiv die Sicherheitslage diskutiert haben. Das tun wir jetzt genauso“, sagte der Sprecher.

Beucher kann sich nicht vorstellen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin seine Truppen vor der am Freitag beginnenden Eröffnungsfeier auf der Halbinsel Krim einmarschieren lassen wird. „Putin hat die Paralympics im Auge. Bei einem Militärschlag würde er noch bittere Lorbeeren bekommen“, sagte der DBS-Präsident. Von einem eventuellen Boykott der Spiele wollte der 67-Jährige nicht sprechen.

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